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Gutes Marketing

Die erste Marketinglektion kann in der Bibel gelernt werden. Über Marketing, Täuschung, Fehler und Lernerfolge geht es heute. Impulsgeber ist Pastor Wilfried Röcker.

Wochenspruch  – 1. Joh 3, 8b

Psalmgebet – Ps 91, 1-6 (9-12)

Predigttext  – 1. Mose 3, 1-19 (20-24)

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Hätte ich mal lieber nicht auf die Schnelle ein Schnäppchen machen wollen, dann wäre ich auf diesen Fake bei Insta nicht reingefallen. Aber der Rabatt, der da ausgeschrieben war, war einfach zu verlockend. Und nun hab ich den Salat: Geld weg, Kreditkarte futsch, Anzeige bei der Polizei aufgeben und „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“. Als mich meine Frau gefragt hat, warum ich denn das gemacht hätte, war ich schnell dabei auf die Werbung bei Insta zu verweisen.

Oh wie peinlich! Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich mal auf einen Fakeshop im Internet reinfalle. Was soll ich tun? Verschweigen. Mich verstecken? Hoffen, dass es niemand merkt? Zu spät. Ich hatte ja schon meine Freunde auf das Supersonderangebot hingewiesen und ihnen geraten, auch noch schnell ein Schnäppchen zu ergattern. Also hab ich meine Geschichte vom Irrtum meinen Freunden ebenso schnell weitererzählt, damit ihnen nicht dasselbe passiert wie mir.

In der jüdischen Tradition hatte man sich jene Geschichte vom Verlust des Paradieses weitererzählt. Und zwar als eine Geschichte übers Erwachsenwerden und darum als eine Geschichte der Fehler. Eine Geschichte über den Umgang mit der Erkenntnis von Gut und Böse und über den Salat, den man sich einbrockt, wenn die Verlockung zu groß ist, eben eine Geschichte darüber, wie ich mit dem Leben klarkommen muss.

Doch der Reihe nach: In jener Erzählung geht es um Gott und seinen Garten, zwei Menschen, Isch und Ischa, eine Schlange und einen Baum mit seiner Frucht.

Stellt euch vor: Isch und Ischa leben im Paradies. Alles ist perfekt. Keine Steuern, keine ungeliebten Nachbarn, keine kaputten Waschmaschinen, weil auch keine Kleider. Für alles ist gesorgt. Die Regeln sind klar. Es gibt zwei Bäume, von denen sie nicht essen sollen. Ansonsten gilt die All-Inclusive-Regel für ein Leben im Paradies. Wir ahnen es und wissen es ja: Genau! Einer der beiden Bäume wird plötzlich zum interessantesten Objekt im ganzen Garten. So wie die Schokolade, die ich in den nächsten Wochen eigentlich nicht mehr kaufen möchte, weil ich mir vorgenommen habe, in der Fastenzeit auf die geliebte Schokolade zu verzichten. Und dann kommt die Schlange. Nicht mit Feuer und Schwefel, nein – mit der Stimme eines Telefonverkäufers: ‚Nur diese eine Tafel noch! Quadratisch, praktisch, gut. Es dauert doch noch ein paar Tage, bis die Fastenzeit beginnt. Willst du diesen Geschmack verpassen?‘“

Die Schlange ist kein Monster. Sie ist die erste Werbetexterin der Geschichte. Und Isch und Ischa? Sind die ersten Menschen, die auf einen Marketing-Trick hereinfallen. Nach dem Bissen kommt die Erkenntnis: ‚Wir sind nackt!‘ – aber nicht im Sinne von ‚Oh, wie schön!‘, sondern von ‚Oh wie peinlich und Oh nein, was haben wir da gerade gemacht?!.‘ Ja, kenne ich auch: Diesen Moment, in dem mir klar wird, dass ich etwas nicht mehr rückgängig machen kann. Der falsche Klick auf ‚Kaufen‘. Das unüberlegte Wort. Die Entscheidung, die mich plötzlich erwachsen fühlen lässt, weil ich die Konsequenzen tragen muss. Ich würde in solchen Situationen am liebsten im Boden versinken. Wünsche mir nichts mehr, als die Zeit nur um ein paar Momente zurückdrehen zu können, damit wieder alles gut ist.

