Foto: radio m, Anja Kieser

Leben in Fülle!

Leben in Fülle am Ewigkeitssonntag? Da ist es doch vorbei. Nun ja. Wir reden heute von der Fülle des Lebens, weil es die Ewigkeit gibt. Alles klar? Rein hören!

Wochenspruch  – Lk 12,35

Psalmgebet – Ps 126

Predigttext   – Mt 25, 1-13

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Diesen Text mag ich nicht. Da gibt es dumme Frauen. Ja, auch clevere, aber es wird doch ein Bild hervorgerufen, dass mich stört. Hier wird gespalten und ausgegrenzt und davon habe ich wirklich die Schnauze voll, denn genau so läuft es doch gerade, wenn ich das politische Geschehen verfolge. Spalten! Die einen da. Die anderen dort. Es wird herabgesetzt und herabgewürdigt, damit sich nicht mit Argumenten auseinandergesetzt werden muss. Weil Lösungen zu finden, schwierig ist, weil es keine einfachen Antworten gibt? Es ist leichter, Äußeres zu kritisieren, andere herabzusetzen, als sich eingestehen zu müssen, dass einem eine Situation Angst macht oder man sich um die eigentlichen Probleme kümmern müsste, aber davor zurückschreckt. Der heutige Text triggert mich. Die da! Schau, die blicken es nicht. Die einen da, die anderen dort.

Die einen werden in den Himmel kommen, die anderen nicht. Sei wachsam. Pass auf! Lebe korrekt! Ethisch einwandfrei und wie geht das? Das erklären dann die ganz Korrekten und erheben sich über die anderen. Nein, der Text passt mir nicht und schon gar nicht am Ewigkeitssonntag. Und es ist auch nicht das, was ich in der Bibel von Jesus lese, der Liebe predigt sich selbst gegenüber und anderen. Der zusammenführt und nicht trennt.

An einem Tag, der den kirchlichen Jahreskreis schließt. In einem Jahr alles durchlebt. Advent und Geburt, Jesu Wirken und Leben nachgezeichnet. Bis zum Tod und darüber hinaus. Lebensfragen und Lebensabschnitte betrachtet durch die Brille des Glaubens an einen liebenden Gott. Erntedank gefeiert und dann die Themen Sterben und Tod und wie auch das im Glauben betrachtet werden kann. Wie der Lebenszyklus schließt sich das Kirchenjahr mit dem Tod bzw. mit dem Blick in die Ewigkeit. Ein Tag, der mich ganz auf mich selbst zurückwirft. Auf meine Endlichkeit. Schnell weg, denke ich. Ich denke lieber schon mal an den kommenden Sonntag, den ersten Advent. Da beginnt alles wieder neu. Frohe Erwartung.

Aber vielleicht passt der Text dann doch ganz gut.

Denn er kann mehr, als genau so interpretiert zu werden, dass er Ängste schürt. Die Angst, zu spät zu kommen, von Gott abgewiesen zu werden und das Himmelreich zu verpassen. Es ist kein Text, der spalten will, sondern zusammenbringen will, was zusammengehört: Gott und Mensch.

Ich wage heute mal einen ganz anderen Blick auf diese Geschichte. Einen, der vom Leben in die Ewigkeit führt, aber der von gelebtem und geliebtem Leben erzählt.

Zunächst mache ich mir erstmal wieder bewusst, dass diese Erzählung ein Gleichnis ist. Ob Jesus es selbst erzählt hat oder andere es später nur sagen, dass er es erzählt hat, das ist umstritten und kann dahingestellt bleiben. Es ist ein Gleichnis und weil es eine Geschichte erzählt, die zwar von einer Hochzeit erzählt, aber Facetten enthält, die fiktiv sind, ist es eine Parabel.

Parabeln wiederum treffen Aussagen jenseits der primären Sinnebene bzw. wollen gedeutet werden. Und das Gute ist: Bei Parabeln gibt es nie nur eine richtige Deutung. Vielmehr geht es darum, die Geschichte auszudeuten, auf verschiedene Arten zu beleuchten, mitzudenken, weiterzudenken, den Gedanken freien Lauf zu lassen. Wie wunderbar! Es darf gedeutet, hinterfragt, vermutet und immer wieder neu eingeordnet werden.

