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So kreativ!

Es wird kreativ. In Gedanken holen wir Ton, Farbe, Blätter, Steine, Sand hervor und beginnen zu werkeln. Wir schaffen eine bessere Welt. Impulsgeberin ist Nicole Marten.

Wochenspruch – 2. Kor 5, 17

Psalmgebet – Ps 66, 1-9

Predigttext – Spr 8, 22-36

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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„Ja, sind denn jetzt alle Mächtigen dieser Welt komplett verrückt geworden?!“ Das frage ich mich zurzeit ziemlich oft. Um ehrlich zu sein, schon eine ganze Weile, nicht erst seit gestern. Da ist der US-amerikanische Präsident. Mal will er Grönland annektieren, mal will er Kanada als weiteren Bundesstaat. Den Golf von Mexiko benennt er um – und Medien, die dabei nicht mitmachen, werden einfach nicht mehr ins Weiße Haus eingeladen. „Die erzählen ja eh nur Fake News, erfundene Nachrichten“, hört man. Dann heißt es „Zölle für Waren aus dem Ausland rauf“ – in astronomische Höhen. Und plötzlich heißt es „Zölle wieder runter“. Den renommiertesten Unis der Welt wird angekündigt, dass ihnen massive finanzielle Einbußen drohen, sollten sie mit ihrer Lehre nicht der Linie der Regierung folgen. Gerichtsurteile? „Ach, was gelten die schon“, ist zu hören. So geht es Tag für Tag. Manchmal überschlagen sich die Nachrichten aus Übersee geradezu. Provokation ist der neue Umgangston. Verbündete vor laufenden Kameras erniedrigen, den Präsidenten der Ukraine beschimpfen, weil sein Land im Krieg ist nach dem Motto: „Selbst schuld, dass Russland einmarschiert ist…“

Das ist kaum zu ertragen. Sind die denn komplett verrückt geworden, denke ich und schalte den Podcast ab. Entkommen kann ich diesen Nachrichten nicht. Und es ist ja nicht nur der Präsident der USA, der meint, machen zu können, was er will. Recht und Gesetz scheinen in vielen Teilen der Welt nichts mehr zu gelten. Ob in Russland oder der Türkei, in Israel, China oder Syrien, die Liste lässt sich verlängern und verlängern – schier bis ins Unendliche. Und dann haben wir noch gar nicht darüber geredet, was in unserem eigenen Land so los ist. Die Wirtschaft ist in der Krise, die Politik irgendwie auch. Und die Gesellschaft? Mitgefühl mit anderen, mit Menschen, die nicht arbeiten können, mit Menschen, die ihre Heimatländer verlassen haben, weil es einfach nicht mehr anders ging? Mitgefühl: Fehlanzeige. Jeder ist sich selbst der Nächste. Und keiner will dem anderen mehr zuhören. Ja sind denn wirklich alle verrückt geworden? Nicht nur die Großen, sondern wir selbst? Ich vielleicht auch? Der Eindruck entsteht jedenfalls, wenn ich mich in der Welt, aber auch in unserem Land so umschaue.

Da scheint der Bibeltext für heute wie aus einer anderen Zeit, aus einer anderen Welt zu kommen. Und das ist ja auch tatsächlich so. Um die 2000 Jahre hat der Text auf dem Buckel. Die Weisheit persönlich stellt sich vor. Sie tritt auf, als wäre sie eine Frau. Das wissen wir aus vorherigen Kapiteln des Sprüchebuchs. Darin lädt Frau Weisheit alle ein, in ihr Haus zu kommen um zu lernen. Um Gutes vom Bösen unterscheiden zu lernen – damit die Menschen weise handeln. Klug. Und diese Frau Weisheit erzählt uns nun davon, wer sie ist. Gott hat sie geschaffen – und zwar vor aller Zeit. Noch bevor Gott die Erde erschuf. Da war sie schon da. Die Weisheit erzählt uns, dass sie dabei war, als Gott die Erde erschuf. Dass sie lachte vor Gott, als er, so stelle ich es mir vor, ganz ernst mit den kompliziertesten Dingen befasst war. Mit den Dingen, die die Welt bestimmen, die sie zusammenhalten.