Im Judentum wird diese Erzählung nicht als ‚Sündenfall‘ interpretiert, sondern als eine Geschichte des ‚Erwachsenwerdens‘. Das Leben ist eben kein All-Inclusive-Urlaubsparadies. Es gibt Konsequenzen. Und die heißen: Arbeit, Schmerz, Streit – und die Frage: „Was machen wir jetzt?“

Zum Erwachsensein gehört Verantwortung. Was ich tue, fällt auf mich zurück. Hat seine Auswirkungen. Und obwohl wir ja eigentlich wissen, was gut und böse, richtig und falsch ist, entscheiden sich die Menschen immer wieder für das Böse. Das ist kein Fake. Das ist harte Realität. Ein Blick in die jahrtausendalte Geschichte, seitdem man sich diese Geschichte erzählt, bestätigt dies. Kein Leben im Paradies, sondern Erwachsensein. Mit den Härten im Leben konfrontiert. Ein Leben mit weiteren Fehlern und weiteren Konsequenzen. Und immer wieder ertappe ich mich, dass ich für die Bosheit in der Welt einen Schuldigen suche. Die Schlange – die Begierde – den Teufel. Aber nichts von dem hält stand. Meine Bosheiten muss ich selbst verantworten und andere muss ich erleiden.

Und was macht Gott? Er kommt nicht mit Blitz und Donner, sondern näht Kleider. Der Schöpfer des Universums greift zur Nadel und macht den beiden etwas zum Anziehen. Warum? Weil sie jetzt raus müssen aus dem Paradies. Und da draußen ist es nicht gut, nackt und ungeschützt zu sein. Was für eine Fürsorge. So wie Eltern, die ihrem Kind sagen: ‚Zieh dir was Warmes an, bevor du rausgehst!‘“ Und das Erwachsensein beginnt. Ischa wird zur Mutter, zur Eva. Und Isch erfährt, was es bedeutet Adam zu sein. Der, sich mit dem Ackerboden, der Adama plagt. Ein Leben lang. Bis er stirbt und selbst wieder Adama wird, der Erde, aus der Gott ihn geformt hat.

Was für eine wunderbare Geschichte, die wenn wir die hebräische Bildsprache hinzuziehen noch lebendiger wird. Dieser letzte Abschnitt wird ja oft als Bestrafung verstanden. Doch genauer hingeschaut, ist von Gottes Fürsorge zu lesen. Er gibt ihnen, was sie brauchen: Kleidung für das Leben draußen. Und eine Wahrheit, die uns alle trägt: Scheitern gehört zum Leben. Aber es ist nicht das Ende. Es ist der Moment, in dem wir lernen, Verantwortung zu übernehmen – und in dem wir spüren: Wir sind nicht allein.

Die Geschichte von Adam und Eva erzählt also nicht das Ende vom Paradies. Ich will sie als eine Willkommensgeschichte fürs wirkliche Leben hören, die die Peinlichkeiten nicht verschweigt, sondern sie weitererzählt. Das Leben mit seinen Begehrlichkeiten und den Fehlern, die daraus entstehen können – das ist normal. Macht das Beste draus!

Zum Beispiel: „Wer von Euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein!“ Das war Jesu Rat an die Männer, die scheinbar ganz genau wussten, was richtig und falsch ist. Und die auch noch wussten, welche Konsequenz daraus zu ziehen seien: die Höchststrafe nämlich den Tod durch Steinigung. „Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.“ Glücklicherweise sind die Männer dem Rat Jesu gefolgt. Als die Frau dann mit ihm alleine dastand, fragte er sie: „Hat Dich niemand verurteilt?“ „Nein, niemand.“ „Also ich verurteile Dich auch nicht. Mach das Beste draus.“

Diese Geschichte von den Männern, der Frau und Jesus greift den Gedanken der Fürsorge Gottes auf. Wir sind keine Paradiesbewohner mehr. Männer wurden beinahe zu Mördern. Frauen zu Opfern. Erfahrungen, deren Narben noch lange im Leben zu spüren sind, gehören zum Leben. Keines Falls sind sie kleinzureden. Vielmehr braucht es Verantwortung. Übernahme der Verantwortung. Jeder und jede für seinen Teil, der zu der Situation beigetragen hat.

Und Jesus? Er zeigt in dieser Geschichte, einmal mehr: Gott ist nicht der strenge Richter, der auf uns herabschaut. Sondern der, der uns die Jacke hält, wenn wir stürzen. Der, der uns sagt: „Es ist okay, nicht perfekt zu sein. Aber steh wieder auf. Gestalte Deinen Alltag. Verantwortlich dir und anderen gegenüber.“

Möge Gott uns die Weisheit schenken, unsere Fehler nicht zu wiederholen – und die Gnade, uns nicht von ihnen definieren zu lassen. Möge er uns die Kraft geben, Verantwortung zu tragen – und die Leichtigkeit, auch mal über uns selbst zu lachen. Und lassen wir uns, wenn wir mal wieder stolpern, mit einer wärmenden Jacke überraschen, die Gott uns reicht.