Ich sehe diese Parabel an einem Ewigkeitssonntag als Einladung zu einem Leben mit Gott, der am Ende meiner Tage auf mich warten wird. Nicht mit verschlossener Tür, sondern mit offenen Armen und der mich heute schon einlädt, an seinem Arm mein Leben zu leben. Und da bin ich dann auch beim Text von heute.

Der Text beginnt mit einem Bräutigam im Dunkeln, der dazu im Dunkeln einen Weg zurücklegen muss, bis er endlich da ankommt, wo er anzukommen hat. Auf dem Hochzeitsfest. Da warten Gäste und Braut. Der Weg hat einen Anfang und ein Ende. Er beginnt im Dunkel und endet im Licht. Und dazwischen liegt der dunkle Weg, der mit Hilfe der Frauen hell werden soll. Durch ihre Öllampen.

Ich deute es so:

Gottes Wunsch ist es, dass wir ins Licht hineingeboren werden und ein Leben im Licht leben, bis wir bei Gott im ewigen Licht sein werden. Das tolle an diesem Gleichnis ist, dass es eigentlich ganz wenig um den Bräutigam und ganz wenig um die Ankunft im Haus geht, sondern ganz viel um die Frauen, die eine Öllampe haben und mehr oder weniger Ölvorräte. Nur durch das Öl, das Licht spendet, ist der Weg zu meistern. Nur durch das Licht der Öllampen kann der Weg zurückgelegt werden. Nur durch das Licht, kann sich der Bräutigam, Gott in Jesus, zeigen, ans Licht kommen und mich auf meinem Weg begleiten. Öl, das ist Nahrung. Öl ist Brennstoff. Öl kann meine Haut schützen. Öl kann wertvolle Stoffe beinhalten, die meine Organe gesund halten. Öle lassen meine Umgebung duften. Öl steht für die Fülle des Lebens.

Ich möchte dieses Gleichnis daher so lesen:

Ich werde geboren in diese Welt hinein und Gott ist schon da.

Ein Leben in Fülle steht mir offen, das ich entdecken darf.

Gott lädt mich ein, nicht im Dunkel zu gehen, sondern das Leben im Licht seiner Liebe zu leben. Damit es hell wird, ganz besonders da, wo das Leben seine dunklen Seiten zeigt.

Ich darf nutzen, was ich habe, um diese Liebe immer wieder zu finden, die mich durchträgt, mir aufhilft, mir immer wieder Hoffnung schenkt und mich weitergehen lässt. Bis ich ankomme, dort wo Gott wartet am Ende meiner Tage.

Dieses Gleichnis ist eine Aufforderung das Leben mit Gott zu leben, um es auszuschöpfen, ganz zu leben, im Licht. Das kann auch heißen, durch seine Liebe den Mut haben, sich einzusetzen für andere. Eine Meile mehr gehen, als andere. Mehr lieben, als andere. Mehr Anstrengungen zu unternehmen, dass es andere leichter haben. Es ist das Mehr an Öl. Das Mehr an Licht. Das Mehr an Liebe, das Gott mir von Anfang an schenkt. Ich darf es entdecken, ergreifen, mein Lebenslicht damit füllen, um meinen Weg zu gehen. Dazu bin ich eingeladen und daran werde ich an diesem Ewigkeitssonntag erinnert. Nicht aus Angst, nicht wegen einer Drohung, soll ich auf Gott setzen, sondern, weil ich durch ihn und mit ihm trotz allem meinen Lebensweg im Licht gehen darf. Gott möchte, dass ich mein Leben im Hellen und nicht im Dunkeln lebe. Keine Ewigkeitsdrohung und auch keine Ewigkeitsvertröstung ist dieser Text, sondern die Aufforderung zu leben: im Licht seiner Liebe.

Tage wie heute wollen meine Ölvorräte wachsen lassen, so wie jedes Gebet, jeder Gedanke an Gott, jede Hilfe und Liebe, die ich für andere habe, jeder Dank, der über meine Lippen kommt, jede stille Umarmung, jeder ehrliche Trost, jedes gute Wort, jede wunderbare Tat. Fülle des Lebens, ergreife sie. Gott schenkt sie dir. Fülle deine Vorräte auf.

Lebe heute bis in alle Ewigkeit. Amen