Lichtblick nötig!

Manchmal wünscht man sich, einfach nur im Bett zu bleiben. Decke über den Kopf und gut. Ist aber nunmal keine Lösung. Was braucht es, um sich den schlechten Nachrichten zu stellen? Ab und an einen Lichtblick. Das weiß schon Jesaja und auch unser Beter. Nicole Marten ist heute unsere Impulsgeberin.

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Manchmal möchte ich mich in eine Höhle verkriechen, die Decke über den Kopf ziehen oder ganz weit weg sein. Manchmal möchte ich einfach nur hinaus in die Natur, alleine, ohne Handy. Manchmal werden mir nämlich die vielen negativen Nachrichten zu viel. Der Krieg in der Ukraine, die Kriege in Syrien, in Niger, im Sudan, im Ostkongo. An vielen Orten in der Welt leben die Menschen im Krieg. Die großen Fluchtbewegungen – sie haben auch hier ihre Ursache. Viele Menschen verschlägt es in Lager. Für die meisten ist das die Endstation – und sie leben dort unter menschenunwürdigen Bedingungen. Die, die es ans Mittelmeer schaffen, haben ein hohes Risiko zu ertrinken. Dann gibt es die flüchtenden Menschen, die wegen des Klimawandels in andere Gebiete der Welt umsiedeln wollen. Es ist an vielen Orten so heiß geworden, dass man dort eigentlich nicht mehr leben kann. Das Wasser ist noch knapper als früher, auch wir in Deutschland merken das, obwohl es manchmal doch noch viel regnet. Die Waldbrände in Südeuropa, aber auch bei uns. Der Starkregen, der örtlich alles zerstört. Inseln, die bald nicht mehr bewohnbar sind. Das Mikroplastik im Meer. All das macht mir zu schaffen. Manchmal überrollen mich die negativen Nachrichten geradezu. Manchmal kann und will ich davon nichts mehr hören. Wenn es dann auch noch im Kleinen schwierig wird, mein Leben in Unordnung gerät, dann möchte ich eigentlich nur noch eins: Nichts mehr davon. Am besten schlafen. In der Hoffnung, dass das Übel in dieser Welt bald vorübergeht.

Vielleicht haben sich die Menschen im alten Israel ähnlich gefühlt. Der Prophet Jesaja ben Amoz, dem das erste Drittel des Jesaja-Buches zugeschrieben wird, trat auf, bevor die Großmacht Assur alles überrollte. Die Zeichen der Zeit standen auf Sturm. Es war abzusehen, dass ein Angriff auf den nächsten folgen würde. Nach König Salomo war Israel geteilt – in ein Königreich im Norden, genannt Israel, und ein Königreich im Süden mit dem Namen Juda. 722 vor Christus fiel das Nordreich Israel an die Assyrer. Das südliche Königreich Juda bestand noch fort. Aber Assur belagerte seine Hauptstadt Jerusalem. Jesaja sieht als Grund dafür, dass das Volk seinem Gott, Adonai, untreu geworden ist. Die Menschen erheben sich über Gott, sie ehren Gott nur mit den Lippen und wollen ansonsten nichts von ihm wissen. Arme werden immer ärmer, Reiche immer reicher.

Als Konsequenz verkündet Jesaja das Gericht Gottes. Eine Unheilsverkündigung reiht sich an die nächste. In immer drastischeren Bildern malt der Prophet das bevorstehende Unglück aus. Angesichts der Bedrohung, die damals in der Luft gelegen haben muss, war das für die Menschen sicherlich mehr als unangenehm. Vielleicht wollten sie irgendwann einfach nichts mehr davon hören.

