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Yeh! Umzug!

Nicht jeder Umzug ist eine wahre Freude. Wann steht eigentlich der letzte Umzug an und was bedeutet das? Impulsgeber ist Frederik Ehmke.

Wochenspruch  – Mt 20, 28

Psalmgebet – Ps 43

Predigttext  – Hebr 13, 12-14

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Umzüge: Gründe für einen Umzug gibt es in der Welt viele. Junge Leute beginnen ein Studium, eine Ausbildung oder einen internationalen Freiwilligendienst und verlassen darum ihren Heimatort. Ob sie jemals danach zurückkehren in ihren Heimatort, zu den Eltern, bleibt ungewiss. In jedem Fall kehren sie verändert zurück, durch all die Erlebnisse, neue Erfahrungen, die sie geprägt haben. Andere heiraten und ziehen deshalb in eine andere Stadt, um dort mit ihrem Ehepartner gemeinsam zu leben und eine Familie zu gründen. Wieder andere müssen wegen ihrer Arbeit die vertraute Umgebung verlassen und bauen sich woanders eine neue Existenz auf. Ähnlich wie ich, der ich aus Norddeutschland vor zehn Jahren in den Süden gezogen bin und nun seit vier Jahren in Stuttgart arbeite. Ein neuer Lebensabschnitt. Oft fallen diese Veränderungen auch mit dem Beginn des neuen Jahres zusammen. Ganz gewiss haben auch in der letzten Silvesternacht von 2025 auf 2026 Menschen daran gedacht, dass im neuen Jahr auch ein neuer Lebensabschnitt und möglicherweise ein Umzug auf sie wartet.

Der heutige Bibeltext im Hebräerbrief macht dieses Vorhaben erneut bewusst. Nur dass es in ihm nicht um einen Umzug innerhalb eines Landes oder einer Stadt geht. Wir werden umziehen! Die himmlische Heimat ist der Ort, wohin es gehen wird. Dahin sind wir als Christen, dem Glauben nach, unterwegs. Wie schaue ich auf diesen Umzug? Ist er mir eine Verheißung oder hat er doch eher etwas Bedrohliches? Der Gedanke an einen Umzug hat selten etwas Verlockendes. Immerhin bedeutet ein Umzug viel Arbeit und Stress. All die Kisten, Schränke und vielleicht auch noch ein Klavier müssen verpackt und mühsam von dem einen Ort zum anderen gebracht werden. Und auch die vielen Behördengänge, das Ab- und Anmelden bei den verschiedenen Ämtern und Versorgern hat nur wenig Reiz, über den man sich freuen könnte. Und so wird in der Regel auch niemand aus purer Freude einen Umzug vornehmen. Vielmehr werden ihn äußere Verhältnisse dazu veranlassen.

Auch dieser Umzug in die himmlische Heimat hat seine Gründe. Ich werde umziehen, denn hier, auf dieser Welt und in dieser Welt kann ich nicht bleiben. Der Mensch hat auf dieser Welt keine bleibende Stadt, wie es im Hebräerbrief heißt. Weil wir endlich sind. Uns steht, egal wie und wo wir in unserem Leben tatsächlich umgezogen sind, ein finaler Umzug bevor, dem wir nicht entgehen können. Für diese Wahrheit steht mir persönlich immer noch ein Erlebnis deutlich vor Augen: Ein älterer freundlicher Herr, den ich in meiner Eigenschaft als Pastor oft besucht habe. Er war noch augenscheinlich sehr fit und meist guter Dinge. Eines Tages gingen wir über einen Friedhof und er zeigte mir den Grabstein seiner Eltern. Dort verweilten wir kurz im Schweigen und dann sagte er etwas, das ich nicht vergessen werde: „Jetzt sind meine Eltern schon lange heimgegangen. Haben ihren letzten Umzug hinter sich gebracht. Und jetzt fühl ich mich in letzter Zeit ihnen irgendwie näher.“ Wenige Wochen darauf erkrankte der Mann schwer und starb schließlich. Er durfte ebenfalls diese letzte Heimreise antreten. Das war sein fester Glaube. Bis zum Schluss.

