Foto: radio m, Anja Kieser

Meinung geändert

Was ist das für ein Gott, der seine Meinung ändert? Ein unberrechenbarer oder ein Gott, dem ich vertrauen kann? Wir gehen dem nach.

Wochenspruch  – Micha 6, 8

Psalmgebet – Ps 119, 1-8.17-18

Predigttext  – 1. Mos 8, 18-22; 9, 12-17

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrecht.

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Das ist schon provozierend: Der Mensch wird sich nicht ändern, aber Gott tut es. Für uns. Für dich und mich füge ich hinzu. Ist das so? Wenn ich die Geschichte von Noah und der Arche, der Flut, den Tieren, der Rettung, des Regenbogens und von diesem Neustart höre, dann ist das wohl so. Diese Geschichte ist eine der Urgeschichten. Diese Geschichten erzählen von den Anfängen dieser Beziehung: Gott und Mensch. Und da holpert es ganz schön. Da war am Anfang die Geschichte von Adam und Eva. „Alles war so gut“ und dann der tiefe Fall – raus aus dem Paradies. Vielleicht war alles doch nicht so gut? Da hat sich was versteckt in dem Geschöpf Mensch: ein Drang, eine Neugier, eine Kraft, ein Reiz, eine große Naivität, die zu dem Wunsch führte, mehr haben zu wollen. Mehr Paradies. Dieses Paradies war nicht genug. Der Griff zur Frucht führte zum Rausschmiss. Zur Erdung. Ab jetzt wird es bodenständig. Der Mensch ist auf der Erde angekommen. Ganz und gar. Und als ob das nicht schon Herausforderung genug ist, der Mensch macht es sich selbst noch schwerer. Neid und Angst kommen dazu. Der Brudermord des Kain am Abel noch ein weiterer Tiefpunkt. So sind sie die Menschen. Und Gott? Der Schöpfer, der Vater, die Mutter, hat verzweifelt zugeschaut bei dieser Verselbstständigung? Hat ihn das berührt? Ärgerlich gemacht? Was wissen wir schon?

Menschlich gesehen, mit meinen Augen gesehen, mit meinen Mamaaugen gesehen: Ich würde verzweifeln. Das wünscht sich doch kein Elternteil für seine Kinder.

Aber die Geschichten gingen noch weiter. Es wird und wird nicht besser. Dann gibt es die Flut. Das große Auslöschen. In den biblischen Texten, lese ich von einem Gott, der tief enttäuscht von diesen Menschen ist. So interpretiere ich es. Ob verzweifelt, wütend, sehr verletzt oder alles zusammen ist eigentlich erstmal gleich. Er sieht keinen anderen Weg mehr als ein Reset. Einen Neustart. Einen Neuanfang. Alles wird vernichtet. Nur Noah und seine Familie plus ein paar Tiere werden gerettet. Sie hält er für einen Neuanfang für geeignet.

All das kann einen schon veranlassen es so zu zuspitzen und zu sagen:  Weil der Mensch ist, wie er ist, kann Gott nicht weiter machen so wie er es geplant hat. Es braucht eine Planänderung.

Die biblische Noahgeschichte ist keine Geschichte, die sich genau so zugetragen hat. Dagegen sprechen viel Ungereimtheiten.

Die Erzählung ist eigentlich recht komplex. Dem Grunde nach, so haben es Theologen herausgefunden, besteht sie aus zwei Erzählungen, die in dieser Geschichte, wie sie uns in der Bibel heute vorliegt, zusammengeführt werden. Ein Beispiel für diese Ungereimtheiten ist, dass einerseits von Tieropfern gesprochen wird und andererseits immer ein Paar jeder Tierart gerettet werden. Wenn Tiere davon geopfert worden wären, dann wären ein paar Arten ausgestorben. Die Geschichte, die uns hier vorliegt ist ein Beispiel, wie bei Gott Dinge zusammenkommen und er sich so den Menschen vorstellt, ihnen begegnet. Was auch immer zur Flut geführt hat, so war das nicht geplant gewesen von Gott. Und gerade dadurch erkennt Gott: Der Menschen wird sich nicht ändern. Dennoch will Gott an diesen Menschen festhalten. Also trifft er eine Entscheidung: Ich rette diese Menschheit, auch wenn sie sich nicht ändern wird, aber ich verspreche, dass es nie mehr zu solch einer Vernichtung kommen wird. Gott bleibt den Menschen zugewandt, bleibt ihnen treu trotz ihrer Untreue. Dieses Treueversprechen gilt bis heute. Es wird mehrfach in der Bibel wiederholt und ist der Ausgangspunkt jeglicher Beziehung zu Gott. Dir bleibe ich treu. Das gilt. Darauf darf ich meine Beziehung zu ihm aufbauen. Das ist der Grund. Der Boden. Der Halt, der mir zugesichert ist. Und dieses Treueversprechen gilt nicht, weil ich so gut bin, sondern weil Gott es will. Unbedingt. Weil er es gut mit mir meint.

Die biblische Geschichte von Noah ist eine Geschichte, die von einem Neuanfang erzählt. Einer neuen Chance. Und davon, dass Gott die Menschen dabei nicht allein lässt. Ausgangspunkt ist seine Treue – trotz allem.

Und dann ist da die Arche.

Gott lässt Noah eine Arche bauen. Einen Ort, an dem die Flut überstanden werden kann. Was für ein starkes Signal: Es gibt Orte, die Gott uns schenkt, damit wir bewahrt werden. Es gibt Orte, die wichtig sind, um neu anzufangen.

Kennen Sie die Arche? Diese gemeinnützige Arbeit für Kinder. Kinder bekommen dort nach der Schule einen Platz zum Sein. Mit Essen, Angeboten, Unterstützung. Kinder finden einen Platz, die es oft schwer haben. Der Name ist gut gewählt für diese Arbeit. Die Arche, ein Platz zum Sein in stürmischen Zeiten. Wo habe ich schon eine Arche gefunden oder gar mit Gottes Hilfe gebaut? Und dann neuanfangen können?

Und dann erzählt diese Geschichte von einer Flut? Hat auch sie eine Bedeutung bei diesem Neuanfang?

Ich schwimme gern. Aber ich habe tiefen Respekt vor dem Wasser. Wasser hat eine gewaltige Macht. Ich möchte hier diese Flut aber nicht als eine solch vernichtende Kraft sehen, sondern vielmehr als ein Zeichen. Als ein Zeichen für eine Kraft, die Altes vergehen lassen kann, um Neues hervorzubringen. Ich wünsche mir manchmal einen Neuanfang und merke, wie sehr ich an alten Zöpfen hänge. Loslassen kostet Kraft und neu anfangen auch. Wer Dinge schon gewagt hat, die es notwendig gemacht haben, erstmal etwas anderes ganz bewusst zu beenden, der weiß wie schwierig dieser Weg sein kann. Gott weiß das auch und macht mir Mut mit dieser Geschichte. Er ist dabei und will mir Kraft geben für einen Neuanfang.

 

Denn zum Zeichen der Treue – der Chance des Neuanfangs stellt Gott einen Bogen in den Himmel.

Er darf nicht fehlen: der Regenbogen. Er ist das Zeichen des neuen Anfangs, der von Gott getragen sein wird und er ist Zeichen, dass Gott sich mit uns Menschen neu verbündet. Er ist Zeichen, dass

Gott mich Hält. Er treu zu mir steht. Einen Regenbogen sehe ich nicht jeden Tag, aber Gott schenkt immer wieder Zeichen seiner Verbundenheit. Wenn ich den richtigen Anruf zur richtigen Zeit bekomme. Wenn mir jemand verspricht: Ich bete für dich. Wenn jemand sieht, dass ich Hilfe brauche und zupackt. Zeichen der Verbundenheit.

 

Ja und dann gibt es da noch Noah.

Ohne Noah geht es nicht. Weil er hört und handelt. Er vertraut Gott und seiner so abwegigen Idee mit der Arche und vertraut nicht nur auf seine eigenen Fähigkeiten, irgendwie durch die Flut zukommen. Ein hörendes Herz und den Mut zu Vertrauen. Auch das nehme ich aus dieser Geschichte mit.

 

Gottes Treue – die Arche – die Flut – der Regenbogen und Noah.

Der Mensch ändert sich nicht, aber Gott hat es getan. Er hat sich entschieden, den Menschen nicht aufzugeben, sondern in Treue zu ihm zu stehen. Gott verspricht Halt in stürmischen Zeiten, damit ich neu anfangen kann. Und manchmal ist da ein Regenbogen, damit ich weiß, dass ich diesem Gott vertrauen kann. Was kann ich tun? Ich kann mich für Gott öffnen, damit Neuanfänge immer wieder möglich sind.

Der biblische Text – im November – ist gut gewählt, wenn dass Kirchenjahr bald zu Ende geht – der Ewigkeitssonntag kommt. Ende – irdisches Ende und Neuanfang im Advent. Ganz dicht liegt das beieinander. So viele Abschiede im Leben bedeuten Neuanfänge – freiwillig und unfreiwillig – deshalb dürfen wir heute hören: Über allem steht Gottes Treue und er gibt dir Zeichen seiner Verbundenheit mit, damit du ihm vertrauen kannst. Schau auf. Hör hin. Vertraue Gott.

Amen