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Einkauf bei Gott

Was Gott wohl anzubieten hat? Heute schreit er laut sein Angebot heraus: Wasser und Brot, das für immer den Durst stillt und für immer satt macht. Impulsgeber ist Pastor Wilfried Röcker.

Wochenspruch   – Mt 11, 28

Psalmgebet – Ps 36, 6-10

Predigttext  – Je 55, 1-5

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

5 Kommentare
Kommentare
  1. Benjamin Elsner
    Benjamin Elsner sagte:

    Grüße vom Konferenzsonntag in Fellbach und danke für die Nachricht! Wir haben den Kleinen Gottesdienst neu hochgeladen und hoffen, dass es jetzt funktioniert!
    Schönen Sonntag euch!

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  2. Annelie Krause
    Annelie Krause aus Winsen sagte:

    Ich kann den kleinen Gottesdienst nicht hören, es gibt nichts zum Abspielen des Audios und nichts zum Herunterladen.

    ich. höre immer sehr gerne Euren kleinen Gottesdienst.
    MfG Annelie

    Antworten
    • Rosel
      Rosel aus Herrenberg sagte:

      Ich kann den morgen Gedanken nicht mehr empfangen obwohl ich ihn abonniert habe könnt ihr mir mitteilen dass lch es wieder hören kann spenden mache ich schon lange durch Überweisungen

      Antworten
      • Krisztina Willy
        Krisztina Willy sagte:

        Liebe Frau Schiffmann, schön, dass Sie inwzischen eine Lösunge gefunden haben, über YouTube uns wieder zu hören! Liebe Grüße Krisztina Willy

        Antworten

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Ach, ich liebe diese Verse aus Jesaja 55!
Sie erinnern mich an einen Marktschreier wie beim Hamburger Fischmarkt. Laut preist er sein Angebot an. Es ist das Beste, was man sich überhaupt nur denken kann. Und sein Angebot ist allumfassend. Zwischen vielen anderen Anbietern ruft er umso lauter: „Hier gibt es Wasser. Kommt, kauft euch zu essen. Auch wer kein Geld hat, kann kommen. Hier gibt es Wein und Milch. Kauft ein – ohne Geld.“

Das ist ja unglaublich! Die Leute werden dem Marktschreier seine Waren regelrecht aus der Hand reißen, oder?
Aber irgendwie scheint das nicht so zu klappen. Er muss weiter werben: „Warum wollt ihr Geld ausgeben für Brot, das nicht wie Brot schmeckt? Warum wollt ihr euren mühsam verdienten Lohn für etwas vergeuden, das nicht satt macht? Hört doch auf mich, dann bekommt ihr Gutes zu essen und könnt köstliche Speisen genießen.“

Merkwürdig. Sind die Leute mit anderen Dingen beschäftigt? Haben sie gerade anders zu klären? Trauen sie dem Angebot nicht? Was nichts kostet ist auch nichts wert? So würden wir aus unserer Perspektive von heute dieses zögerliche Verhalten vielleicht einschätzen.

Damals war es aber anders. Die Leute von damals, an die sich diese Worte richten, waren Vertriebene. Schon vor vielen Jahren wurde ihre Heimat nicht nur von einer Großmacht erobert, der sie nichts entgegenzusetzen hatten. Sie wurden von dort auch verschleppt. Weit weg. Die Frage nach dem „Warum“ war eine bedrückende, denn die Antwort, die sie darauf hatten, war eine schmerzhafte: Gott hat sich von uns abgewandt und damit haben wir allen Schutz verloren. Er hat uns dem Spiel der herrschenden Staatsmächten überlassen, weil wir es nicht mehr wert waren, dass er sich für uns einsetzt. Weil wir uns von ihm abgewandt haben, hat Gott sich von uns abgewandt.
Seit vielen Jahren lebten sie schon in der Fremde. Und in ihrem Selbsturteil waren sie sich sicher: Das wars. Volk Gottes zu sein – das haben wir verspielt. Ihre Trauer war groß. Sie haben ihre Harfen in die Bäume gehängt. – So heißt es in einem Psalm aus dieser Zeit. Wie sollten sie hier in der Fremde die Loblieder singen, die sie früher in Jerusalem gesungen hatten? Und so hatten sie sich ihrem Schicksal ergeben.

Aber in diesem zweiten Teil des Jesaja ab Kapitel 40 läutet ein Prophet, der sich Jesaja nennt, eine neue Zeit ein: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht Euer Gott!“ Fünfzehn Kapitel voller Zuwendung, Trost, Heilszusagen und Erklärungen, warum nun alles anders werden solle. Im Grunde sagt sein Name schon alles: Jesaja, Josua oder Jeschua – alle Namen gehen auf denselben Wortstamm zurück und bedeuten „Gott rettet, Gott hilft“. Sein Name war also Programm.

Doch es ist gar nicht so einfach, nach so viel Erfahrung von Hass und Gewalt, an die Umkehrung der Verhältnisse zu glauben. Darauf zu vertrauen, dass nun alles wieder besser werden könnte, scheint nicht möglich.

