Peace, Love and Harmony
Schön wäre es! Ein Ort des Friedens. Wo kann ich den heute noch finden?
Wochenspruch – Mt 5, 9
Psalmgebet – Ps 85, 9-14
Predigttext – Mi 4, 1-5
Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.
Schön wäre es! Ein Ort des Friedens. Wo kann ich den heute noch finden?
Wochenspruch – Mt 5, 9
Psalmgebet – Ps 85, 9-14
Predigttext – Mi 4, 1-5
Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, geben wir uns keinen Illusionen hin: nach Jerusalem zu schauen und dort Frieden zu erwarten oder zu erhoffen, das klappt nicht. Recht und Gerechtigkeit für die Völker, da können wir lange warten. Schwerter zu Pflugscharen und Lanzen zu Winzermessern, nein, eher umgekehrt. Im Staat Israel, im Gazastreifen, im Westjordanland, in den umliegenden Ländern und weltweit läuft es gerade eher umgekehrt: alles in die Rüstung. Pflugscharen zu Kanonen und Panzern. Intelligente Technik für Raketen.
Nein, ich gebe mich keinen Illusionen mehr hin. Wer in den Nahen Osten schaut, sieht eher, was der Hass unter den Menschen anrichtet und wie unerbittlich der Vernichtungswille von Völkern sein kann. Es gibt kein Recht unter mächtigen Staaten. Sie bekämpfen und belauern sich wo sie nur können.
Und ob der Glaube, bzw die Religion dabei behilflich oder eher hinderlich ist, den Frieden wachsen zu lassen oder das Recht, weiß ich inzwischen auch nicht mehr. Häufig ist die Religion, bzw. der vorherrschende Glaube, immer auch ein beliebtes Mittel, andere zurück- oder herabzusetzen. Und leider machen hier nicht mal Christinnen und Christen eine Ausnahme. Kreuzzüge, Länder erobern und Ureinwohner zwangsbekehren, Katholiken gegen Evangelische oder Freidenker oder Muslime. Antisemitismus, Antiislamismus, … Letztens habe ich einen Frommen getroffen, der Deutschland im Namen seines Glaubens das Recht abgesprochen hat, ein Staat zu sein und alle Nichtchristen samt und sonders als Kinder Satans bezeichnet hat. Menschen untergeordneter Art gewissermaßen. Denen man nichts glauben darf, die man anlügen darf und bekämpfen muss… Ja, wo sind wir denn …?
Ja, auch Christinnen und Christen sind häufig kein gutes Beispiel, wenn es um Recht und Frieden geht. Wenn es um Freundlichkeit und Hoffnung geht. Nicht mal wir wissen häufig, wie man anständig miteinander umgeht und Gemeinschaften so gestaltet werden, dass niemand diskriminiert wird.
Mich frustriert das. Mich macht das müde und wütend. Mütend.
Ich höre und schaue viel politisches Kabarett. Nirgends kommt die Religion, kommen die Kirchen gut weg. Wir sind häufig nicht die Lösung des Problems, sondern sogar ein Teil davon.
Wahrscheinlich war es zur Zeit des Propheten Micha sogar ähnlich. Ähnlich frustrierend. Wahrscheinlich legt der Prophet gerade aus diesem Grund, den Fokus nicht auf einen König oder den Palast oder die Menschen. Er legt den Fokus auf Gott. Und die Hoffnung, dass er es am Ende richten wird. Aber halt erst am Ende. Ganz am Ende. Wann immer das sein wird…
Was mir hilft sind ein paar Überlegungen, die ich mit Ihnen teilen will: Jesus hat im Neuen Testament mal gesagt: »Die Füchse haben ihren Bau, und die Vögel haben ihr Nest. Aber der Menschensohn hat keinen Ort, an dem er sich ausruhen kann.« Und im Hebräerbrief heißt es: Wir haben hier keine bleibende Stadt. Sondern die Zukünftige, die suchen wir.
