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Und plötzlich

Nicht mehr damit gerechnet. Hoffnung abgeschrieben. Was soll sich noch ändern? Von einem, der im Leben feststeckt und plötzlich ändert sich die ganze Welt. Seine Welt. Ein Impuls von Markus Bauder.

Wochenspruch   – Jer 17, 14

Psalmgebet – Ps 32, 1-7

Predigttext  – Johannes 5, 1-16

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Was sind das für seltsame Leute, die Jesus dafür verfolgen, dass er an einem Sabbat geheilt hat und dass er dem Geheilten gesagt hat, dass er seine Matte nehmen und nach Hause gehen soll?

Das ist für mich irgendwie abgefahren. Mit solchen Leuten will ich eher wenig zu tun haben. Die finden immer etwas, mit dem sie dir am Kittel flicken können.

Aber abgesehen davon, ist das doch eine unglaublich mutmachende und hoffnungsvolle Geschichte.

38 Jahre lang war da einer krank. Und es gibt doch noch Hoffnung.

38 Jahre und keiner mehr da, der sich um mich kümmert. Ich hab niemand. Und doch gibt es Hoffnung.

38 Jahre und viele, viele Kranke und Leidende. Wieso sollte einer ausgerechnet mich sehen und wahrnehmen? Sich um mich kümmern? Und doch gibt es Hoffnung.

Wenn ich einen Schritt zurücktrete und mir überlege, für wen alles dieser Kranke stehen könnte …

Die unendlich vielen Menschen, die mit einem Leiden oder Elend gezeichnet sind, das sie plagt. Privat und persönlich oder auch ganze Gesellschaften und Völker. Im Grunde steht dieser Kranke für alle Krankheiten, für alle Not, für alles Elend dieser Welt. Für mein oder dein persönliches Schicksal. Deine Krankheit und Not. Oder die des Nachbarn. Aber auch für unsere notleidende Welt, für Gesellschaften und Völker, die unter unsäglichen Regierungen leiden.

38 Jahre lang. Im Grunde ist ja jeder Tag einer Zuviel. Aber 38 Jahre kann ich mir das nicht wirklich vorstellen. 38 Jahre, das könnte auch einfach „schon immer“ bedeuten. Oder viel, viel zu lange. Kinder, die aufgewachsen sind, ohne jemals Frieden zu erleben. Völker, die sich schon immer feindlich gegenüberstanden. Krankheit oder Not, bei der man sich nicht mehr an den Anfang erinnern kann. Man kennt es gar nicht mehr anders. Es war in der Erfahrung auch noch nie anders.

Alle haben sich längst in ihr Schicksal gefügt. Und die Abläufe sind klar geregelt. Die Not und das Elend ist längst im Alltag integriert und wird kaum mehr hinterfragt. Jede und jeder hat sich auf seine Weise eingerichtet. Auf seiner Matte gewissermaßen. Oder auch als Helferin oder Helfer. Nicht alle sind gleich. Die einen sind die Leidenden, die anderen kümmern sich ein wenig. Wieder andere sorgen für den Lebensunterhalt. Alle, die mal noch eine zeitlang gehofft haben, sind verschwunden. Und sind froh, dass sie draußen sind. Und vielleicht nur noch von außen schauen, wie es denen da drinnen geht. So wie ich manchmal mit einem leichten Gruseln in die Kriegsgebiete schaue oder wie man vielleicht an Krankenhäuser und anderen Anstalten vorbeiläuft, in denen man versucht die Not und das Leid zu lindern.

Es gibt Hoffnung! Manchmal weiß man ja nicht, ob man sich darüber freuen soll. Was, wenn man zu denen gehört, denen nicht geholfen wird? Was, wenn die Hoffnung die Verzweiflung nur vergrößert, weil sie sich ja doch nicht erfüllt?

Dann plädiere ich dafür, dass wir aus der Metaebene wieder aussteigen und in die Situation hineingehen. Dazu fällt mir immer wieder die Geschichte ein, in der ein Mädchen am Strand entlanggeht. Am Tag davor hat es gestürmt und die Wellen haben unendlich viele Seesterne an den Strand geworfen. Das Mädchen nimmt einen Seestern nach dem anderen und wirft ihn zurück ins Meer, damit er weiterleben kann. Ein Mann kommt vorbei und beobachtet das Mädchen. Nach einer Weile sagt er: „Mädchen, was Du machst in allen Ehren. Du kannst niemals alle Seesterne retten. Das, was du tust, ändert gar nichts.“ Das Mädchen nimmt einen weiteren Seestern, wirft ihn zurück ins Meer und sagt: „Alle nicht. Aber für diesen einen ändert sich was.“

Nicht alles Elend der Welt – für diesen einen, für diese eine.  An diesem Ort, an jenem Ort. Heute hier, morgen dort.

Auch Jesus hat an diesem Tag und am Teich Bethesda wohl nicht alle Menschen geheilt und alles Elend der Welt beendet. Diesen einen hat er in den Blick genommen. Für diesen hat sich sein Leben geändert und eine Hoffnung erfüllt, die er schon aufgegeben hatte. Gerettet. Geheilt. Ein Wunder ist geschehen. Es hat sich doch etwas zum Guten gewendet.

Warum sollte das nicht auch heute geschehen. Dort, wo ich bin. Dort, wo Du, wo Sie sind. In Ihrem Leben. Vielleicht ja sogar auch durch mich. Oder durch dich.

Auf jeden Fall geht Jesus nach wie vor über diese Erde und berührt Menschen und Situationen. Heilt und hilft. Unsichtbar und manchmal durch seine Engel und Botinnen.

Vielleicht sollten wir die Hoffnung doch nicht aufgeben. Wieder neu Ausschau halten nach der Rettung. Nach dem Helfer, der Helferin. Und ihm, wo immer wir es können, zuarbeiten.

Gib nicht auf. Mach weiter. Für diesen einen, für diese eine ändert sich was.

Ich möchte beten:

Gebet

Vater im Himmel. Es gibt so viele Menschen, die wie der Kranke in unserer Geschichte oft schon viele Jahre leiden. Durch Krankheit, durch Leid und Not. Viele haben die Hoffnung aufgegeben. Viele, die stärker sind, haben sich abgewendet. Die in Not fühlen sich oft alleingelassen. Häufig sind sie es auch.

Du wendest dich ihnen zu. Du bist ihnen nahe. Die Hoffnung soll nicht verschwinden. Und wir sollen in deinem Namen auf deiner Erde unterwegs sein.

Hilf uns dabei.

Lass die Hoffnung nicht zuschanden werden. Wecke du immer wieder neue Hoffnung. Und lass uns an deiner Hoffnung teilhaben.

Gemeinsam beten wir in Hoffnung die Worte, die du uns zu beten gelehrt hast: