Iss und dank!

Es soll Menschen geben, die nicht gerne essen. Die meisten aber wahrscheinlich schon. Essen ist nicht nur lebensnotwendig, sondern – wenn es gut läuft – ein echter Genuss. Natürlich geht es heute an Erntedank ums Essen, denn unser Essen muss geerntet werden, selbst wenn es in Dosen ist.

Impulsgeberin ist Nicole Marten.

Wochenspruch – Ps 145, 15

Psalmgebet – Ps 104,1a.10-15,27-30.33

Predigttext – 1. Tim 4,4-5

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

Unser liebstes Quiche-Rezept!

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„Früher war alles leichter!“ Seufze ich, als ich mir überlege, was ich für meine Geburtstagsfeier kochen soll. Früher, ja, da konnte man sich einfach etwas überlegen, worauf man Lust hatte. Lebensmittelunverträglichkeiten? Ja, hat es schon gegeben, aber häufig hat man es gar nicht gewusst. Vegetarisch essen oder gar vegan? Meist hat das keine große Rolle gespielt. Inzwischen hat sich das geändert. Die eine will kein Fleisch, der andere verzichtet gleich ganz auf alle tierischen Produkte. Eine verträgt kein Gluten, der nächste überhaupt keine Milchprodukte oder keine Eier. Eine Quiche backen, wird also schwierig.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Es ist gut, dass sich Menschen Gedanken machen über ihre Ernährung. Es ist gut, weniger oder gar keine Fleischprodukte zu essen. Es ist gut, sensibel zu sein für Nahrungsmittel, die nicht jeder verträgt. Ich nehme sehr gerne darauf Rücksicht. Insbesondere, wenn eine Freundin beispielsweise keine glutenhaltigen Lebensmittel verträgt. Mein größter Stolz ist es sogar, zu meiner Geburtstagsfeier so zu kochen, dass ich ihr sagen kann: Alles, was hier auf dem Buffet steht, kannst du essen. Du brauchst keine Rücksicht zu nehmen, du musst nicht vorsichtig sein. Es tut mir gut, wenn ihre Augen dann anfangen zu strahlen. Ich finde es auch gut, wenn auf dem Buffet mehr vegetarische Speisen stehen als welche mit Fleisch. Und wenn auch Veganer eine Auswahl haben – und nicht nur Blattsalat essen können.

Doch manchmal habe ich den Eindruck, dass die Essensfrage immer wieder zu einer Art Glaubenskampf wird. Wenn Veganer mich überzeugen wollen, dass ich mich genau so ernähren muss wie sie und mir sagen, und dass es gar keinen anderen Weg gibt. Ich kann viele ihrer Argumente nachvollziehen, aber mir persönlich schmecken die Alternativen zur Kuhmilch im Kaffee einfach nicht. Da hilft auch kein „Du musst das nur trainieren, dich dran gewöhnen, dann geht es schon“. Ich habe es probiert. Ehrlich. Es schmeckt mir nicht.

Trotzdem: Ich bin Veganerinnen und Vegetariern sehr dankbar – auch für die Radikalität, mit der sie manchmal ihre Auffassung vertreten. Ohne diese Radikalität hätte ich vielleicht nicht den Schwerpunkt darauf gesetzt, mehr Gemüse zu essen und weniger Fleisch. Ich habe einige vegetarische Kochbücher, aus denen ich mir immer wieder viele tolle Anregungen für fleischlose Gerichte hole – ich koche nach, probiere Neues aus. Und freue mich diebisch, wenn es meiner Familie gar nicht aufgefallen ist, dass es heute kein Fleisch zu essen gab. Und doch: Manchmal darf es auch ein guter Braten sein oder ein Schnitzel.

Essen ist etwas ganz Persönliches. Ums Essen haben sich auch die frühen Christen gestritten. Sollten die jüdischen Speisevorschriften zwingend eingehalten werden oder nicht? Die ersten Christen waren Juden, sie waren mit diesen Speisevorschriften aufgewachsen und hatten sie verinnerlicht. Später kamen Christen zu den Gemeinden hinzu, die nicht im jüdischen Umfeld aufgewachsen waren – und die keine Speisevorschriften kannten. Oder sie zumindest nicht befolgen wollten. Das war auch Thema auf einer ersten Vollversammlung der führenden Personen in der frühen Christenheit, dem Apostelkonzil, von dem uns Apostelgeschichte 15 berichtet. Das Ergebnis der Beratungen: Christen, die zuvor nicht als Juden gelebt hatten, mussten nur wenige Vorschriften befolgen, längst aber nicht alle. Dennoch flammte der Streit ums Essen auch nach dem Konzil immer wieder einmal in einzelnen Gemeinden heftig auf.

Der Verfasser des ersten Timotheusbriefes bezieht sich auf so einen Konflikt. Anscheinend waren in der Gemeinde Lehrer aufgetreten, die sagten: Christen sollen nicht heiraten und sie sollen auch bestimmte Speisen nicht essen. Da widerspricht der Briefschreiber energisch: Die Speisen wurden von Gott geschaffen, damit sie mit Dank von den Christen empfangen und verzehrt werden. Der Autor geht sogar noch weiter: Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut. Und nichts, was mit Dankgebeten empfangen wird, ist verwerflich. „Halt halt!“, rufe ich innerlich. Moment mal. Es ist in Ordnung, Hühnchenfleisch aus Massentierhaltung zu essen, ich muss Gott nur dafür danken? Nein, das kann es nicht sein.

Die Lehrer damals, sie forderten strenge Askese. Verzicht auf fast alles. Und dagegen wendet sich der Briefschreiber. Es geht nicht darum, sich nur von Wasser und Brot zu ernähren – und daraus ein Gesetz für alle zu machen. Nein, Gott hat die Lebensmittel geschaffen. Für die dürfen wir ihm Danke sagen. Auch Fisch, Fleisch und Milchprodukte sind gute Gaben Gottes, die wir verzehren dürfen. Gleichzeitig spricht die Bibel aber auch davon, dass wir Menschen eine Verantwortung haben für diese Erde und alles, was auf ihr ist.

Verantwortung für Tiere, für Pflanzen und für Menschen. Das ist das, was mich dazu motiviert, auch mal glutenfrei zu kochen. Meiner Freundin zuliebe. Weil das Gluten ihrer Gesundheit schadet. Weil ihre Seele aufatmet, wenn sie einmal alles essen kann. So ist es auch mit der vegetarischen oder veganen Küche. Ich mache das meinem Freund, meiner Freundin zuliebe. Rücksichtnahme. Darum geht es. Es ist so, wie es Paulus formuliert in einem Brief an die Korinther: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten“, und weiter: „Die Speise macht’s nicht, wie wir vor Gott stehen. Essen wir nicht, so fehlt uns nichts, essen wir, so gewinnen wir nichts.“ Der Abschnitt im achten Kapitel des ersten Korintherbrief ist ein Aufruf dazu, auf andere zu achten, auf sie Rücksicht zu nehmen – und bewusst auf bestimmte Speisen zu verzichten. Wenn ich also meiner Freundin zuliebe vegetarisch oder vegan koche, dient das dann letztlich auch meiner Gesundheit, dem Wohl von Tieren und der Beziehung zu meiner Freundin. Und wenn ich Gott aus vollem Herzen dafür danken kann, dass ich die Lebensmittel aus seiner Hand empfangen darf, dann dient das auch meiner Beziehung zu Gott.

 

Amen