Immer wieder sonntags
Sonntag, Tatortzeit, Bauchwehzeit. Das blöde Gefühl taucht zuverlässig dann auf, wenn man sich eigentlich entspannen wollte. Was hilft?
Sonntag, Tatortzeit, Bauchwehzeit. Das blöde Gefühl taucht zuverlässig dann auf, wenn man sich eigentlich entspannen wollte. Was hilft?
Mögt Ihr Sonntage? Ich fand sie lange doof. Als Kind war ich sonntagnachmittags gedanklich schon wieder in der Schule. Und mit dem beschäftigt, was ab Montag bestimmt ganz, ganz furchtbar werden würde: Mathearbeit, Stress mit Freundinnen, Leistungsdruck. Dieses Kopfkino – oft völlig überzogen – hat mir manchen Sonntag komplett vermiest. Erst kürzlich habe ich aufgeschnappt: diese Sonntagssorgen haben ganz viele Menschen, sie werden sogar wissenschaftlich erforscht. Psychologen nennen sie Sunday Scaries. Frauen betreffen sie eher als Männer, junge Berufsanfänger eher als ältere. Sonntag, der Tag der lähmenden Bauchschmerzen? Aus christlicher Sicht kann er auch genau das Gegenteil sein: ein Kraftort, ein Anker in der Woche, idealerweise frei von Arbeit. Der Tag, der mich daran erinnern will: Du musst nicht alles allein schaffen. Gott hat dich geschaffen, weil er an dich glaubt, dich braucht und was Gutes mit Dir vorhat. Darauf darfst du dich freuen. Und was dich belastet – egal wie real es ist – das nimmt er dir gern ab. Jederzeit und erst recht am Sonntag.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen
Was ich am Sonntag liebe, ist die innere Einstellung, dass man sich frei nehmen kann. Wobei das Freinehmen hauptsächlich ein innerer Prozess ist. Man genehmigt sich am Sonntag einfach Ruhe und Erholung und muss nicht arbeiten.
Das Blöde an der Sache: Die Leute, die Gottesdienste unterstützen durch Predigt, Gesang und Rahmen-Arbeiten haben eben an dem Tag einen Arbeitstag und Vorbereitungsarbeit auf diesen Tag.
Ich kann nicht für diese Leute sprechen, wie sie es verarbeiten. Denn ich nutze den Tag und den Gottesdienst als Freizeit-Programm. Die Kontakte zu lieben Menschen machen 50% des Wertes dieser ganzen Veranstaltung aus. Der Sonntag wird bereichert.
Die Leute, die immer wieder Gottesdienst machen, beschweren sich auch ein wenig, dass sie immer ranklotzen müssen und andere es als Berieselung geniessen oder als «Sonntags-Show» und in dem Sinne selbst faul sind.
Es ging mal eine Liste rum, bei der man sich für Mitarbeit eintragen kann: Kuchen backen, Begrüssungsdienst, Kaffee-Ecke vorbereiten und wieder sauber machen, Dienst an der Technik. Ich machte eine neue Spalte auf und wollte predigen.
Ab da wurde es interessant: Der Zettel verschwand und niemand redete mit mir darüber. Ein eifersüchtiger Kollege fuhr mich an: Willst Du wohl predigen?
An der Energie spürte ich: Die Leute, die da vorne sind und denen man lange zuhören muss (ohne dagegen zu argumentieren im Dialog) geniessen diese Position. Sie wollen diese Position unangefochten haben.
Leute haben eine Position, z.B. die Leitung des Musik-Teams (oder selbst singen und musizieren) und sie haben damit zwar Arbeit, aber sie wollen diese Position behalten.
Im Prinzip mag der Mensch Veränderungen gar nicht und ungeschriebene Gesetze will man verstanden wissen von allen Beteiligten. Jeder hat so seine Rolle und wenn man die nicht einnimmt oder glaubhaft und fähig und überzeugend wahrnimmt, wird es problematisch. Jeder hat so seinen eigenen Sonntag.