Doch in all den Botschaften über die vollständige Vernichtung Jerusalems, im Nachdenken über den Fall Israels und die Prophezeiungen von großem Unglück, Leid und Verbannung, in all den Weherufen über denen, die Gottes Gebote nicht halten, wendet sich immer wieder das Blatt. Plötzlich findet Jesaja Worte des Trostes – inmitten der Hoffnungslosigkeit, inmitten von Bedrohung, von Leid von Vorwürfen und Zukunftsangst. Jesaja spricht davon, dass die Feinde Jerusalems vom Winde verweht werden – wie Staub. Dass sie sein werden wie Hungernde, die nichts zu essen bekommen. Dass Gott, der Herr, selbst eingreift und sie vertreibt. Jesaja beschreibt in unserem Text, dass das Libanongebirge wieder fruchtbares Land wird, ein Obstgarten, voller Bäume. Dass Zeiten kommen, in denen es mit den Gewalttätern aus ist und die Schwätzer am Ende sind. Dass alle am Ende sind, die Böses im Sinn hatten. Die Armen werden jubeln, die Verwirrten komme zur Einsicht und die Aufsässigen lassen sich belehren. Wer taub war – wohl für die Worte Gottes – kann wieder hören. Wer blind war und die Worte der Propheten nicht lesen konnte, kann sie jetzt wieder sehen. Alles wendet sich zum Guten.

Manchmal wünsche ich mir auch für mich und uns solche Nachrichten. Manchmal hoffe ich darauf, dass es sich mit dieser Welt wieder zum Guten wendet, obwohl es so viele schlimme Nachrichten gibt, die auf mich einprasseln. Obwohl es brennt, obwohl das Wasser knapp ist, obwohl Menschen fliehen müssen, obwohl es Kriege gibt.

In der scheinbar ausweglosen Situation, in der sich das Königreich Juda damals befand, gibt es durchaus immer wieder solche Botschaften der Hoffnung. Und auch Zeichen. König Hiskija beispielsweise lässt einen Tunnel bauen, mit dem Wasser aus dem Tal auf den Berg der Stadt Jerusalem hinaufgeschafft werden kann. Sanherib, der König von Assur, der die Stadt belagert, zieht plötzlich ab, die Stadt ist vorläufig gerettet. Die Worte des Propheten erfüllen sich – zumindest für 125 Jahre. Dann endet auch das Königreich Juda, und auch Juda geht ins Exil, wie Israel rund 200 Jahre zuvor. Aber auch im Exil in Babylon findet das Jesaja-Buch immer wieder Worte des Trostes; ja, es ruft die Judäer in Babylon sogar dazu auf, der Stadt Bestes zu suchen.

Dieser Blick in die Geschichte Gottes mit dem alten Israel hat etwas unglaublich Tröstliches. Denn Umkehr ist jederzeit möglich. Eine Wende zum Besseren ist immer drin. Die Konsequenzen unseres Handelns – sie sollen uns dazu führen, dass wir anders handeln. Vielleicht steckt ja in den vielen negativen Nachrichten über Klimawandel und Ungerechtigkeit, über Krieg und Macht und Gier auch eine positive Botschaft: Wir können umkehren. Die Menschheit insgesamt kann das aber nur, wenn jeder und jede im Kleinen bei sich selbst damit anfängt. Vielleicht mehr Unverpacktes einkaufen. Vielleicht zwei Mal überlegen, ob man Auto fährt oder Zug. Den Frieden suchen – in unseren Beziehungen. Das klingt vielleicht so, als wäre es nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Die Kriege auf der Welt werden wir so höchstwahrscheinlich nicht stoppen. Und ob eine einzelne Person in Deutschland alleine den Klimawandel aufhalten kann? Eher nicht. Doch ein einzelner Tropfen auf den heißen Stein kann einen Unterschied machen: Nämlich dann, wenn es nicht der einzige Tropfen bleibt. Vor vielen Jahren wurde ein afrikanisches Sprichwort berühmt. Das macht mir Mut, so wie es die Worte des Propheten Jesaja tun. Das Sprichwort geht so: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, dann werden sie das Gesicht der Welt verändern.“ Amen