Leider nicht im Griff

Kontrolle und Übersicht bringen Sicherheit und Ruhe. Aber das Leben ist nicht so. Das stresst. Es gibt Abhilfe.

1 Kommentar
Kommentare
  1. Joachim S.
    Joachim S. aus der Schweiz sagte:

    Ich denke, man hat gar keine andere Wahl, als die Begrenztheit der eigenen Person und der Welt und der direkten Umgebung zu akzeptieren – oder – zu lernen, sie zu akzeptieren.
    Auch die Begrenztheit des eigenen Glaubens, gilt es zu akzeptieren, als auch wertzuschätzen.
    Da ist mir letzten Sonntag in einer charismatischen Gemeinde als Erlebnis zugeströmt, dass eine junge Frau ans Mikrophon der Gemeinde ging und erzählte, wie für Sie die Wiederkunft Jesu träumte. Es war so ein gigantisches Erlebnis mit toller Sonnenuntergangsstimmung, Balkonwetter und Jesus-Umarmung und aller möglichen Herrlichkeit, die man sich denken kann. Wusch und ich mit meiner Bibelkenntnis: Hey was da alles für Begleiterscheinungen bei der Wiederkunft Jesu beschrieben werden, ist grauenhaft. Nun glaube ich aber nicht an diese grauenhafte Sache, wie beschrieben und lehne sie ab als Unfug in der Bibel, bzw. begrenze ich mich hier nicht. Hier ziehe ich Grenzen und denke: Also jeden Schmarrn glaube ich nun auch nicht, bloss weil der schreckliche Text in der Bibel steht (Sonne verfinstert sich selbst und Sterne fallen vom Himmel und Jesus kommt in einer Wolke in Herrlichkeit).
    Zu Glauben an das, was diese junge Frau geträumt hat, bin ich aber auch nicht bereit, weil das wiederum nicht zu den Ernsthaftigkeiten der stark glaubhaften Evangeliums-Inhalte passt.
    Ganz schön blöde Situation: Beiden, der jungen Frau, die das sicher tatschlich geträumt hat und Bibel-Texten kann ich nicht glauben. Eine schreckliche Begrenztheit, die ich da aushalten muss. Noch dazu der Kommentar eines Bruders dort mit den Worten: Da kennt er einige Leute, die zuerst einen Teil der Bibel ablehnten und dann gar nicht mehr glauben konnten: Ich dachte mir: Das mag vielleicht für die anderen stimmen, aber nicht für mich. Ich werde mir den Kern der guten Sache bewahren.
    Bei der Begrenztheit meines Glaubens entdeckte ich aber auch was sehr Wertvolles: Klare Vorstellungen gehen weder ins totale juhu noch in die totale Ablehnung. Da ist eine stabile Mitte und das kann ich mir wieder auf die Fahnen schreiben und Sie/Du hoffentlich auch.

    Antworten

Kommentieren

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Manuskript / Download
Leider nicht im Griff als Manuskript-Datei runterladen

Ich habe ganz gerne alles im Griff. Das heißt, dass ich gerne weiß, was kommt, damit ich bestmöglich darauf reagieren kann. Ich bereite mich gerne vor und durchdenke gerne schon mal ein paar Situationen vorab. Sicherlich hat mir das in der Vergangenheit schon sehr geholfen, doch das Alles-im-Griff-haben stößt an seine Grenzen. Ich habe eben nicht alles im Griff, vieles entzieht sich meiner Verfügbarkeit. Gerade die großen Warum-Fragen. Warum Krebs? Warum diese Person? Warum stirbt der eine daran, der andere nicht? Warum dieses Leid? Warum dieser Unfall? Weder andere Menschen, noch die Natur kann ich im Griff haben. Vieles bleibt rätselhaft und unerklärlich, auch wenn vieles erklärbar und berechenbar ist. Das anzuerkennen und nicht als Gefahr zu sehen, sondern als gegeben und damit auch als Entlastung meiner selbst, darin hilft mir mein Glaube. Er verweist mich immer wieder darauf, wie unergründlich diese Welt, ja das ganze Weltall am Ende ist, aber auch darauf, dass jeder Mensch dennoch etwas Besonderes ist. Diese Mischung im Leben hinzubekommen, ist wohl der Königsweg: Einerseits zu tun, was machbar und zu verantworten ist, und sich andererseits nicht darin zu verkämpfen, was nicht in meiner Macht steht, und die Begrenztheit des Lebens anzuerkennen.