Wir wissen nicht, wann dieser Moment für uns kommt: Jedes neubegonnene Kalenderjahr kann unser letztes sein. Mose legt uns deshalb im Psalm 90 eine Bitte in den Mund, der wir uns immer wieder anschließen dürfen: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Was bedeutet es, im Blick auf einen Umzug klug zu sein? Nun, es wird sich wohl niemand, der weiß, dass sein Umzug kurz bevorsteht, noch eine neue Einbauküche für seine alte Wohnung kaufen. Wenn er eine neue Einrichtung plant, dann ganz gewiss für die neue Wohnung oder das neue Haus. Bis er aber dort ist, wird sich seine Sorge, um die bisherige Behausung auf das Nötigste beschränken. So ähnlich sollte es auch mit unserer Klugheit im Blick auf die letzte Reise, den letzten Umzug bestellt sein. Ganz gewiss ist es nicht verboten, sich das Leben hier so einzurichten, dass es mir gut geht. Der Arbeit nachgehen, Familie gründen und für die Familie da sein. Ein schöner Urlaub, ein gutes Essen, das alles ist nicht verkehrt und widerspricht auch nicht dem, wenn was Martin Luther gesagt haben soll, als er nach der Endlichkeit gefragt wurde: „Und wenn die Welt morgen untergeht, würde ich noch heute einen Apfelbaum pflanzen.“

Wenn alles vergeht, dennoch bis zum Schluss etwas hineingeben und investieren. Und zwar in diese Welt. Vielleicht, weil mir der Blick auf den finalen Umzug eine andere Perspektive schenkt. Ein Blick, der mich frei macht, loslassen lässt, die Hände frei macht, um etwas zu tun, das über mich und mein Leben hinausgeht. Das ist gelebte Hoffnung. Ich trotz der Endlichkeit, sondern wegen der Endlichkeit.

Die Jahreslosung für 2026, die in der Bibel im Buch der Offenbarung steht, legt das nahe. Das letzte Buch der Bibel, das einen prophetischen Blick auf das noch Kommende wagt, daraus entspringt der Satz, der durch das Jahr 2026 geleiten soll. Er heißt: Siehe ich mache alles neu. In all dem Chaos, in all den Umzügen, in all den aufgedeckten Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten dieser Welt, wo so viele und so vieles nach Erlösung schreit, die Zusage Gottes: Ich mache alles neu. Himmel und Erde mögen vergehen. Aber es verschwindet nichts im Nichts.

Die Welt hat Gott wunderbar geschaffen und ich darf und soll in die Schöpfung investieren und mein Leben hier einrichten. Auch wenn für diese Welt, die nicht zuletzt durch den Menschen selbst so vieles an Zerstörung und Ungerechtigkeit widerfährt, ebenfalls ein Ende gesetzt sein mag. Gott wird Neues schaffen. Heute schon, am Ende meines Lebens, am Ende der Welt. Das ruft gerade nicht dazu auf, alles sein zu lassen, sondern mich, uns, die Welt immer wieder zu beschenken mit Gutem. Weil das Ende, nicht das Ende sein wird. Auch der letzte Umzug für mich, das Sterben, wird kein Endpunkt darstellen, sondern dem Glauben nach der Anfang von etwas Neuem sein.

Diese neue Wohnung ist bereits vorbereit. So belastend der Ausblick auf einen Umzug auch sein mag, er wird doch versöhnlicher, wenn ich weiß, wohin ich umziehe und darauf setzen kann, dass das neue Heim eine noch schönere Wohnung für mich bereit hält. Gott hat es zugesagt in der Bibel. Er, der in einer unvergleichlichen Herrlichkeit zuhause ist, macht sich auf und kommt in unsere Welt. Er legt alle Pracht ab und zieht bei uns ein. Er nimmt vorlieb mit den dunkelsten Ecken unserer Behausung. Weil sonst kein Platz ist, kommt er in einem Stall zur Welt. Er lässt sich den Spott seiner Mitmenschen gefallen, wird geschlagen und gedemütigt. Ja, er lässt sich von ihnen töten. Und wozu das alles?

Kurz vor seiner Verhaftung hat Jesus noch einmal ausführlich mit seinen Jüngern geredet. Und hier sagte er Worte, die auch im Blick auf die Jahreslosung sehr wichtig sind. Jesus sagte: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?“ Das ist das große Wunder, vor dem wir immer wieder stehen und über das wir uns nicht genug freuen können. Gott straft uns nicht dafür, dass wir Menschen seine Schöpfung zerstören, ja uns selbst und unseren Nächsten oft ungnädig behandeln, nein, er macht stattdessen alles neu. Wir werden umziehen! Das ist keine Drohung, sondern eine wunderbare Verheißung, die uns tragen kann. Die Verheißung auf einen Neuanfang. Immer wieder. Mit Gott, der den Weg dorthin bereitet hat.

Amen.