Keine halben Sachen

Wenn‘s drauf ankommt: Nächstenliebe. Aber wie?

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Ich fahre mit der U-Bahn nach Hause. Ein älterer Mann im Rollstuhl steigt ein. Nur mit Mühe schafft er es über die Schwelle, ich nehme ihn viel zu spät wahr. Er hat still gekämpft. Der Mann sieht müde aus, fast zahnlos, ziemlich ungepflegt. Nach und nach verbreitet sich ein unangenehmer Geruch im ganzen Abteil. Ignorieren unmöglich. Trotzdem schauen alle – ich eingeschlossen – konzentriert weg, als ob sich das Problem so von allein lösen würde. Dieser Mann braucht offensichtlich Hilfe. Aber geht mich das was an? Hilflos blättere ich in meinem Handykalender. Mir ploppt ein Termin entgegen: Laternenbasteln für St. Martin. St. Martin, das war doch … Genau, der Soldat und spätere Bischof, der kurzentschlossen seinen teuren Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt hat. Ein strahlendes Beispiel christlicher Nächstenliebe. Lange her. Der Mann im Rollstuhl ist längst ausgestiegen, ich fühle mich mies. Meine Jacke hätte er nicht gebraucht. Aber vielleicht jemanden, der ihn nicht übersieht.