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Mensch, beweg dich!

Glaube kann furchtbar theoretisch sein. Dabei sollte er fruchtbar sein. Impulsgeber ist Pastor Markus Bauder.

Wochenspruch  – Lk 9, 62

Psalmgebet – Ps 34

Predigttext  – Lk 9, 57-62

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Ich sag‘s mal so: Wäre Jesus nicht Jesus, würde ich sagen, rutsch mir den Buckel runter. Das ist doch völlig überzogen. Wo gibt es denn so etwas, dass jemand solch bedingungslosen Gehorsam einfordert. Despoten machen das vielleicht. Tyrannen… ok, vielleicht gibt es auch andere Situationen, in denen es sinnvoll ist, das Denken abzuschalten und einfach zu machen, was ein anderer sagt: in extremen Notsituationen oder im Militär. Oder wenn man als Mannschaft an einem Strang ziehen will oder muss.

Aber sonst?  – Da ist doch nachdenken angesagt. Und man sollte sich vor überzogenen Anforderungen in Acht nehmen.

Auf mich bezogen: Ich bin jedenfalls kein solcher Nachfolger. Ich bin – mit Verlaub – Protestant. Methodistischer Protestant. Ich denke nach. Ich frage, was vernünftig ist. Ich trete gerne einen Schritt zurück und überlege mir meine Antwort oder was ich machen will.

Das, was Jesus den Leuten da sagt, ist doch ziemlich überzogen. Um es gleich zu sagen: Ich möchte nicht umherziehen wie ein Wanderprediger ohne ein ordentliches Zuhause. Ich möchte auch für das, was ich mache, einigermaßen gut bezahlt werden. Und eine Rente möchte ich auch. Die Vorstellung, dass ich zur Beerdigung des Vaters, der Mutter, nicht da sein soll, verrückt.

Ich bin mir ziemlich sicher: Selbst die Frömmsten unter uns, würden solche Sachen nicht mitmachen. Und wer es trotzdem tut, den halten wir für nicht ganz normal. So geht man nicht miteinander um!

Andererseits …

Andererseits sind wir Christen, mich eingeschlossen, auch ziemlich bequem geworden. Immobil. Unbeweglich. Was vielleicht auch von den Immobilien kommt. Aber nicht nur… Immobil im Kopf und im Herz…

Wir bleiben lieber unter uns. Am Sonntagmorgen – die Zeit, in der garantiert nichts anderes los ist. Und nur die Unermüdlichen in die Kirche gehen. Die anderen schlafen aus, gehen joggen oder frühstücken ausgiebig und spät.

Wir bleiben gern in unseren Traditionen. Ecken lieber nicht an. Als Menschen, als Christinnen und Christen, als Gemeinde. Etwas einfach anders machen als bisher?

Oder laut sagen, dass wir gegen Fremdenhass und Rassismus sind? Laut sagen, dass wir keine autoritären Systeme wollen? Laut sagen, dass alle Menschen gleiche Rechte haben? Und Pflichten. Wenn‘s ums Geld geht, zum Beispiel. Um Steuern. Um Gerechtigkeit. Um den Einsatz für Minderheiten und Benachteiligte? Oder um die Verteidigung?

Gar nicht so einfach. In Geist und Herz unterwegs zu sein. Beweglich zu bleiben. Sich auszusetzen.

In der Anfangszeit des Methodismus gab es in Amerika ein Sprichwort, mit dem die Menschen wirklich schlechtes Wetter beschrieben haben: Heute ist das Wetter so schlecht, da sind nur Hunde draußen – und Methodistenprediger. Die waren einfach immer da und sind bei den Menschen gewesen. Die wollten, dass kein Kind ungetauft blieb und niemand, der gestorben ist, unchristlich begraben wurde.

Bei den Menschen. Mobil. Beweglich. Anpassungsfähig.

Ob Jesus, als er den Satz von den Füchsen und den Nestern gesagt hat, vielleicht schon gewusst hat, wie unbeweglich seine Kirche, seine Nachfolger:innen einmal sein werden?

Obwohl – Sie hören gerade den kleinen Gottesdienst. Ein Internetangebot. Ein kleines Projekt wie es inzwischen viele gibt. Wir versuchen tatsächlich hier und dort, wieder neu bei den Menschen zu sein. Die zu erreichen, die eben nicht Sonntagmorgens um 10 in einer Kirche sein wollen oder können. Die Welt dreht sich weiter.

Es braucht neue Formen, neue Angebote. Wir müssen mit der Zeit und mit den Menschen gehen.

Aber nicht nur das.

Vielleicht braucht es nicht nur die Vorstellung des Unterwegsseins. Vielleicht braucht es auch die Vorstellung, dass wir uns nicht um die Toten kümmern, sondern um die Lebenden. Das Leben. Dass wir – immer wieder neu – überlegen, wo die Lebenden sind? Und was sie brauchen?

Die Nachbarin, die immer alleine ist. Die Kinder, die nur schlecht Deutsch können.

Oder auch der dynamische Geschäftsmann, der keine Zeit hat, der immer „busy“ ist. Und außer seinen Statussymbolen nichts hat, was wirklich Leben heißt. Oder wenig.

Sich dem Leben zuwenden. Dem Lebendigen. Und dazu einladen. Das vorleben.

Beim Wort vom Pflug, da kann ich gut mit. Weil ich vielleicht sowieso kein Mensch bin, der an der Vergangenheit hängt. Jesus sagt: „Was zurückliegt, liegt zurück.“ Schau nach vorne. Da spielt die Musik. Nicht, dass wir aus unseren Fehlern nichts lernen dürften. Nicht, dass wir nicht um Vergebung bitten sollen, wenn wir etwas falsch gemacht haben. Aber, dass wir nach vorne schauen. Was ist heute wichtig? Nicht, was hätte ich gestern eventuell anders machen sollen. Was ist jetzt dran?

Ruh dich nicht auf deinen tollen Glaubenserfahrungen in der Vergangenheit aus. Mach deine Augen auf, vertrau auf Jesus und sei da. Heute. Für die Menschen. Für das Reich Gottes. Mach‘ s einfach.

Amen