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Nicht exklusiv

Ein exklusiver Cluburlaub, ein exklusives Restaurant, ein exklusiver Sportverein und dazu ein exklusiver Gott? Dass Gott nicht ausgrenzt oder abgrenzt, darum geht es heute.

Wochenspruch  – Jes 43, 1

Psalmgebet – Ps 139, 1-12

Predigttext   – 5. Mose 7, 6-12

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Ich möchte heute einen Gedankengang mit Euch gehen, der mir sehr wichtig ist. Vor allem, wenn es um den Gedanken der sogenannten Erwählung Israels als Volk Gottes geht. In dem Text, den wir gerade gehört haben, geht es um genau diese Zusage, die hier und in diesem Zusammenhang, dem damaligen Volk Gottes, den Israeliten gegeben wurde.

Die zwei Gedanken, die unseren Bibeltext prägen, sind: Du bist von Gott besonders angesehen, weil er dich liebt. Und: Weil er dich liebt, halte du ihm die Treue und folge ihm nach.

Der erste Gedanke also ist, dass Gott den Israeliten gesagt hat, dass er sie liebt. Deshalb ist er ihnen gegenüber besonders aufmerksam, deshalb spricht er ihnen besondere Verheißungen zu, deshalb übergibt er ihnen eine besondere Verantwortung.

Im Text steht dann auch, dass Gott die Israeliten dadurch bevorzugt und sie anderen Menschen oder anderen Völkern gegenüber vorzieht. Diesen Gedanken gehe ich nicht mit. Weil er in meinen Augen unlogisch ist und von Gott viel zu klein denkt. Wenn Gott die Menschen des Volkes Israel liebt, warum sollte er die Menschen der anderen Völker nicht lieben. Ich kann mir Gott nicht vorstellen als einen, der einen Unterschied macht zwischen Kulturen oder Völkern. Zumal es ja ausdrücklich keinen besonderen Grund für diese Liebe gibt.

Ich kann mir vorstellen, dass die Menschen des Volkes Israel diese Liebe als erste erkannt und formuliert haben. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der Gott, der Menschen liebt, andere nicht liebt, nur weil sie zu einem anderen Volk oder einer anderen Kultur gehören. So gedacht, wäre Gott ja wirklich ein sehr kleiner Gott eines sehr kleinen Stammes oder Volkes.

Jesus Christus und das Neue Testament gehen dann ja auch folgerichtig genau diesen Schritt: Gott liebt alle Menschen. Warum er uns liebt? Das wird nicht so genau gesagt. Er tut es jedenfalls unabhängig unserer Größe, unserer Begabungen, unserer Kulturen, Volkszugehörigkeiten oder unserer Geschlechter. Gott liebt uns und sieht in uns seine Ebenbilder.

Ich kann also, unabhängig davon, dass in unserem Text das Volk Israel angesprochen ist, einen großen Schritt weitergehen und sagen: Gott liebt dich. Dich, der du jetzt zuhörst und tausende Jahre später lebst und in einem ganz anderen Land und zu einem ganz anderen Volk gehörst. Ja, ich kann diese Worte ganz universal aussprechen: Gott liebt dich und mich völlig unabhängig, was wir für Menschen sind und wie wir leben. Gott liebt uns.

Der zweite Gedanke unseres Bibeltextes hat von Anfang an zu großen Meinungsverschiedenheiten, ja letztlich zu Streit, Konflikten und am Ende sogar zu Leid und Krieg geführt. Weil Gott uns liebt, sollen wir ihm die Treue halten und ihm nachfolgen. Wie das geht, bzw. gehen soll, ist seit es die Menschen gibt, die große Frage.

Schon Theologen und Führer des damaligen Volkes Israels meinten, dass dies bedeutet, in radikaler Abgrenzung zu anderen Menschen, Religionen und Völkern leben zu müssen. Treue bedeutet, sich auf gar keinen Fall mit anderen einzulassen oder sich mit anderen zu mischen, gar zusammen zu leben. Auch wenn es – vermutlich von Anfang an – schon immer auch die andere, friedliche Antwort auf diese Frage gab. Letztlich sind diese Fragen bis zum heutigen Tag aktuell. Und sie werden bis zum heutigen Tag auch in Israel unterschiedlich beantwortet. Die Abgrenzung ist ja keinesfalls die einzige Antwort auf diese Frage. Schon immer gab und gibt es große Bemühungen, mit allen Menschen guten Willens friedlich und menschenfreundlich zusammen zu leben.

