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Erdanziehungskraft. Die ist manchmal ziemlich stark. Alle Körper werden auf der Erde nach unten gezogen. Allerdings: Nicht immer ist die Erdanziehungskraft schuld, wenn ich mit gebeugtem Körper durch die Gegend schleiche. Jesus war kein Physiker. Hatte aber ziemlich viel Ahnung von Kräften, die nach unten ziehen. Und nach oben.

Wochenspruch – Jes 42, 3

Psalmgebet – Ps 147, 1-6.11

Predigttext – Lk 13, 10-17

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Ich liebe diese Geschichte. Ein Mensch, der sich aufrichtet. Der Rücken strafft sich, der Blick wandert langsam vom Boden nach vorne. Oder nach oben. Schultern zurück, Brust raus. Welt ich komme.

Ich denke dabei an unsere Katze. Sie musste nach unserem Umzug zwei Wochen in der Wohnung bleiben. Richtig depressiv ist sie dabei geworden und immer weniger. Als sie endlich nach draußen durfte, hatte man das Gefühl, jemand bläst Leben in sie hinein. Plötzlich war sie eine Katze, straff und voller Energie. Neues Leben.

Unendlich lange und viel kann man über diese Geschichte nachdenken. Machen sie das. Was verkrümmt uns? Was richtet uns auf?

Darum geht es.

Dass es Bindungen und Verkrümmungen in unserem Leben gibt, die nahezu teuflisch sind, weil sie uns nicht gut tun. Sie schaden uns, quälen uns, nehmen uns die Würde und den aufrechten Gang. Sie schaffen es, dass wir gebeugt werden.

„Ich kann das nicht, das schaff‘ ich nie“, „Die anderen können das alle viel besser als ich. Ich bin nicht gut genug, nicht schnell genug, nicht perfekt genug. Immer komme ich zu spät, niemand liebt mich, ich bin im Weg. Ohne mich klappt eh alles besser. Meine Meinung interessiert niemanden. Dieser oder jener verdient mehr als ich, obwohl er weniger arbeitet, ich bin allein, niemand mag mich, ich hab keine Kinder, keine Frau, keinen Mann, meinen Eltern fallen mir zur Last, mein Terminkalender ist übervoll, ich schaff das nicht…“

Kennen Sie solche oder ähnliche Gedanken?

Das ist wahrhaft teuflisch. Und trotzdem völlig normal. Jeder Mensch hat anscheinend solche unguten Antreiber oder Gleise und Spuren im Leben, aus denen man nicht so einfach aussteigen kann.

Es kommt selten vor, dass jemand nur geliebt und aufrecht durchs Leben gehen kann. Jesus vielleicht. Die meisten von uns leiden unter irgendeiner Art von Verkrümmung.

Luther hat dafür übrigens das Wort Sünde verwendet. Nicht, dass ich was falsch gemacht hätte. Es ist die ungute Verkrümmung meines Geistes, meiner Seele und oft genug auch des Leibes. Des ganzen Menschen. Mehr oder weniger.

Und meist geht der Blick dabei nach unten. Man sieht den Boden. Oder diejenigen, denen es noch schlechter geht. Oder muss anderen gegenüber immer nach oben schauen.

Das ist nicht nur eine medizinische Angelegenheit. Obwohl es das auch sein kann. Da liegt etwas auf der Seele, da drückt etwas die Schultern nach unten, da liegt etwas auf dem Magen oder geht an die Nieren.

Was drückt mich? Was macht mich hart? Und krumm?

Leider muss man sagen, dass auch die Christenheit oft genug nicht dazu beigetragen hat, dass die Menschen aufrechter gehen konnten, sondern sie auch noch niedergedrückt hat. Und aus dem christlichen Glauben eine Religion gemacht hat, die die Menschen niederdrückt, klein macht, Regeln vorschreibt, von Verboten redet.

Statt das zu tun, was Jesus getan hat: Die Frau und damit uns Menschen aufgerichtet hat. Jesus und der christliche Glaube, wollen die Menschen aufrichten. Leben sollen wir eingehaucht bekommen, neue Kraft kriegen, der Rücken soll straff werden, die Augen funkeln vor Energie und Lebensfreude. Aufrecht und auf Augenhöhe wollen und sollen wir durchs Leben gehen.

