Elternängste

Eltern machen sich Sorgen. Meist mehr als nötig. Aber die Kinder dürfen ruhig hören, dass man sich Sorgen macht. Ist ja auch ein Zeichen der Liebe. So oder so ähnlich geht es dem Autor des Hebräerbriefs. Wir hören davon und freuen usn mit dem Beter, der weiß, was er an Vater oder Mutter Gott hat.

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Wie ist das mit den guten Vorsätzen? Mehr Sport und Bewegung. Immer die Treppen, nie den Aufzug. Mehr frisches Obst und Gemüse. Öfter mal die Tante im Pflegeheim besuchen. Mehr Bahn. Weniger Auto. Am besten Fahrrad. Und natürlich: 10 Kilo weniger auf die Waage bringen. Ich bin wirklich keine Freundin guter Vorsätze. Daher: keine Vorsätze.

Nun klingt der heutige Impulstext, aber genau danach. Nach all dem, was ich machen soll. Schließlich war gerade Weihnachten. Schließlich haben wir gerade von Gott gesagt bekommen und bestenfalls erlebt, dass Gott uns bedingungslos liebt und deshalb ist er ganz Mensch geworden. Es gibt keinen Grund mehr Trübsal zu blasen, keine Hoffnung mehr zu haben oder sich sonst irgendwie schlecht zu fühlen. Gott hat alles gegeben. Jetzt bitte auch du!

Los also und stärk die müden Hände und die wankenden Knie.

Geh festen Schrittes voran. Kann doch nicht so schwer sein!

Auf geht es in Richtung Frieden. Mach was!

Dann bekomme ich auch noch mit auf den Weg, dass Esau aus der Bibel, aber auch wirklich ein Trottel war. Du bist doch nicht so blöd wie der und lässt dich wegen eines schicken Essens von deinem hinterlistigen Bruder um dein Erbe bringen? Nein, so blöd bist du nicht!

Entschuldigung, ist Esau das einzige Problem? Was ist denn mit dem fiesen, niederträchtigen Jakob?

Dieser Text ist einzige Herausforderung. Der Verfasser ist unbekannt. Wahrscheinlich ein Judenchrist und ebenfalls an Judenchristen hat der Autor seinen Brief auch gerichtet. Vielleicht weil er gehört hat, dass sie von ihrem neuen Glauben ein bisschen abgefallen sind, nicht mehr ganz so bei der Sache sind. Straucheln. Die Knie eben wanken und der Schritt nicht mehr ganz so fest und überzeugend.

Mag sein. Aber ob solche Worte helfen? Noch dazu, wenn dann geschrieben steht: „dass nicht jemand Gottes Gnade versäume“. Gottes Gnade versäumen? Gilt die nicht immer? Kann sie weg sein? Schenkt Gott die Gnade nicht ganz ohne Vorbedingung? Ist Gott nicht einfach von Hause aus gnädig?

So kurz vorm Verzweifeln kommt mir dann doch ein rettender Gedanke: vielleicht heißt es im griechischen Ursprungstext gar nicht so und siehe da. Eigentlich wäre die Zeile „dass nicht jemand Gottes Gnade versäume“ besser mit „dass keiner einen Mangel daran leide“ oder „Keine Not daran habe“ besser übersetzt.

Und das hat dann doch eine andere Bedeutung.

Gottes Gnade ist da. Fertig. Aus. Gott liebt dich und mich. Gott vertraut dir und mir. Gott vergibt dir und mir. Gott in Jesus ist nahe. Begleiter, Vorbild, Retter. Gott hat alle seine Karten auf den Tisch gelegt.

Und wenn ich dem Autor des Hebräerbriefs jetzt so zuhöre, dann klingt, das eher wie eine besorgte Mutter oder ein besorgter Vater. Ich klinge manchmal so, wenn ich mit den Kindern spreche.

Mensch, Kinder, da macht man alles für euch. Gibt das letzte Hemd für euch, würde sich den Fuß abhaken, wenn es euch hilft. Sorgt dafür, dass es euch an nichts fehlt, weder an Essen, noch an Kleidern, noch einem warmen Bett. Chauffiert bei euch Regen zur Schule. Verteidigt eure Schlamperei auch noch vor dem Lehrer. Bezahlt den Tennisunterricht und die Sommerfreizeit an der Ostsee. Und was macht ihr? Ein genervtes Gesicht! Seid launisch und mürrisch und zweifelt manchmal lautstark an meiner Liebe. Geht’s noch?

Ja, geht es noch? Was soll Gott eigentlich noch tun, um seine Menschen von sich zu überzeugen?

Unser Autor hier hat Elternängste! Dass die Kinder, obwohl sie alles haben, daraus keine positiven Schlüsse ziehen. Sie leiden Not, obwohl das gar nicht nötig wäre. Sie spüren einen Mangel, obwohl alles da ist, was sie brauchen. Inklusive bedingungsloser Liebe. Die ja gar nicht so häufig im Leben zu finden ist. Gott schenkt sie uns.

Was klingt, wie: Jetzt nimm dir aber mal vor, ein besserer Christ, eine bessere Christin zu sein, das ist eigentlich ein gut gemeinter Rat, sich selbst nicht im Weg zu stehen. Die Augen zu öffnen, für alles was gut ist. Zu erkennen, dass es einer gut mit mir meint. Gott. Dass ich mich nicht blenden lasse und mich nicht von meinem guten Weg mit Gott abbringen lasse. Dass das, was er mir an Lebenshilfe, Orientierung und Halt gibt, gut und hilfreich für mich ist.

Es geht also darum, dass ich mich nicht selbst von dieser Gnade Gottes abschneide, sondern aus dieser Fülle lebe, die Gott mir anbietet. Kein trotziges, undankbares Kind bin oder bleibe, sondern erkenne, dass Gott es absolut gut mit mir meint. Und mit diesem Gedanken, lässt es dich dann doch ganz gut in dieses neue Jahr gehen.

Amen