Mose sagte…

Warum gibt es Gesetze? Weil sich so manches einfach nicht von selbst regelt. Doch Regeln sind abstrakte Gebilde. Sie werden dann lebendig, wenn sie zur Anwendung kommen. Doch dann geht es erst richtig los. Wie auslegen? Wie verstehen? Warum muss dieser Sachverhalt geregelt werden? Heute geht es um den Scheidebrief und um die Kinder. Jesus sagt: „Mose sagte…“ und unser Psalmbeter lobt Gottes Gebote.

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Ehescheidung und Kinder wertschätzen, das sind die beiden Themen des heutigen Predigttextes. Was für eine Kombination? Als wäre ein Thema nicht schon Thema genug.

Wo ist die Verbindung habe ich mich gefragt?

Worum soll es hier im Kern gehen?

Der erste Teil unseres Textes, in dem es um die Ehescheidung geht wird oft so verstanden, dass die Pharisäer Jesus in die Falle locken wollen. Aber das ist viel zu kurz gedacht. Damals wie heute geht es darum, die Schrift auszulegen, die Thora und hier konkret, was meint die Schrift, wenn im Buch Mose steht, dass Mose es zugelassen hat, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden zu lassen. Das ist das Gesetz. Aber letztendlich geht es darum, wie dieses Gesetz zu verstehen ist, was möchte es regeln und warum braucht es eine Regelung? Die Pharisäer wollten hören, was Jesus sagt, wie sieht er das? Und Jesus beginnt zu begründen. Er bezieht sich auf andere Passagen der Thora, des Alten Testaments und er fügt seine eigenen Erklärungen zu. Aus Jesu Antwort wird deutlich: Grundsätzlich sollen zwei Menschen sich verbinden, um eins zu werden. Ihre Zweisamkeit führt heraus aus der Ursprungsfamilie in eine neue Verbindung. Eine Verbindung, die so eng ist, dass eine Einheit entsteht. Eine Einheit, die beide stark macht, in der man einander ergänzt, das Leben gemeinsam meistert, vielleicht Familie gründet, wenn einem Kinder geschenkt werden, eine Einheit in der die Liebe wachsen kann, aber vor allem die Liebe geschützt wird, in der Vertrautheit Angst nehmen und mutig machen kann. Eins kann nur werden, wenn Respekt und Wertschätzung das Zusammensein bestimmen. Denn eins mit einem anderen werden, so wie es Jesus hier beschreibt, geht nicht über Zwang oder nur, wenn einer will und der andere nicht. Eins werden in Jesu Sinn setzt Gegenseitigkeit voraus. Und weil das nicht selbstverständlich ist, ist vielleicht das auch das größte Geschenk, wenn zwei sich finden: beide sind gewillt eins zu werden. Das ist dann auch das göttliche Moment. Wenn das alles stimmt, dann kann aus zwei eins werden.

Ja und? Darf man das dann wieder scheiden? Ja, sagt das Gesetz. Es kann ein Scheidebrief ausgestellt werden. So ist das und doch ist es bedauerlich. Nicht, und das wird aus Jesu Worten deutlich, weil Scheidung an sich schlecht ist, sondern weil es Menschen manchmal einfach nicht möglich ist, in dieser Einheit zu leben. Weil Menschen Fehler machen, weil Verzeihen nicht immer geht, weil warum auch immer Gewalt im Spiel ist, die Kraft fehlt um die verbindende Liebe zu ringen, weil einer leidet oder beide. Weil es eine menschliche Einheit ist, die trotz göttlichem Funken, eben menschlich bleibt. Die menschliche Einheit ist ein hohes, zu schützendes Gut. Aber sie ist auflösbar, auch zum Schutz. Das wird meine ich deutlich, wenn man sich überlegt, dass es zu Jesu Zeit der Mann war, der den Scheidebrief ausstellen durfte. Das diente maßgeblich zum Schutz der Frau, die sonst als Verstoßene galt. Hier musste sich der Mann seiner Verantwortung gegenüber der Frau bewusst werden. Das klingt in Jesu Worten mit. Der erste Teil des Predigttextes ist für mich ein Appell an alle, die eine Verbindung mit einem anderen Menschen eingehen. Bringe dieser Verbindung den Respekt entgegen, der ihr gebührt. Achte diese Verbindung. Pflege sie. Und schütze die darin eingepflanzte Liebe. Liebe, die beide brauchen und die verbindet.

So führt dieser erste Teil dann doch folgerichtig auch zum zweiten Teil. Zu den Kindern. Die Freundinnen und Freunde Jesu sehen die Kinder hier als störend an. Warum sollte sich Jesus mit ihnen abgeben? Er hat genug zu tun, da braucht er sich nicht auch um Kinder kümmern. Doch das Gegenteil ist der Fall. Jesus will, dass die Kinder zu ihm kommen. Er übersieht sie nicht. Er schätzt sie wert. Er respektiert sie. Ging es im ersten Teil um den Respekt der Ehe, geht es hier um den Respekt gegenüber den Kindern. Kinder sind nicht unvollkommene Erwachsene, sondern eigenständige, vollständige Wesen und, Jesus betont es, sie haben etwas, was verloren geht, wenn man erwachsen wird oder wenn es durch Erwachsene zu früh zerstört wird: Endloses Vertrauen. Sie vertrauen, weil ihr Inneres es ihnen sagt. Mit diesem Vertrauen ist es ihnen möglich Gott ganz zu begegnen. Kinder sind Vorbilder im Vertrauen. Dieses Vertrauen sollen wir uns bewahren, meint Jesus. Dieses Vertrauen muss geschützt werden.

Das bringt mich wieder zum ersten Teil des Predigttextes. Ja, das Gesetz sagt, Scheidung ist möglich. Es geht nicht darum wegen der Kinder zusammenzubleiben, wie es oft heißt. Es geht darum, dass Kinder geschützt werden müssen. In einer Ehe und auch, wenn eine Ehe auseinandergeht. Auch daran ist zu denken. Auch das Auseinandergehen muss der Kinder wegen gut geregelt werden, damit sie wenig möglichst verletzt werden. Kindern gebührt Respekt. Bedenkt das, sagt mir Jesus, wenn er die Kinder zu sich holt, in den Mittelpunkt stellt und sie zum Vorbild in Sachen Vertrauen erklärt.

Der Wochenspruch fasst es ganz gut zusammen, wenn er sagt, was gut für den Menschen ist: „Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ Gottes Wort halten, das heißt die Liebe respektieren, sich nicht verraten und immer wieder suchen, auch wenn es darum geht getrennte Wege zu gehen. Und demütig sein, heißt für mich meine Belange nicht über die Belange anderer Menschen zu stellen. Andere und auch die Kleinsten und Jüngsten zu achten und ihre Bedürfnisse zu sehen. Ja und auch zu sehen, dass sie mir Vorbild sein können und sie schützenswert sind.

Liebe üben und demütig sein. Das kann herausfordern. Ich darf Gott bitten, dass er mir hilft, diese Herausforderung zu bestehen.

Amen