Auch im christlichen Glauben hat die Frage, wie man denn diese Treue und Nachfolge leben soll, immer zu Konflikten und Auseinandersetzungen geführt. Die Versuche, auf Konzilien Glaubensfragen zu lösen, die Trennung in Ost- und Westkirche, die Reformation, die Entstehung von Freikirchen, Kreuzzüge, Hexen- und Ketzerjagd, das alles sind im Grunde auch Versuche, auf diese Frage die richtige Antwort zu geben: Wie soll die Treue zu Gott und wie soll Nachfolge aussehen? Ab- und Ausgrenzung und so möglichst für sich bleiben? Oder der immerwährende Versuch, mit allen Menschen guten Willens zusammen unterwegs zu sein. Um den Preis, dass es Vielfalt gibt, Unterschiede ausgehalten und gelebt werden müssen.

Ich bin ein Mensch des Neuen Testaments und verstehe Jesus Christus so, dass er den Weg der Liebe konsequent bis zum Ende gegangen ist. Für uns. Auch um uns zu zeigen, dass dies der Weg Gottes für alle Menschen ist. Das Gebot der Liebe ist das Gebot, das es letztlich zu halten gilt. Das Gebot, das sich auch im Aushalten und in der gelebten Vielfalt zeigt. Unabhängig von Volkszugehörigkeiten, Kulturen, Geschlechtern, Lebensweisen. Treue und Nachfolge bedeutet gerade nicht, sich abzugrenzen, gar andere auszugrenzen, sondern als Kinder Gottes den Versuch zu wagen, zusammen unterwegs zu sein. In Recht und Gerechtigkeit, in der Liebe, im Aufeinander achten.

Wie hältst du es mit der Treue zu Gott und mit der Nachfolge? Siehst du dich eher in der Tradition der Abgrenzung? Musst du die Frage der Nachfolge über „richtig“ und „falsch“ klären? Über die Frage, was erlaubt ist und was nicht? Wie man richtig lebt und wie nicht? Wo ziehst du die Grenzen bei moralischen oder ethischen Fragen? Wie kannst du es aushalten, dass es andere gibt, die das völlig anders sehen als du?

John Wesley, der Gründer der Methodistenkirche hat mal gesagt: „Im Wesentlichen Einheit, im Übrigen Vielfalt. Über allem die Liebe.“ Das Wesentliche war für ihn Jesus Christus, der Sohn Gottes, der die Welt mit Gott versöhnt hat.

Im Übrigen Vielfalt. Diese Liebe, diese Offenheit gilt es zu leben, immer wieder zu versuchen, durchzubuchstabieren, zu scheitern und wieder neu zu beginnen.

Auf diesem Weg versuche auch ich unterwegs zu sein. Und mache dabei die Erfahrung, dass ich von Menschen, die anders sind als ich, viel lernen kann. Manches fordert mich heraus, manches ist neu für mich, es kam in meinem Denken und in meiner Welt bisher gar nicht vor und ich bin einfach weit weg von den Lebensthemen anderer Menschen. Manches kann ich mir auch gar nicht vorstellen. Zuhören, einfach mal sacken lassen, versuchen zu verstehen. Und möglichst keine Angst haben, denn das Anderssein anderer Menschen ist ja kein Angriff auf meine Person, sondern einfach eine Erweiterung meines Horizontes. Ich darf entdecken, dass nicht nur Gottes Schöpfung unglaublich reich und vielfältig ist, sondern auch Gottes Menschen, Kulturen, Völker, Denk- und Lebensweisen.

Bischof Werner Philipp hat im Juni in unserer Kirchenzeitschrift geschrieben, dass die Stärke des Christentums nicht seine Selbstbehauptung und Kontrolle ist, sondern Verwundbarkeit und Vertrauen. Wir sollen nicht unangreifbar sein, sondern vertrauensfähig. Es geht nicht darum, alles zu kontrollieren, sondern darum, der Liebe und dem Geist Gottes Raum zu geben.

Und so will ich offen sein, neugierig und aufmerksam und der Liebe Gottes vertrauen.