Das kann ich nachvollziehen. Es geht ja sogar mir so, dass ich mir derzeit nicht vorstellen kann, wie wir aus dieser Spirale von Hass und Gewalt, Zerstörung und Vertreibung, Abschiebung und „wer auch immer first-Denken“ herauskommen sollen. Also lass ich mir erklären, dass auch wir mehr Geld für Waffen und zu unserem Schutz ausgeben sollten. Dass keine andere Sprache verstanden wird und dass jetzt nicht die Zeit für Diplomatie und Verständigung sei.

No War! Krieg ist keine Lösung. Methodistinnen und Methodisten setzen sich ein für den Frieden. Dieses Plakat hängt in meinem Büro. Es ist mehr als 40 Jahre alt. Damals war der kalte Krieg auf seinem Höhepunkt und in unserem Jugendkreis haben wir heiß miteinander diskutiert, was wohl besser sei. Die Stationierung neuer Mittelstreckenraketen, die auch Atomare Sprengkörper tragen können? Oder Gespräche mit Russland, das bis ebenso bis an die Zähne bewaffnet an der deutsch-deutschen Grenze stand. „Krieg ist keine Lösung“, haben wir im Westen geschrieben. „Schwerter zu Pflugscharen“, riefen die Menschen in Ostdeutschland. Die Friedensbewegung entstand.

Und es geschah das Unglaubliche: Entspannungspolitik. Neue Freiheiten. Eine friedliche Revolution. Ein wiedervereinigtes Deutschland. Ein „zwei plus vier Vertrag“, der den zweiten Weltkrieg endgültig beendete.

Heute, 35 Jahre später, scheint das alles nur noch Schall und Rauch. Haben wir uns wirklich geirrt? Sind wir „selber schuld“, dass nun die Welt scheinbar unausweichlich vor einer Eskalation von Hass und Gewalt steht und sich die Kriege ausdehnen, Kriegsverbrechen weiter ungestraft bleiben und wir nichts tun können? Unser Focus auf die Fakten, scheint das zu bestätigen. Und wie die Menschen damals, können wir scheinbar nichts anderes hören und denken. Auch bei uns hat es der Marktschreier Jesaja schwer.

Ich möchte darum unsere Aufmerksamkeit nochmals auf das Angebot lenken, das Jesaja macht:

Gottes Bundeszusage gilt nicht nur mehr dem Königshaus Davids und seinen Thronfolgern, sondern allen. Eine Bundeszusage, die Gottes Macht und Einfluss auf alle Völker verheißt, weitet sich von einem Herrscher auf die Menschheit aus. Begegnung und Verständigung unter Fremden. Menschen, die sich nicht kennen, finden zueinander. Diese Hoffnung sollte von ihnen, den Verschleppten in Babylon ausgehen, von ihnen, die doch alle Macht und allen Einfluss verloren hatten. Als Vertriebene sollten sie zu Boten eines neuen Miteinanders werden. Was für eine Ehre. Was für eine Wertschätzung. Was für ein Empowerment würde man heute sagen.

Jesus, dessen Name auf denselben Wortstamm wie Jesaja zurückgeht, greift diesen Ruf jenes Jesaja aus den Kapiteln 40 bis 55 auf. „Kommt her zu mir“, ruft auch Jesus den Mühseligen und Beladenen zu. Gott rettet. Gott hilft. „Aufatmen sollt ihr – und frei sein“. So übersetzt Jörg Zink dieses Werben Jesu, das uns in Matthäus 11, 28 überliefert wird.

Dieser Bund, für den Jesaja wirbt, wird durch Jesus bekräftigt. So ist es. Gegen alle Fakten. Eine Einladung an alle Erschöpften, Verzweifelten, Trauernden und Vertriebenen. Es gibt ein anderes Miteinander als das Recht des Stärkeren.

Wenn wir auf die Geschichte der Menschheit sehen, dann scheint sich das, was Jesaja den Menschen damals verheißen hat und wovon Jesus spricht, nicht zu bewahrheiten. Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte voller Gewalt. Eine der Kämpfe zwischen den Religionen. Eine Geschichte von Weltmächten mit Millionen von Opfern.

Und schon liegt unser Fokus wieder auf der erschlagenden Realität und nicht mehr auf Gottes Hoffnung, die Leben stiftet. Es bleibt die Herausforderung, Gottes Werben zu hören und auf Gottes Geschichte mit den Schwachen zu vertrauen.

Ich habe mir vorgenommen, der Aussichtslosigkeit regelmäßig mit einem Gebet für Frieden und Gerechtigkeit zu begegnen. Die Stille suchen, eine Kerze anzünden, Gottes Verheißungen von Frieden und Gerechtigkeit trauen und für jene beten, die auf der Flucht sind, die um ihre Liebsten trauern und nicht wissen, wie es weitergeht. Für die beten, die nach Lösungen in der Diplomatie suchen.
Und ich will mich selbst für Begegnung und Verständigung einsetzen. Es sind genug Menschen, die ich nicht kenne, auf ihrer Flucht in meiner Nachbarschaft gelandet.

Natürlich sind das kleine und unscheinbare Dinge. Gott erwartet nicht die großen Taten. Er wirbt um Vertrauen. Er will uns von einer anderen Welt träumen lassen. Wer träumt mit? Ich will jeden Tag für einen Moment nicht nur auf die Nachrichten von Hass und Gewalt hören. Ich will jeden Tag für einen Augenblick mit Gottes Frieden und Gerechtigkeit rechnen und auf Gottes Werben hören.

 

Amen