Hirt:in 2023

Berufsbild: Hirt:in. Hat darauf heute noch einer oder eine Lust? Hier geht es nicht um Lust, sondern um Verantwortung. Und die haben nicht nur Hirt:innen. Beten wir zum Guten Hirten, zu Gott und hören wir, wie wir unseren Job machen sollen.

2 Kommentare
Kommentare
  1. Markus Bauder
    Markus Bauder aus Stuttgart sagte:

    Hallo Diethelm,
    kurze Antwort: Ja, muss sein. Das als „verhunzen“ zu bezeichnen, trifft mich. Ich hab mir solche Mühe gegeben …
    Tut mir leid, wenn Sie das enttäuscht.

    Antworten
  2. Diethelm
    Diethelm aus Kernen sagte:

    sorry – die ganze gute Predigt mit der „Gendersprache“ zu verhuntzen – sorry, das geht gar nicht !
    muß diese Anbiederung an diesen Gott- und bibelverachtenden mainstream-Blödsinn wirklich sein ?
    ich bin zutiefst enttäuscht

    Antworten

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Ehrlich gesagt, ich kann die Menschen durchaus verstehen, die heutzutage nicht Pastorin oder Pastor, also Hirtin oder Hirte werden wollen. Es ist ja nicht nur so, dass man in der Regel deutlich schlechter verdient als in anderen akademischen Berufen. Von wegen Gewinnsucht. Man hat ja auch noch schlechtere Arbeitszeiten als jeder Angestellte. Gerade wird bei uns die 6-Tage-Woche eingeführt. Von einer 4- oder 5-Tage-Woche ganz zu schweigen. Und dann besteht die Herde ja keineswegs aus folgsamen Schafen, sondern aus Menschen, die Ansprüche haben, die ganz unterschiedliche Interessen verfolgen, die mitreden wollen und die in der Regel keineswegs widerspruchslos einen vorgeschlagenen Weg mitgehen.

Gerade bearbeitet wieder ein eifernder Pharisäer mein Mailpostfach mit dem Vorwurf, wir Pastor:innen lernten die falsche Theologie.

Dabei geht es mir vermutlich wie anderen, die mit ihrem Beruf anderen dienen oder helfen wollen und dabei heute weniger akzeptiert und anerkannt sind als früher: Lehrer:innen z.B. oder Erzieher:innen, Pflegekräfte, ja sogar Polizist:innen oder Feuerwehrleute. Politiker:innen auch. Vor allem diejenigen, die sich auf kommunaler Ebene um das Gemeinwohl kümmern.

Respekt, Achtung, ja manchmal schlichter Anstand und Höflichkeit scheinen manchen Schafen der Herde immer mal wieder abhanden zu kommen. —

Und jetzt ermahnt uns auch noch die Bibel, als Gemeindeälteste und Hirten doch auch ja gute Hirten zu sein. —

Den unvergänglichen Siegeskranz als Motivationshilfe lasse ich hier mal außen vor. Das riecht für mich doch wieder ziemlich nach Eigennutz.

Ich mach das, weil ich mich von Gott dort hingestellt sehe. Weil ich darin meine Berufung sehe. Meine Aufgabe. Ein Stück Sinn in meinem Leben. Dort kann ich meine Gaben einsetzen. Das will ich natürlich so gut wie möglich machen. Darin will ich auch anerkannt sein. Selbstwirksamkeit nennt man das heute.

Und ich möchte davon mein Leben bestreiten können. Ordentlich. Vergleichbar mit anderen, ähnlichen Berufen. Und ich verstehe das, was ich an Geld bekomme, durchaus auch als Lohn für das, was ich tue und nicht nur als „Versorgung“.

Und ich denke, dass mich mein Beruf nicht kaputt oder krank machen sollte. Dass ich da auf mich aufpassen muss.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ich vermute, dass darin auch ein wenig das Problem liegt: ist das jetzt ein Beruf? Mit einigermaßen klaren Arbeitszeiten? Mit klar beschriebenen Aufgabenfeldern für die man zuständig ist. Oder eben nicht. Und einer finanziellen Ausstattung, die man auch als „Lohn“ bezeichnen kann? Als Wertschätzung der geleisteten Arbeit?

Oder vielleicht doch eine Lebensform? Man ist immer Hirte. Tag und Nacht. An allen Orten? Und im Grunde immer den Bedürfnissen und Ansprüchen der sogenannten „Herde“ verpflichtet. Und dem Eigentümer der Herde, also Gott. Da darf es dann im Grunde auch keine Unterbrechung geben.

Ich sage dazu: das sind Fragen unserer Zeit, die wir besprechen und auch beantworten müssen.

Der Bibeltext sagt im Grunde etwas viel Einfacheres. Grundsätzlicheres:

Mach deinen Job richtig und mache ihn möglichst gut. Gib dir alle Mühe zu der du in der Lage bist.

Sei dabei ohne Falschheit. Ohne falsche Hintergedanken. Ohne Manipulation. Gewinnorientierung, Karrierebewusstsein, Hochmut und Selbstbeweihräucherung sind fehl am Platz. Auch Faulheit und ein die Zeit absitzen braucht es nicht. Was soll das auch?

Sei den Menschen verpflichtet. Sei deiner Aufgabe, deinem Beruf verpflichtet. Und Gott. Im Rahmen deiner Möglichkeiten und deiner Kräfte.

Und das – das gilt im Grunde nicht nur für die Herde Gottes und ihre Ältesten oder Hirt:innen. Da auch. Vielleicht sogar als erstes. Aber das gilt für alle Berufe und für alle Tätigkeiten. Das gilt für deine und meine gesamte Lebensgestaltung. Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und Schaden nehme an seiner Seele?

Darin solltest du Vorbild sein. Nicht, indem du versuchst, einem Idealbild nachzueifern und den Vollkommenen zu mimen. Oder falsche Tatsachen vorzutäuschen. Und daran zu scheitern.

Sonden mit deinen Möglichkeiten und Grenzen. Ja auch den Grenzen. Grenzenlos war und ist nur Gott. Selbst Jesus brauchte Zeiten der Ruhe. Der Stille. Zeiten, in denen er sich aus dem Betrieb herausgezogen hat.

Martin Luther soll einmal gesagt haben: Während ich hier mein Wittenbergisch Bier trinke läuft das Evangelium.

Und er meinte damit etwas, was wir z.B. an Petrus und Jesus immer wieder gut beobachten können: Petrus, auf den Jesus seine Kirche baut, ist impulsiv, schnell im Handeln, aber auch opportunistisch. Er hängt sein Fähnlein auch mal in den aktuell wehenden Wind. Als Fischer hat er auch mal leere Netze. Als Jünger greift er auch mal zur Waffe obwohl er das nicht soll.

Jesus beruft ihn und er ist es, der letztlich seine Dinge auch durch Petrus hindurch regelt: seine Kirche, seine Jüngerinnen und Jünger, seine Wunder und Zeichen, seinen Willen, sein Heil und das ewige Leben. Manchmal mit Petrus. Manchmal auch gegen ihn. Manchmal mit seiner Hilfe.

Und so ist es auch mit mir und dir.

Da wünsche ich mir Gelassenheit und Gottvertrauen. Gott macht das schon. Manchmal mit mir und dir. Manchmal auch gegen dich und mich. Manchmal auch mit unserem Einsatz und unserer Hilfe. Zu seiner Herrlichkeit.