Was zählt

Was zählt? Keine Frage. Geld, Prestige, Leistung, Können. Naja, wir wissen schon, dass es nicht ganz so ist. Aber es wäre schon schön und manchmal kann man die Dinge ja auch ein bisschen schönen, um besser dazustehen. Gut, dass Gott etwas anders auf die Dinge schaut. Dass Gott anders auf die Menschen schaut. Gut, wer erkennt, was er oder sie an diesem Gott hat.

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Psychologen sagen: „Brave und liebe Kinder sind oft deshalb so lieb, weil sie gemerkt haben: Wenn ich lieb und nett bin, bekomme ich viel positive Zuwendung, werde gemocht und anerkannt.“

In der Welt der Erwachsenen muss man für den Respekt und die Anerkennung schon ein bisschen mehr tun. Das ist stark abhängig von der Situation und den Kreisen, in denen man sich bewegt. Um im Sportverein die Anerkennung und den Respekt der anderen zu erwerben, braucht man andere Fähigkeiten und Verhaltensweisen als auf der Geschäftsführungsebene eines Unternehmens oder im Haifischbecken der Wertpapierbroker.

Aber die Struktur ist immer die gleiche: Ich muss etwas vorzuweisen haben! Im Sportverein mögen es hervorragende sportliche Leistungen oder ein großer Teamgeist sein. In der Geschäftsführung muss ich womöglich großes Verhandlungsgeschick, analytische Begabung und Führungsstärke ausweisen. Beim Wertpapierhandel mag es Entschlusskraft, psychische Belastbarkeit und  ein angeborener Instinkt für das lukrative Geschäft sein. Unterm Strich: Du musst etwas vorweisen können! Haste was, biste was! Und je mehr du hast an Fähigkeiten, Kompetenzen, Besitz oder Macht, umso besser.

Das ist nichts spektakulär Neues, das ist uralt und hat sich irgendwie auch bewährt – von daher möchte ich das gar nicht schlechtreden – wenn da nicht ein paar Nebenwirkungen wären, die doch nicht zu übersehen sind. –

Da reicht schon ein Blick in unser unmittelbares Umfeld.
Wenn sich Kindergarteneltern im Frühling gegenseitig erzählen, wie weit ihre Vorschulkinder schon sind. Was sie alles können – und da gibt es immer ein paar Eltern, denen ist es besonders wichtig, dass ihr Kind besonders viel kann und den anderen voraus ist. Blöd stehen die dann dabei, deren Kinder nicht diesen Maßstäben entsprechen.
Wenn Geschäftsleute feststellen, dass beim Autokauf und Hausbau das Sozialprestige der Produkte immer wichtiger wird. Der Nachbar soll respektvoll das Auto oder den Neubau bewundern. Da ist man dann auch bereit, finanziell mehr zu investieren, als eigentlich nötig wäre.
Auch im kirchlichen Bereich ist das nicht anders: Wenn Kirchengemeinden einen Pfarrer suchen, liest man häufig Listen von Eigenschaften, die der Kandidat oder die Kandidatin erfüllen soll. Da wird einem mitunter schwindelig. Mit Jung und Alt soll er es gut können, logistisches und betriebswirtschaftliches Geschick genauso mitbringen wie seelsorgerliches Feingefühl und Durchsetzungskraft. Man ahnt: Auf solche Stellen bewerben sich dann solche Kollegen, die sich selber maßlos überschätzen.

Hier- und da habe ich den Eindruck: Das Motto „Haste was, biste was”, beziehen wir auch auf Glaubensfragen. Mein Glaube ist dann etwas wert, wenn ich etwas vorweisen kann:
Ich gehe ganz oft in die Kirche,
ich glaube an jeden Buchstaben des Glaubensbekenntnisses und der Bibel,
ich habe nicht den Hauch eines Zweifels an der Güte Gottes,
ich bete täglich und lese täglich in der Bibel….

Aber weil das bei mir nicht der Fall ist, ist mein Glaube auch nichts, worauf ich stolz sein kann. Dann ist mein Gottvertrauen nicht der Rede wert – und das im wahren Sinn des Wortes. Dann verstecke ich meinen Glauben, und rede auch nicht drüber – schließlich ist das eher peinlich mit meinen offenen Fragen, Krisen und Zweifeln.

Wir mögen halt lieber das Perfekte, den Kompetenten, den Starken, die Weise, den Mächtigen bewundern, selbst wenn wir ahnen, dass Manches doch nur schöner Schein ist.

Gut das Gottes Gegenmodell in der Bibel beschrieben ist und  worüber der Apostel Paulus schreibt:

 

Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und was gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt, was nichts ist, damit er zunichtemache, was etwas ist, auf dass sich kein Mensch vor Gott rühme.

Der Heiland der Welt stirbt am Kreuz. – Und so erlöst er die Welt von ihrer Schuld.
Johannes der Täufer selbst spürt bei Jesu Taufe: Eigentlich bin ich unwürdig, diesen Jesus zu taufen. Aber Jesus sagt zu ihm: „Es ist in Ordnung, „lass es nur geschehen“.“
Petrus hat Jesus verleugnet, als man ihn nach der Festnahme Jesu fragte, ob er Jesus kenne und zu dessen Freunden gehört. Den Mund hatte er zuvor mächtig voll genommen und Jesu ewige Treue geschworen. Ein Totalversagen in der Krise! Und genau den ernennt der auferstandene Jesus zum Chef der 12 Jünger.
Paulus, der jüdische Heißsporn, der bei der Ermordung des ersten christlichen Märtyrers noch begeistert dabeistand, der wird zu einem der maßgeblichen Missionare des Glaubens an Jesus Christus.

So eine Mannschaft…. Das ist keine, mit der man angeben kann. Da hat keiner eine weiße Weste! Gott, der uns Menschen sowieso durchschaut, weiß, wie sinnlos es ist, wenn wir uns aufblasen und Eindruck schinden wollen. Er plant anders.

Was wir hier hören, soll uns Mut machen.
Mut, gegen die Tendenz der Welt, gerade das Gewöhnliche im Leben, das nicht Perfekte, das Defizitäre und sogar das Misslungene ins eigene Leben zu integrieren.
In aller Offenheit und Ehrlichkeit vor sich selber und auch vor anderen.
Ich muss nicht so tun, als wären meine Fehler und Schwächen nicht meine. Die gehören zu mir. Und ich habe einen Gott, dessen Liebe so groß ist, dass er sich davon nicht abschrecken lässt.
Auch wenn ich zu denen gehöre, die nur alle acht Wochen in die Kirche gehen: Was heißt das schon? Letztendlich halte ich doch an Gott fest, gegen alle inneren Zweifel und aller offenen Fragen. Ich bin dennoch Gottes Kind.

Gott beruft nicht allein die scheinbaren Musterschüler und erst recht nicht die, welche sich für tadellos und unfehlbar halten.

Worüber er sich freut ist:
Wenn wir vor Gott und voreinander Fehler und Schwächen eingestehen.
Damit wir einander realistisch wahrnehmen.
Wir einander Fehler verzeihen können.
Und bereit werden, uns von anderen und+++ von Gott im Alltag helfen zu lassen.

Amen