Nicht beschränken will Jesus, sondern befreien. Nicht krumm machen, sondern aufrichten. Frei und auf Augenhöhe.

Interessant ist, wie Jesus diese Frau heilt: Du bist von Deiner Krankheit befreit. Du bist. Er konstatiert. Er sagt der Frau das Offensichtliche. Die Wahrheit. Und indem er es sagt, geschieht es. Richtet sie sich auf.

In dieser Geschichte geht es nicht ums Nachdenken und analysieren. So hilfreich das bei unseren Verkrümmungen manchmal ist. Die Frau versteht den Hinweis, spürt die helfende, berührende Hand und hört den bestimmten Zuspruch. Du bist befreit.

Und es geschieht. Sie richtet sich auf und es geht. Sofort.

Erlösung. Befreiung. Wer immer uns etwas anderes einreden will, schweige. Jesus Christus erlöst uns und befreit uns. Von den Erniedrigungen und Verkrümmungen des Lebens oder anderer Menschen. Innerlich. Auch äußerlich.

Und eben deshalb geschieht dieses Wunder am Sabbat. An dem Tag, an dem wir uns auf Gott ausrichten sollen. Wo Pause ist. Sonntag. Der Tag des Herrn. Gott erlöst und befreit.

Zwei kurze Gedanken noch: In meinem Büro hängt eine gezeichnete Kurzgeschichte von den Peanuts: Charlie Brown beugt den Kopf nach unten und sagt zu Lucy: „So stehe ich, wenn ich deprimiert bin.“ Im nächsten Bild sagt er: „Wenn du deprimiert bist, ist es ungeheuer wichtig, eine bestimmte Haltung einzunehmen.“ Im dritten Bild: „Das verkehrteste wäre, aufrecht und mit erhobenem Kopf dazustehen, weil du dich dann sofort besser fühlst.“ Und im letzten Bild, mit gebeugtem Kopf nach unten: „Wenn du also auch nur ein bisschen Vergnügen an deiner Niedergeschlagenheit haben willst, musst du so dastehen.“

Diese Bildgeschichte will sicher nicht sagen, dass man auf diese Weise einfach Depressionen heilen kann. Aber sie will deutlich machen, dass sich unsere innere Haltung auf unsere äußere Haltung auswirkt.

Und umgekehrt.

Es ist wohl erwiesen, dass man, wenn man fünf Minuten die Mundwinkel nach außen zieht, körperlich bessere Laune bekommt, weil der Körper denkt, dass man fröhlich ist. Eine Bekannte hat mir erzählt, dass sie deshalb auf dem Weg in den Frühdienst häufig einen Stift zwischen die Zähne geklemmt hat. Es soll wohl auch mit einem Messer zwischen den Zähnen funktionieren. Interessant. Nicht.

Deshalb hilft ja körperliche Betätigung und Bewegung fast immer. Die äußere Haltung beeinflusst die innere.

Ein letztes: Aufrecht durchs Leben gehen ist nicht immer einfacher als gebeugt. Das verspricht kein leichteres Leben. Wer gebeugt ist, hat oft das Mitleid der anderen, braucht sich um nichts zu kümmern, hat wenig Verantwortung und ist häufig nicht schuld. Er braucht eher Hilfe und Fürsorge.

Deshalb ist die Frage schon auch, ob wir Erlösung und Befreiung tatsächlich wollen? Für uns selbst. Für die anderen. Wer sich aufrichtet, begegnet auch Widerstand, stößt auf einmal den Kopf an, sieht den Menschen in die Augen. Nicht immer einfacher. Erlösung muss man also auch wolle.

Willst du das? Dann zeig das. Mach dir selbst und anderen bewusst, dass du ein erlöster und befreiter Mensch sein willst. Und bitte Gott, Jesus, dass er es tut.

Ich bin überzeugt, das Wunder geschieht auch heute noch. Lass dich aufrichten. Und tu das deine dazu. Gott helfe dir und segne dich.