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vorher nachher

Der erste Tag im neuen Jahr. Was wird das neue Jahr bringen? In jedem neuen Jahr legen wir neue Wege zurück. Sie können anspruchsvoll, herausfordernd, spannend, unglaublich schön, aber auch unglaublich schwer sein. Wege prägen und verändern uns.

„vorher:nachher – und dazwischen Leben“, so der Titel unseres achtseitigen Impulsflyers für das neue Jahr. Die Geschichte von Mose hat uns dazu inspiriert. Wir freuen uns, dass Sie sich mit uns heute Morgen auf den Weg machen, um die Geschichte von Mose mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Die einzelnen Wegetappen, wie sie in unserem Flyer zurückgelegt werden, können Sie in Bildern auf unserer Website finden. Hier direkt bei diesem kleinen gottesdienst.

Bilder zum Impulsflyer: Etappe 1 Etappe 2 Etappe 3 Etappe 4 Etappe 5 Etappe 6 Etappe 7

Andacht – Etappe 1 – Anja Kieser

Andacht – Etappe 3 – Damaris Binder

Andacht – Etappe 4 – Kerstin Mühlmann

Andacht – Etappe 6 – Kerstin Mühlmann

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Die erste Etappe: Vom Hirten zum Anführer

 

https://www.die-bibel.de/bibel/BB/EXO.3

  1. Mos 3, 1-10

 

„Du bist es“. Mit diesen drei Worten kann zusammengefasst werden, was in den ersten Versen von Kapitel 3 im 2. Buch Mose geschieht. Gott beruft Mose. Der Schafhirte wird von jetzt auf gleich zum Anführer eines großen Volkes. Sein Auftrag: Das Volk Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft zu befreien. Aus einem brennenden Dornbusch ruft Gott Mose mit seinem Namen und Mose antwortet: „Hier bin ich“. Und Gott sagt in wenigen Worten: „Geh. Ich sende dich zum Pharao.“

 

Innerhalb weniger Minuten ändert sich das ganze Leben. Weil Mose es ist, den Gott jetzt braucht. Vielleicht hat Gott immer wieder auch für mich einen Auftrag. Anja Kieser hat sich Gedanken darüber gemacht, ob es auch im Alltag Situationen gibt, in denen es heißt: Du bist es!

 

(223)

Olympia hat seine Spuren bei mir hinterlassen. Was für außerordentliche Leistungen! Hartes Training, Entbehrungen, Niederlagen und Rückschläge. Talent und Tränen. Und vielleicht am Ende eine Medaille. Ich habe Paris gefeiert, aber jetzt ist wieder Alltag. Alltag ist, wenn morgens um halb vier das Kind schreit. Der Schlaf fehlt. Wer um 6 Uhr früh die Tür der Bäckerei aufschließt, um die Kunden reinzulassen. Wer zu Oma ins Pflegeheim fährt oder den Fahrradreifen des Jüngsten zum 100sten Mal flicken muss. Durchhalten. Anstrengen. Gott hat mal zu einem jungen Mann, der sich Mose nennt, gesagt: Du bist es, den ich jetzt brauche. Er hat ihm nicht sein Vorleben vorgehalten, noch eine Lobeshymne auf seine Talente gehalten, sondern nur gesagt:  Du bist es. Jetzt. Du bist vielleicht der, der in deiner Familie noch zuhören kann; du bist die, die andere zum Lachen bringt; du bist der, der immer zuverlässig zum Dienst erscheint und die Mannschaft zusammenhält. Du bist es und das ist medaillenreif!

 

 

Die zweite Etappe:

Ägypten liegt für Mose und das Volk Israel schon zurück. Der Auszug hat geklappt, aber jetzt geht es weiter. Muss es weitergehen. Gott führt sein Volk auf einem Umweg, weil er befürchtet, dass der kürzeste Weg, nicht der beste Weg ist. Das wunderbare: Mit einer Wolkensäule bei Tag und einer Feuersäule bei Nacht ist Gott seinem Volk nah.

 

Wie wird es Mose ergangen sein auf diesem ersten Stück Weg? Schon raus aus der ägyptischen Gefangenschaft, aber noch fern vom versprochenen neuen Land. Ich glaube: Es hat ihm einfach gut getan, dass Gott so klar sichtbar wurde auf diesem Weg. Dass er durch die Wolke und das Feuer zeigte: Ich bin bei dir, bei euch. Lass euch jetzt nicht im Stich. Ihr dürft mir Vertrauen. Das macht Mut. Gemeinsam schaffen wir das! In der Verbundenheit mit Gott und untereinander liegt so viel Kraft und sie eröffnet so viele Möglichkeiten.

