Schluss mit Spiegel
Nichts dass Spiegel und Waage lügen würden, aber ob wichtig ist, was sie sagen, entscheiden immer noch wir.
Nichts dass Spiegel und Waage lügen würden, aber ob wichtig ist, was sie sagen, entscheiden immer noch wir.
„Ich habe weder Spiegel noch Waage in meiner Wohnung“, höre ich die Schauspielerin Nora Tschirner sagen und kann es kaum glauben. Gerade in diesem Job muss man doch wissen, wie man aussieht und rüberkommt. Aber sie sieht das offenbar anders: Alles was Waage und Spiegel mir sagen, stimmt ja. Aber dass es wichtig ist, das stimmt nicht, meint sie. Und deshalb will sie diese Infos auch nicht haben. Das wäre mal was: Alles Spiegel abhängen, alle Waagen wegräumen. Und dann weitermachen. Ohne mir Falten wegzuoptimieren oder Kilos wegzuhungern, sondern wieder ein Gespür für mich bekommen. Nicht für mein Äußeres. Was ich brauche, was mir guttut, was mir hilft. Und dann merken: Wenn ich si mit mir umgehe, fange ich an, auch andere so zu behandeln, pfeife auf ihr Äußeres und frage nach dem, was einen Menschen wirklich ausmacht. Nach seinen Bedürfnissen, seinen Sehnsüchten, seine Fähigkeiten und dem, was ihm Freude macht.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen
Ich glaube der Schauspielerin nicht. Sie ist in dem Moment Schauspielerin.
Sie hat vielleicht eine Hilfskraft in der Garderobe, die sie schminkt oder Feedback gibt. Der Mensch braucht einen Spiegel für sein Äusseres und einen Spiegel für sein Inneres.
Nur was ist der Spiegel für mein Inneres?
Man merkt es, wenn man ein gewichtiges Thema (ich will nicht so schnell von „Problem“ sprechen) mit sich rumträgt und sich darüber alle möglichen Gedanken macht. Man merkt, dass man das Bedürfnis hat, sich mit einem verständigen Menschen zu unterhalten darüber und zu wissen, was dieser Mensch darüber denkt – oder von mir denkt, wenn ich so denke, wie ich denke.
Interessant ist auch, den sog. Spiegel auch einmal zu wechseln oder 2 Spiegel zu verwenden.
Ein Bekannter betrog seine Freundin (Ausgangspunkt des Gesprächs), Betrogene denkt.
Ich sprach mit der Freundin (Betrogene) zu dritt und mit einer anderen Frau (ebenfalls Spiegel), wir waren zu dritt.
Ich sagte: „Vielleicht wollte er im Unterbewusstsein weg von Dir (von Dir als Betrogene).“
Die andere Frau sagte: „Vielleicht solltest Du Dir doch einen gläubigen Mann suchen und das was ich gesagt hab, sei gar nicht gut.“
Ich dachte: Au weia, was ist das nun für ein anderer Spiegel.
Zuerst läuten die Warnglocken bei mir, weil im Argument des anderen Spiegels ein Logikfehler drin ist: Der Betrüger ist nicht gut für die Betrogene, aber sagen soll man es ihr nicht. Der andere Spiegel achtet auf sich selbst: Sie sagt nichts, was sie selbst in ihrer Position als „gute Christin“ deplatziert – Eigennutz im Beratungs-Gespräch.
So ist es oft eine grosse Kunst, jemanden zu finden, der Dich fair wiederspiegelt. Leute, die das gut machen, nennt man Freunde. Es gibt in den Sprüchen ganz viele Verse, die das Wertvolle an einem Freund hervorheben (Freund im Sinne von gleichgeschlechtlichem Freund oder eine Freundschaft, die schon magisch seit dem Sandkasten-Spielen besteht). Unter Christen echte Freunde zu finden, ist auch eine Aufgabe. Die Sollvorgaben sind bekannt, doch ob das Wesen schon zu diesen feinen göttlichen Eigenschaften passt?