Reisezeit

Na dann mal los! Mit wem und wohin? Gute Frage. In diesem Gottesdienst gehen wir zusammen los, um einen Ort zu entdecken, an dem wir Gott nahe sein können. So viel sei verraten:  Es ist ein Ort, der auf der Landkarte zu finden ist und doch nicht. Lösen wir das Rätsel gemeinsam.

Wochenspruch – Ps 33,12

Psalmgebet – Ps 122

Predigttext – Sach 8, 20-23

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

 

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Was tun Menschen, die anfangen den Sinn ihres Lebens zu suchen?

Die hoffen zu suchen und dann auch zu finden?

 

Manche machen sich auf den Weg. Vielleicht sogar auf eine Reise.

Nicht nur auf eine innerliche, sondern auch eine äußerliche, tatsächliche Reise. Mit Rucksack oder Koffer, zu Fuß oder mit dem Schiff. Nach Indien, Tibet, Israel … in den Schwarzwald oder zu den sagenhaften Externsteinen bei Detmold. Sinnsuche. An Orten, die spirituell aufgeladen sind, die eine mentale Stärkung für das eigene Leben versprechen. Eine solche Suche kann auch eine damit verbundene Gottessuche sein. An welchem Ort kann ich Gott und die Stärkung durch Ihn finden?

 

Im heutigen Bibeltext des Propheten Sacharja wird von 10 Männern aus verschiedenen Völkern berichtet. Sie werden nach Jerusalem pilgern.

Jerusalem auch heute das spirituelle Zentrum nicht nur der Juden, sondern auch der Christen und Muslime.

Für die Juden die Königsstadt, nicht nur wegen der Könige des israelischen Volkes, die hier residiert haben, sondern auch wegen des großen Tempels, den einer ihrer Könige – Salomo – dem einen Gott zu Ehre errichtet hat. Noch heute erinnert die westliche Klagemauer der einstigen Tempel-Anlage an diesen großen sakralen Bau, der zuerst von Babyloniern zerstört, dann wieder aufgebaut und schlussendlich von den Römern zerstört worden ist.

Heute steht, in direkter Nachbarschaft zur Klagemauer eine der größten Moscheen des Islams.

Auch viele prunkvolle Kirchen und Pilgerstätten der Christen finden sich in Jerusalem. Sie erinnern daran, dass Jesus Christus hier gestorben und auferstanden ist.

Jerusalem ist also das spirituelle Zentrum von Glaubensanhängern aller drei abrahamitischen Religionen. Und auch für viele weitere spirituell Sinnsuchenden.

 

Der Bibeltext in Sacharja 8 schildert eine intensive Suche nach Gott.

Zwei Beobachtungen zu dem, was Gott durch seinen Propheten ankündigt.

Erstens: Viele Menschen werden es sein, die sich auf den Weg machen. Es geht nicht um eine Randerscheinung von ein paar Ewiggestrigen mit religiösen Gefühlen. Nein, viele werden neues Interesse an Gott zeigen. Sie setzen sich in Bewegung. Sie verbinden sich miteinander und stecken sich gegenseitig an: Lasst uns gehen…

Gehen. Sich auf den Weg machen für eine bestimmt Sache. Für ein Ziel.

Das erinnert mich ein wenig an die großen Demonstrationen vor einigen Monaten in Deutschland. Zehntausende Menschen haben das Anliegen geteilt, gegen Rechtsextremismus auf die Straße zu gehen.

Zusammen losgehen. Wie großartig ist die Vorstellung, dass eine Menge Leute gemeinsam nach Gott fragen! Und sich, über ihre religiöse oder ethnische Zugehörigkeit oder Erziehung hinweg als Einheit verstehen. Da sind weder Juden, Christen noch Muslime.

 

Die zweite Beobachtung in Sacharja 8: Die Bewegung ist auch international: Viele Völker und Städte sind erwähnt, dazu verschiedene Sprachen. Der Gott der Bibel hat nicht nur Juden oder Christen im Blick, sondern alle Menschen. Das unterstreicht das ganze Kapitel Sacharja 8. Darin kündigt Gott an, einerseits die Juden nach der Katastrophe mit der Zerstörung des Landes und dem Exil wieder zu segnen. Andererseits weitet er den Segen auf die Nichtjuden aus. Auf eben jene Männer, die in die alte Königsstadt pilgern werden. Nicht auf einer Sinnsuche. Sondern mit dem Wunsch nach einer Begegnung mit dem, der der festeste Grund und Sinnstifter im Leben eines jeden Menschen sein kann. Mit Gott.

 

Doch um ihn zu finden, bedarf es aber vielleicht keiner weiten Reise nach Israel, in die Wüste oder auf einen Berg. Es reicht manchmal auch schon die Flucht aus dem oftmals stressigen Alltag in den nächsten ruhigen Park oder Wald. Oder auch einfach ins stille Kämmerlein. Dort in er Stille, kann ebenfalls die Gottesbegegnung erfolgen und somit der Mensch spirituell gestärkt in den Alltag zurückgehen. Durch Bibellesen, durch Meditation. Gott lässt sich finden. Der alte Tempel, das Zentrum einstiger religiös-jüdischer Verehrung mag nicht mehr stehen. Doch der Tempel, der Ort der Gottesbegegnung ist überall wo ich selbst bin, wenn ich offen für Gottes Wirken und Reden bin. Wenn ich losgehe. Mich auf den Weg mache. Innerlich und/ oder äußerlich.

Sommerzeit. Womöglich Zeit auf Reisen zu gehen. Zeit für jene innere Reise und dann gespannt sein, auf welche äußere uns Gott in unserem Leben noch führen wird.

Amen