Während es im Alten Testament und auch in dem Text, den wir gehört haben, sehr ortsbezogen zugeht. Sehr regional. Eine Stadt, ein Berg, ein Staat, ein Volk – geht es im Neuen Testament eher universal zu. Kein bestimmter Ort. Keine bestimmte Stadt. Kein bestimmtes Volk. Alle Menschen sind von Jesus angesprochen, alle Völker sind gemeint. Es geht eher um Lebenshaltungen und um Werte. Der einzelne Mensch als Teil einer göttlichen Schöpfung, die der Erlösung bedarf und irgendwann einmal an ein gutes Ziel kommt. Und selbst wenn es um bestimmte Stadtnamen geht, weiß man doch, dass die Dinge eher ideell gemeint sind, geistlich. Es geht nicht um die konkrete Stadt Jerusalem, sondern um einen himmlischen Ort…
Für mich bedeutet das in gewisser Weise die Entlastung des Volkes und Staates Israel von einer überhöhten Bedeutung und Erwartung. Und auch eine Entlastung der Stadt Jerusalem. Für mich. Natürlich nicht für die Menschen, die dort leben und Anspruch auf ein eigenes Land und Leben, Eigentum und Unversehrtheit haben. Für mich und in dieser vom konkreten Ort abgelösten Bedeutung kann und soll Jerusalem überall sein. Auch in Stuttgart. Oder in Hamburg.
Und gleichzeitig bedeutet es für mich, die Verantwortung in die Breite zu ziehen und im Grunde allen Menschen zuzumuten: Dass wir das Wort der Weisung wirklich hören, werden wir daran erkennen, dass wirklich Recht gesprochen wird. Dass wir in einem himmlischen Jerusalem sind, werden wir daran erkennen, dass Waffen einer zivilen Nutzung zugeführt werden. Dass Gott an einem Ort wohnt, werden wir daran erkennen, dass dort Menschen aus ganz unterschiedlichen Völkern friedlich und freundlich zusammenleben. Der Gottesglaube wird daran gemessen und erkannt, wo Menschen es tatsächlich schaffen, ihre unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen auszugleichen, so dass man von Gerechtigkeit sprechen kann. Der wahre Berg Zion steht nicht in Jerusalem, sondern überall auf der Welt, wo Menschen zusammenkommen, um friedlich Feste und Festivals zu feiern, gemeinsam Wein zu trinken und Feigen zu essen. Oder Linsen, Spätzle und Kartoffelsalat.
Nur das ist wahrer Gottesglaube, wo solche Früchte zu erkennen sind. Wo solche Sachen rauskommen. Egal wie fromm sich die Menschen sonst so geben, oder auch nicht.
Leider hat das schon zu Zeiten von Micha nicht richtig geklappt. Oder nur punktuell, denn schon er stellt nüchtern fest: Noch ist es nicht so …
Noch ist es nicht so…
Bis zum heutigen Tag ist es nicht global so.
Aber, wenn man genau hinschaut, an einzelnen Orten, zwischen manchen Menschen oder ganzen Gruppen, Völkern, Stadtgesellschaften, Wohngebieten, ja sogar in Kirchengemeinden oder unterschiedlichen Religionsgruppen … Ansatzweise, kleine Fenster zum Himmel.
Darauf will ich zugehen. Dazu will ich beitragen wo immer ich kann. Und dort will ich natürlich auch sein. Dabeisein.
Und Sie? Sie vielleicht auch. Machen sie mit. Der Zion. Jerusalem ist auch bei Ihnen.
Ich möchte beten …
Gebet
Gott, du liebst das Recht, du liebst den Frieden, du möchtest, dass wir Menschen in Frieden und Freundlichkeit zusammenleben. Du willst, dass wir Gerechtigkeit suchen und üben. Und du bist bereit, uns darin zu unterweisen und uns die Wege dahin immer wieder zu zeigen und zu ebnen. Gib uns den Mut und die Kraft, sie dann auch zu gehen.
Und sei mit allen Menschen, die selbst oder in ihrer Umgebung noch weit entfernt sind von solch einem Ort. Die Gewalt und Krieg erleben. In denen es viel Hass und Unfrieden gibt. Heile sie und berühre sie mit deiner Liebe.
Gemeinsam beten wir mit den Worten, die Jesus seine Jüngerinnen und Jünger zu beten gelehrt hat:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,
und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
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