Jetzt freu dich halt!

Freude auf Kommando – das geht nicht. Aber Freude, wenn es mir schlecht geht? Das geht. Paulus hat es vorgemacht und erklärt auch, warum. Auch ein Psalmbeter hat seinen guten Grund.

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Freuen Sie sich gerade? Hm. Ich hab noch nicht so oft über „Freude“ gesprochen. Ich habe in jungen Jahren in der Gemeinde gehört und gelernt: Christen freuen sich. Immer. Freude darf sein, muss sogar. Spaß eher nicht. Und ich hab damals immer gedacht: Eine eigentlich schöne Sache kommt da ein bisschen gestelzt daher. Es muss kompliziert sein. Lächeln ja, Gelächter nein. Freude ist irgendwie… eine ernste Sache.

Und seit ich vom schwäbischen Kabarettisten Uli Keuler den Text „Omas Geburtstag“ kenne, hat das Paradoxe in dieser Geschichte einen Klang: „Jetzt frei de halt an bissle!“

Kann man über Freude sprechen, ohne sich zu freuen? Natürlich. Im Lexikon klingt das so: „Freude ist eine Beglückung, eine helle oder heitere Stimmung, ein Frohgefühl. In der Freude fühlt man sich wohl, es sind im Augenblick alle oder ziemlich viele seelischen Bedürfnisse erfüllt. Freude ist eine spontane, innere, emotionale Reaktion auf eine angenehme Situation, eine Person oder Erinnerung. Sie kann sehr verschiedene Formen und Stärken von angenehmen Gefühlen annehmen. Sie kann sich zwischen einem Lächeln und einem Freudenschrei äußern.

Die Bibel stellt die Freude an Gott als eine Quelle der Kraft dar, die es ermöglicht, auch in unerfreulichen Situationen sein inneres Gleichgewicht zu erhalten.“ Steht so im Lexikon. Und auch das fand ich interessant: „Wer seine Freude zeigt, hebt die Mundwinkel. Bei echter Freude lächelt nicht nur der Mund, sondern auch die Augenringmuskeln werden aktiviert. Da sich das nicht bewusst steuern lässt, lachen bei einem erzwungenen Lächeln die Augen nicht mit.“

Man kann sich eben nicht auf Kommando freuen. Freude ist eine Folge, eine Reaktion auf etwas, das für mich angenehm, freundlich ist.

Die Frage ist also: Welches Ereignis verursacht meine Reaktion „Freude“?

Paulus geht davon aus, dass man sich sogar in schwierigen Situationen freuen kann, denn als er seinen Brief an die Philipper schreibt, sitzt er vermutlich im Gefängnis. Da ist Freude erstmal keine Option. Trotzdem schreibt er von Freude.

Zwei Perspektiven sind ihm wichtig und die führen ihn dazu, dass er sich auch im Gefängnis freuen kann.

  1. Jesus kommt bald wieder. Paulus ging davon aus, dass es nicht mehr lange dauert, bis Jesus wiederkommt. Alles, was jetzt gerade geschah, hatte eine kurze Halbwertszeit, konnte alles nicht lange dauern. Nur noch eine kleine Weile, dann ist es soweit. – Vielleicht so, wie sich Schüler jetzt auf die Weihnachtsferien freuen. Oder wir uns auf den nächsten Sommerurlaub. Darauf freue ich mich heute schon. Ereignisse in der Zukunft können uns heute schon beeinflussen. Und überdecken, dass es gerade nicht gut läuft und es wenig Grund zur Freude gibt. Vorfreude ist eine schöne Form von Freude.

Allerdings hat das Ereignis, auf das sich Paulus gefreut hat, seit 2000 Jahren nicht stattgefunden. Und so sehr manche von uns darauf hoffen, dass Jesus bald wiederkommt, müssen wir eben auch damit rechnen, dass das auch noch in weiter Ferne liegen kann und wir es nicht mehr erleben werden. Ich weiß, man soll niemals „nie“ sagen, aber das mit der Vorfreude auf die Wiederkunft Christi als Grund unserer Freude, zieht für uns unter Umständen nur bedingt.

  1. Anders ist es mit dem letzten Satz unseres Textes: „Der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, soll eure Herzen und Gedanken behüten. Er soll sie bewahren in der Gemeinschaft mit Jesus Christus.“

Das kann ich durchaus nachvollziehen. Persönlich formuliere ich das so: Mein Leben ist in Zeit und Ewigkeit bei Gott geborgen und gehalten. Mein ganzes Leben. Alles, was mich freut, alles, was mir Mühe bereitet. Alle Sorgen. Meine Zukunft. Ohne dass ich weiß, wie das alles aussieht und wie es genau wird. Mein Leben ist bei Gott geborgen. Das ist der Grund für Paulus‘ Freude. Er fühlt sich mit Christus verbunden und von Gott geliebt. Im Römerbrief schreibt er sogar: „Ich bin gewiss, dass uns nichts, aber auch gar nichts von der Liebe Gottes trennen kann, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ Das gibt ihm Kraft und macht ihn gelassen.

Im Gefängnis muss Paulus befürchten, dass er das nicht überlebt. Trotzdem schreibt er von einer Freude, die ihn dort trägt und weit darüber hinaus, bis in alle Ewigkeit.

Ich habe in meinem Leben immer wieder Menschen kennengelernt, die diese Freude ausgestrahlt haben. Wenn ich sie dann näher kennenlernt habe, habe ich festgestellt: Diese Menschen sind keineswegs permanent vom Glück verfolgt, sie haben durchaus schwere Schicksalsschläge erlitten. Und trotzdem tragen sie diese Freude in sich, die ich ihnen sogar angesehen habe. Habe ich sie gefragt, wie das kommt, haben etliche sinngemäß geantwortet: „Mein Leben ist trotzdem von Gott gehalten. Gott hat mir meine Sünden vergeben. Ich fühle mich gesegnet. Ich bin getragen. Gott begleitet mich und das schenkt mir Freude.“

Unser Kirchengründer John Wesley nennt das „Heilsgewissheit“. Wie kommt man dazu? Zuerst einmal schenkt Gott sie, ich kann sie nicht machen. Sie ist einfach da.

Aber dann kann ich diese Gewissheit suchen und mir Gewohnheiten aneignen, die mir helfen, diese Gewissheit immer wieder zu finden. John Wesley riet: Praktizieren. Üben. Gewohnheiten pflegen, die mir die Gnade und Liebe Gottes nahebringen, etwa: den Gottesdienst besuchen, am Abendmahl teilnehmen, alleine oder mit andern beten, in der Bibel lesen, fasten.

Wesley meint, so kann ich „in der Liebe Gottes bleiben“. Und tatsächlich erlebe ich es so: Wenn ich das mache, begegnen mir immer wieder die Gnade, Liebe und Freude Gottes. In Bibelworten, in Liedern und Gedanken in Gottesdiensten, im Beten, beim Abendmahl. Dazu lade ich uns immer wieder ein. Besonders jetzt in der Weihnachtszeit, die uns zeigen will: Gott will bei uns sein.

Mein Leben ist in Zeit und Ewigkeit in seiner Liebe gehalten und geborgen.

In diesem Sinn wünsche ich Euch gesegnete Feiertage. Amen