Selbstverständlich

Danke, danke, danke, danke! Ich vergesse schon nicht, danke zu sagen. Oder doch? Da gibt es vielleicht mehr Gutes, als ich so auf den ersten Blick sehe. In unserem Impuls geht es um einen Dankbaren und viel Undankbare. So ist das. Gut, dass unser Beter um das Gute in seinem Leben weiß.

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„Wo kein Dank beim Empfänger, da ist die Gabe kein Segen.“, diesen Spruch prägte den Schweizer Pfarrer Albert Bitzius.

 

Unter diesem Titel hätte man die Begebenheit der 10 Aussätzigen, die uns der Evangelist Lukas hier erzählt, wohl auch platzieren können.

Jesus zog also umher und trifft bei einem Dorf auf 10 Männer. Alle haben eine schwere ansteckende Krankheit und dürfen aus diesem Grund nicht mehr in ihr Dorf zurückkehren.

Eine schwierige Situation für Jesus, aber auch für die Männer.

Vermutlich hatten diese Aussätzigen schon lange keinen Kontakt mehr mit anderen Menschen gehabt.

 

Jesus redet nicht lang um den heißen Brei herum. Er sieht ihre Verzweiflung über ihr scheinbar wertloses Leben, ausgestoßen aus der Gemeinschaft, hilflos. Es scheint als würden diese zehn letztlich nur noch auf den Tod erwarten.

 

Jesus sieht das.  Sieht, wie sie leiden und er macht sie gesund.

Als Weisung gibt er ihnen mit: „Zeigt euch euren Priestern, euren geistlichen Führern!“ Die zehn gehen weg. Einer von ihnen erkennt jedoch, dass ihn Gott selbst durch Jesus heil gemacht hat. Und so kommt er wieder zurück, fällt vor Jesus nieder, dankt Gott und ehrt ihn.

 

Jesus hingegen reagiert anders, als es dieser Mann vermutlich erwartet. Er hebt ihn nicht vom Boden auf, nimmt ihn in den Arm und sagt: “Schon gut.“

Nein, er fragt zunächst einmal: „Wo sind denn die anderen Männer hin, die ich geheilt habe?“

Zudem stellt Jesus fest: „Zurückgekommen ist eigentlich nur der Mann aus dem Volk, das uns Juden missachtet, der Mann aus Samaria. Meine Landsleuten sind nicht zurückgekommen.“

 

Jesus lässt offen, ob er darüber traurig, beleidigt oder angefressen ist. Zunächst ist es erst einmal eine Feststellung.

 

Dankbar war der Mann, dem Jesus es wohl am wenigsten zugetraut hat.

Jesus erkennt, dass der einsichtige Mann verstanden hat, dass Gott selbst ihm geholfen hat. Nicht irgendein Wundertäter, Heiler oder sonst wer.

 

Alle andern hingegen waren Gott nicht dankbar, obwohl Gott ihnen im wahrsten Sinne des Wortes ihr Leben gerettet hatte. Obwohl er sie vom Aussatz befreite, sie damit zurück ins Leben und in die Gesellschaft holte.

Wie undankbar!

Schnell ist man als Mensch dabei, über andere zu urteilen.

Ich selbst bin auch gut darin. Allzu oft schaue ich auf das Leben von anderen, urteile über etwas, was aus meiner Sicht ein Fehlverhalten war.

 

Wenn ich anfange vor meiner eigenen Haustüre zu kehren, dann ist da lebenslang Kehrwoche, wie man im Schwäbischen so schön sagt. Ich werde Verhaltensweisen finden, die mit Gottes Werten nicht im Einklang stehen.

 

Ich gehe es mal praktisch und bildlich an:

Schaue ich in meine Wohnung, dann fallen mir häufig, neben den Dingen, die ich schön finde, Dinge auf, die ich verbessern könnte. Ein manches Mal ärger ich mich auch und denke: „Mensch, wenn du jetzt ein bisschen mehr Kohle hättest, dann könntest du dies und jenes verbessern.“ Wieso schenkt Gott anderen ein so viel schöneres Leben?

 

Oder: Ich bin erkrankt, eine einfache Grippe, mir geht es nicht gut.

 

Nach ein paar Tagen ist die Grippe vorbei.

Wenn ich mich dann an diese Krankheitsphase erinnere, frage ich mich, warum ich genau zu dieser Zeit krank werden musste. „Wieso hat Gott mir jetzt diese Krankheit in den Weg gelegt, obwohl ich doch so gerne in diesen Tagen verreist wäre oder auf der Arbeit ein wichtiges Projekt hatte, oder oder….“.

 

Oder: Ich fahre in den Urlaub. Stehe im Stau. Bekomme einen ganz dicken Hals, weil ich doch nun endlich ankommen will. Ich motze und werde Minute um Minute unwirscher.

 

Alles, kleine Beispiele, nicht wirklich der Rede wert und schon gar nicht vergleichbar mit dem, was den zehn Aussätzigen widerfahren ist, von dem das Lukasevangelium erzählt.

Und doch:

 

Als Christ glaube ich, dass Gott mir mein Leben und all das, was es ausmacht geschenkt hat. Natürlich darf auch ein Christ mal wütend werden – man ist halt Mensch – aber ich merke, wie undankbar ich eigentlich bin.

 

Jesus hat mich nicht vom Aussatz geheilt, doch mein Verhalten ist nicht besser, als das der zehn Aussätzigen.

 

Anstatt dass ich Gott einfach mal dankbar dafür bin, dass er mir ein Dach über dem Kopf schenkt.

 

Anstatt dass ich dankbar bin, für 360 Tage im Jahr, an denen ich eben nicht krank bin oder mich daran freu, das ich im Gegensatz zu vielen anderen Menschen überhaupt so etwas wie Urlaub haben darf. Anstatt einfach Gott zu danken, da motze ich rum.

 

Ich bin genauso undankbar wie die Männer in unserer Geschichte bei Lukas.

 

Wenn ich dann noch daran denke, wie ich mit einem gegenteiligen Verhalten so viel mehr Zeuge von Gottes wunderbaren Geschenken in meinem Leben sein könnte und ich mich dadurch auch noch von den meisten Menschen in vergleichbaren Situationen um mich herum positiv unterscheiden würde, dann bin ich noch viel frustrierter.

 

Was bin ich eigentlich undankbar?!

 

An sich müsste ich Gott den ganzen Tag danken – für all das, was er mir schenkt.

 

Mein Leben, meine Familie, die Luft zum Atmen, die Bäume, die Lebensmittel, die Müllabfuhr, einfach alles.

Doch motzen ist leichter. Einfach hinnehmen und gar nicht darüber nachdenken auch.

Wenn ich erkenne, so wie es dieser Aussätzige getan hat, dass es Gott ist, der mir alles schenkt, dann werde auch ich Stück für Stück dankbarer. Dabei kann danken glücklich machen, weil es die Augen öffnet für kleine und großer Wunder und somit zum Segen wird. Auch für andere.