 

Die dritte Etappe:

Hier passiert etwas so Unglaubliches: Der Pharao besinnt sich um. Jetzt jagt er dem Volk Israel nach. Sie sollen doch nicht frei sein. Panik. Immer näher kommen die ägyptischen Soldaten. Mose schreit zu Gott: „Was jetzt?“ Und Gott? Hat schon eine Idee: Seine Wolke hält die Ägypter auf Distanz und sein Feuer macht den Weg der Israeliten nach vorne hell. Doch dann: Sackgasse. Das Meer ist im Weg. Jetzt ist Mose dran. Was hast du in der Hand Mose? Einen Stab? Streck ihn aus und teile das Meer, dass ihr alle durchgehen könnt. Gott hat die Idee und Mose, alles was er braucht.

Damaris Binder hat das Ganze in diese Geschichte gepackt:

 

(106)

Der Joghurt, den ich jeden Tag esse. Die Avocado, die ich fast vergessen hab. Und im Tiefkühlfach ein Eintopf, der schon Jahre eingefroren ist. Beim Kühlschrank ausräumen und abtauen kommt mir allerhand entgegen. „Jeder Mensch ist wie ein Kühlschrank.“ haute mal ein Freund raus. Ich schmunzle. Irgendwie hat er ja recht. Wie in einem Kühlschrank stecken in jedem Menschen bestimmte Lebens- Mittel. Mittel, die ich für ein gelingendes Leben brauche. Fähigkeiten und Begabungen, die Gott in mich hineingelegt hat. Manche davon benutze ich täglich. Andere liegen auf Eis. Weil ich nicht die Zeit habe, sie zu entfalten. Und bei wieder andere weiß ich gar nicht mehr, dass sie da sind. Vielleicht ist es deshalb sinnvoll, ab und an einen Blick in meinen inneren Kühlschrank zu werfen. Was hat Gott mir da alles geschenkt? Vielleicht entdecke ich ja das ein oder andere Talent in mir, das erst wieder aufgetaut werden muss. Oder ich im Trubel des Alltags vergessen hab. In jedem Fall: Ein Blick in den Kühlschrank lohnt sich!

 

 

Es geht weiter auf der vierten Etappe:

Hier erfährt Mose, dass Gott in der Lage ist, die Bitterkeit des Lebens zu verwandeln. Gerade sind sie noch ver folgt worden. Jetzt sind sie in der Wüste. Kein Wasser. Und als sie endlich etwas Wasser finden, schmeckt das bitter. Mose ist mit seinem Latein am Ende. Kann das sein? Nach all dem, was passiert ist? Jetzt verdursten? Gott zeigt Mose ein Stück Holz. „Hier, wirf das ins Wasser!“ –  Ist das so einfach? Ja, ist es. Das Wasser wird genießbar. Kein Verdursten mehr. Eine Geschichte voller Bilder ist. Sie erzählt vom bitteren Alltag, vom Sterben, vom all dem, was mein Leben belastet und sie erzählt von Veränderung. Veränderung, die Gott bringt.

Kerstin Mühlmann spricht in ihren folgenden Gedanken genau davon. Gott, Jesus, gekreuzigt an einem Stück Holz, will verändern. Lebensrettend.

 

(092)

Kaffee trinken gehen? Mache ich nur noch selten. Die Preise haben angezogen und auch ich muss manchmal schlucken, wenn die Rechnung kommt. Kann ich mir das noch leisten? Aus Italien stammt die schöne Tradition, dass man, zu seinem eigenen Kaffee freiwillig noch einen weiteren mitbezahlt. Diesen „Caffé sospeso“ kann dann später jemand umsonst bekommen, der sich sonst keinen leisten könnte. Es ist schon bezahlt… Was für eine freundliche Geste! Wie anders kann ich durchs Leben gehen, wenn ich weiß, die Rechnung ist schon geritzt. Weil einer schon geahnt hat, dass ich Hilfe brauchen werde. Nicht nur finanziell. Dieser jemand ist für mich Gott. Der, der sagt: Jesus ist auf die Welt gekommen und gestorben, damit du anders leben kannst. Befreit von allen offenen Rechnungen deines Lebens. Nicht nur den finanziellen. Ich will dich entlasten, weil du es mir wert bist. Und weil ich dich und deine Fähigkeiten an so vielen anderen Stellen brauche. So viel Großzügigkeit zu akzeptieren, ist gar nicht leicht. Aber stellt euch mal vor, es wäre so…wie würdet Ihr dann leben?

 

Die fünfte Etappe…

ist eine Pause. Das Volk Israel rastet und Gott sagt Mose, dass er an seinem Bund mit dem Volk festhalten will und bittet Mose, dass auch das Volk Israel sich zu diesem Bund bekennen soll. Sie sollen nochmal Revue passieren lassen, was bisher geschehen ist. Wie Gott eingegriffen hat. Sie bewahrt hat. Diesem Gott sollen sie weiterhin vertrauen. Und das will das Volk auch.

