Liebe ohne Furcht
Ohne die Liebe geht es nicht. Daher kann es nicht oft genug gesagt werden: Gott ist Liebe. Das feiern der 1. Sonntag nach Trinitatis und ein Beter der Bibel.
Ohne die Liebe geht es nicht. Daher kann es nicht oft genug gesagt werden: Gott ist Liebe. Das feiern der 1. Sonntag nach Trinitatis und ein Beter der Bibel.
Wie oft habe ich diese Zeilen aus dem Johannesevangelium bereits gehört! Liebe, Liebe und nochmals Liebe. Geht es auch mit ein bisschen weniger Liebe? Mit weniger Wiederholung? Nein, geht es nicht, den anscheinend ist sie für den Schreiber der Dreh- und Angelpunkt. Die Liebe.
Über die Liebe wird viel geschrieben, viel gesagt, gesungen und besungen. Die Liebe ist tiefrot und rosengleich. Sie ist Versprechen und zu gleich ein Maßstab, der viel fordert. Die Liebe ist manchmal schwer auszuhalten und doch lebensnotwendig. Ich kann sie nicht fassen und doch kann ich sie sehen. Kann ich sie hören.
Die Liebe begegnet mir in den gütigen Augen eines anderen, wenn ich einen Fehler gemacht habe. In der kleinen Hand, die ängstlich meine fasst. In einer stillen Umarmung am Grab und in einer schlaflosen Nacht, wenn einer mit mir wacht. Die Liebe hat Gesichter, Hände und Füße. Sie kann Räume erhellen und Herzen erweichen. Selbst in der lieblosesten Umgebung kann sie wachsen und kann zum Schutzschild der Seele werden. Jeder Mensch ist auf Liebe angewiesen. Sie ist so nötig, wie die Luft zum Atmen. Vielleicht noch nötiger, denn zu sterben ohne Liebe empfangen und gegeben zu haben, ist ein trauriger Tod.
Gott ist Liebe. Gott ist die Liebe. Dieser oft zitierte Satz leidet manchmal an Ermüdungserscheinungen. Gibt es nicht noch anderes zu sagen? Ja, sicher, aber „Gott ist Liebe“ zu begreifen, bedarf der ständigen Wiederholung. Weil es so schwer ist, weil es manchmal so weit weg ist, von dem, was ich erlebe, weil es so wichtig ist, so zentral, so lebensnotwendig für mein Leben.
Gott ist Liebe. Der Gott meiner Hoffnung, zu dem ich bete, von dem ich gesehen und erhört werden möchte – er ist die Liebe. Da kann ich sie finden. Das ist meine Sonne, die alles wachsen lässt und ohne die, Leben nicht möglich wäre. Die Liebe ist meine Verbindung zu Gott. Wenn ich der Liebe auf der Spur bin, bin ich Gott auf der Spur.
Dem Schreiber des Johannesevangeliums geht es in fast jeder Zeile seines Textes, um das Jesusverständnis. Wer er ist und was wir durch ihn von Gott erfahren können. Er setzt uns nicht nur in dem gerade gehörten Text, immer wieder auf die Spur der Liebe Gottes. Für ihn ist von größter Bedeutung, dass wir erkennen, dass Jesus die verkörperte Liebe Gottes ist. An ihm und durch ihn, kann ich sehen und erkennen, wie Gott liebt. Das wird an vielen Stellen des Johannesevangeliums deutlich.
Es geht darum Gott, Jesus zu erkennen, mit dem Schreiber des Johannesevangeliums.
Wenn wir zum Beispiel im Lukasevangelium die Geschichte vom verlorenen Sohn hören, dann würde es dem Verfasser des Johannesevangeliums nicht in erster Linie darum gehen, auf das zu schauen, was verloren ist, sondern darauf, wie der Vater reagiert. In der Erzählung vom verlorenen Sohn kehrt ein Sohn nach vielen Irrungen und Wirrungen zurück zu seinem Vater. Er hat Fehler gemacht. Hat ausschließlich seine Interessen vertreten und ist schwer auf die Nase gefallen. Doch als er zurückkehrt, da, steht der Vater schon mit offenen Armen da. Er nimmt ihn wieder auf und an, ohne Bedingungen und Fragen. So ist Gott. Darum geht es: Gott ist die Liebe. Darauf legt das Johannesevangelium wert. Darauf richtet es seinen Blick.
Ja und wer so liebt, den brauche ich nicht zu fürchten und den kann ich ohne Furcht lieben. Mein Gegenüber ist die vollkomme Liebe, warum sollte ich mich da fürchten?
Eigentlich ist das doch die logische Konsequenz: die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Und doch habe ich ein manches Mal den Eindruck, dass genau das für viele nicht möglich ist. Wenn mir manch ältere Menschen erzählen, wie sie in Kindheitstagen mit einer „Gottesfurcht“ erzogen wurden, dann erschreckt mich das, denn Gott ist die vollkommene Liebe. Auch heute noch gibt es Menschen, die ein Gottesbild der Furcht zeichnen.
Gott will kein Gegenüber, dass sich aus Furcht zu ihm wendet. Nicht die Angst vor ihm soll meine Beziehung zu ihm sein, sondern ebenfalls die Liebe. Wenn ich weiß, dass ich vollkommen geliebt werde, warum sollte ich mich dann fürchten? Nein, vielmehr begegne auch ich dem anderen in Liebe. Furcht hat zwischen uns kein Platz.
Da ist aber noch mehr in diesem Text über die Liebe. Da ist auch die Herausforderung, diese Liebe zu leben. Gottes Liebe in meinem Leben sichtbar zu machen. Mich nicht nur speisen zu lassen von der Liebe Gottes, sondern sie im meinem Tun und Lassen, in meinen Worten und in meinem Schweigen, zum Leben zu erwecken. Das ist natürlich ein hoher Anspruch und Scheitern ist inbegriffen. Die vollkommene Liebe, die gibt es nur bei Gott. Das nimmt mich nicht aus der Verantwortung, aber es entlastet. Ich kann nicht vollkommen sein, aber ich kann mich auf Gottes vollkommene Liebe verlassen und mich aus ihr speisen. Sie zu meiner Quelle machen. An dieser Quelle mir Kraft holen, Geduld und einen neuen, anderen Blick auf meinen Mitmenschen. Diese Quelle will mir zur Inspiration werden einen anderen Umgang zu pflegen. Mir Mut machen mich gegen den Mainstream zu stellen, wenn es die Liebe erfordert. Mich immer wieder neu mit Liebe anfüllen, damit mir die Liebe nicht ausgeht. Und immer wieder werde ich im Johannesevangelium dazu ermuntert auf Jesus zu schauen. Da kann ich die sichtbar gewordene Liebe Gottes sehen und mich orientieren. Und ich brauche keine Angst vor dem Versagen haben. Keine Furcht soll mein Handeln antreiben oder hemmen. Allein aus Gottes Liebe heraus lieben wollen, das genügt. Amen
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