Das Wort, das in unserer Bibelausgabe mit „lachen“ übersetzt wird, hat im Hebräischen mehrere Bedeutungen. Manche übersetzen: „Die Weisheit spielte vor Gott.“ Oder: „Sie scherzte mit Gott.“ Aber auch: „Sie tanzte vor Gott.“ Und egal, für welche Übersetzung man sich entscheidet: Es ist ein wundervolles Bild. Gott, mit so einem komplizierten und gewichtigen Thema befasst. Die Erde erschaffen. Den Staub, Sonne und Mond, die Pflanzen, die Tiere, die Menschen. Jedes Detail geplant. Eine ernste Angelegenheit. Und dann ist da die Weisheit, die kreativ spielt, lacht, scherzt, tanzt. Die ihre Kreativität auslebt und dazu noch ihre Fähigkeiten als Handwerkerin – man kann auch übersetzen: Künstlerin. Die diese Fähigkeiten einbringt in das Schöpfungswerk.

Die Schöpfung, sie ist etwas Kreatives. Sie macht große Freude. Und die Welt, sagt uns Frau Weisheit, sie ist weise geordnet. Es ist nicht einfach Zufall, dass es sie gibt, im Gegenteil! Die Welt ist nicht entstanden als ernstes, großes Kunstwerk. Das vielleicht auch. Aber es überwiegt etwas anderes: Die wohl geordnete Schöpfung, sie ist eine wahre Lust, ein Quell der Freude und des Jubelns. Für mich gipfelt die Rede der Frau Weisheit darin, dass sie sogar ihre Lust an den Menschen hatte und am ganzen Erdkreis.

Was für eine Vorstellung. Die Weisheit freut sich über die Menschen. Auch, wenn wir Menschen manchmal wirklich sehr töricht sind. Und sogar, wenn die Großen dieser Welt mit einer blödsinnigen Idee nach der anderen um die Ecke kommen. Manchmal haben wir auch falsche Vorstellungen von der Weisheit. Sie ist ernst, denken wir. Das stimmt einerseits. Die Weisheit meint es ernst mit ihrem Angebot, von ihr zu lernen und danach zu handeln. Aber sie hat auch etwas Kreatives, etwas Verspieltes. Etwas, das Lust macht, Lust auf mehr. Lust, etwas auszuprobieren. Und auch das merke ich, wenn ich Nachrichten lese, sehe oder höre: Es sind nämlich längst nicht alle verrückt geworden auf dieser Erde. Vielerorts regen sich kreative Köpfe, Menschen, die die Welt ein kleines Stück besser machen wollen. Jeden Tag aufs Neue. Die sich einsetzen für die Nachbarn. Die Menschen verteidigen, wenn sie ausgegrenzt werden oder benachteiligt. Die andere nicht verurteilen, sondern ihnen erst einmal zuhören. Die sich in der Politik engagieren – für bessere Lebensverhältnisse für alle. Die das tun, im Vertrauen darauf, dass Gott sie unterstützt.  Die kreative Weisheit: Sie ist eine unglaublich starke Kraft. Sie findet Wege, wo die Situation aussichtslos erscheint. Das wünsche ich mir: Dass ich kreativ weise werde. Nach Möglichkeiten schaue, wo ich heute die Welt ein kleines bisschen besser machen kann – und das dann auch tue. Und dass ich erkenne, wo andere so weise, so verspielt, so kreativ handeln. Mit Herz und Hand. Das ist dann ein Grund, zu jubeln und ein Quell der Freude. Ich wünsche Ihnen viele solche Gründe zur Freude!

Amen