 

Dieser Text ist eine echte Ruhepause. Wie in einem spannenden Film. Nach viel Action scheint endlich alles gut zu werden. Der erfahrene Kinogänger weiß natürlich, dass noch was kommen wird. Bis zum Happy End wird noch ein bisschen was passieren. Aber jetzt erstmal Verschnaufpause. Der Blick geht zurück. Ich kenn das. Wow! Was hab‘ ich alles geschafft! Toll. Pause verdient. Mir hilft das aber auch, um mich wieder aufzuraffen, weitergehen zu können. Wie schön ist es im Rückblick zu sehen, wo Gott mich durchs Leben getragen hat, Türen aufgemacht hat, mir Menschen zur Seite gestellt hat, die mir geholfen haben. Diesem Gott kann ich auch mein Jetzt und meine Zukunft anvertrauen.

 

Die sechste Etappe

Hier passiert, was passieren musste: Das Volk ist schon lange unterwegs. Wüstenzeit. Alles ist schwer und dann geht Mose auf einen Berg und kommt lange nicht zurück. Die Fragen und Zweifel werden in dieser Zeit immer größer. Wo ist nun dieser Gott?

Was hier geschieht ist zu tiefst menschlich und Gott begreift das. Kerstin Mühlmann hat es in diese Gedanken gefasst:

 

(308)

Winterzeit ist Bastelzeit. Das Gefühl etwas selbst geschaffen und in der Hand zu haben, toll! Gerade an trüben Tagen, wenn die Warterei auf andere Zeiten unerträglich scheint. Kommt schon in der Bibel vor. Da wartet ein ganzes Volk auf seinen Anführer Mose, der auf einem Berg Anweisungen von Gott persönlich bekommt. Erst warten sie brav, dann ungeduldig: Sie wollen Gott sehen und anfassen. Und zwar JETZT! Also basteln sie sich aus ihrem gesammelten Schmuck ein goldenes Kalb und beten es an. Gott wird ziemlich sauer, logo. So hat er sich das nicht vorgestellt. Als goldenes Kalb. König, Superman, Hirte. Sowas vielleicht? Gott machts anders, überrascht alle. Er kommt viel, viel später, als Baby Jesus zur Welt. Bald feiern wir wieder die Erinnerung an seine Geburt. Gott, ein Mensch. Weniger Glamour geht nicht. Ein Gott zum Anfassen und Angucken. Der isst und schläft und mit denselben Problemen kämpft wie alle. Ein Mensch wie du und ich und doch komplett anders. Ein Gott, wie ich ihn mir nie gebastelt hätte. Aber genauso wünsche ich ihn mir.

 

Und damit wären wir bei der letzten – der siebten Etappe:

Hier wird ein Happy End erzählt. Es ist noch nicht DAS Ende. Aber hier wird erzählt, wie Gott den Bund, den er mit seinem Volk geschlossen hat, sichtbar, erfahrbar machen möchte, so dass für alle Zeit klar ist: Gott steht zu seinem Volk. Lässt es niemals im Stich. Wird immer bei ihm sein. Im letzten Kapitel des 2. Buch Mose sagt Gott Mose, wie er ein Zelt errichten soll, damit Gott mittendrin in seinem Volk einen Platz bekommt. Ein Ort der Begegnung. Ein Zelt mit Bundeslade, Tisch, Leuchtern, einem Altar. Und es wird geschildert wie Gott in einer Wolke in diesem Zelt einzieht. Gott nimmt Wohnung unter den Menschen.

 

Auf sieben Etappen haben wir Mose und das Volk Israel begleitet. Sie haben viel erlebt. Miteinander und mit Gott. Eines ist diesen Etappen gleich: Gott war und ist und bleibt immer an seinen Menschen dran. Auch wenn die Menschen ihn aus den Augen verlieren ist Gott da. Und immer wieder lädt Gott neu ein, ihm zu vertrauen. An ihm festzuhalten. Auch und gerade dann, wenn das Leben schwierig wird. Wenn die Sonne nicht so hell strahlt. Wenn sich Angst und Sorge breit machen. Wenn sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten. Gott ist und bleibt die Konstante im Leben. Der Grund, der Halt. Seine Liebe bleibt und sein Versprechen: Ich lasse dich nicht.

Ich will mir das in diesem Jahr neu zusprechen lassen: um Schritte zu wagen, gehen oder auch Schritt halten zu können, vielleicht manchmal auch zu hüpfen oder zu springen. Auf jedem Schritt wird Gott bei mir sein. Und auch bei dir – bei Ihnen.