Eine kleine Weile
Das Leben ist nicht Anfang und Ende, sondern Ende und Anfang. Das meint der heutige Sonntag Jubilate. Doch zwischen alle dem liegt noch eine kleine Weile, die ausgehalten werden will. Wie Jesus das sieht? Wir hören davon.
Das Leben ist nicht Anfang und Ende, sondern Ende und Anfang. Das meint der heutige Sonntag Jubilate. Doch zwischen alle dem liegt noch eine kleine Weile, die ausgehalten werden will. Wie Jesus das sieht? Wir hören davon.
Ein Text voller Wiederholung. Voller Traurigkeit, Abschied und Schmerz. Und ein Text, der die Gedanken wegführen möchte davon, hin zu den Tagen, die dann wieder voll Freude sein werden.
Beim Hören dieses Textes bleibt bei mir hängen: Noch eine kleine Weile.
Eine kleine Weile.
Das hört sich nach Geduld haben, nach Durchhalten an. Ihr seid jetzt traurig, aber nach einer kleinen Weile werdet ihr wieder fröhlich sein.
Der Text ist ein Text, der eine Szene des Zusammenseins zwischen Jesus und seinen Freunden noch vor dem Passahfest, also vor der Festnahme Jesu, seiner Hinrichtung und Auferstehung schildert. Er ist den sogenannten Abschiedsreden Jesu entnommen.
Jesus versucht die Freunde darauf vorzubereiten, was kommen wird. Erst Abschied, Trauer und Schmerz und dann Freude über die Auferstehung.
Im Prinzip könnte der Text aber auch ein Text sein, der eine Begegnung zwischen Jesus und den Freunden nach der Auferstehung schildert, denn auch da kommt es wieder zu einem Abschied. Jesus der Auferstandene bleibt nicht leibhaftig bei ihnen, sondern geht zu seinem Vater. Wieder Abschied und der Verweis, dass auch nach diesem Abschied wieder Freude kommen wird. Weil es Pfingsten wird. Gott eine besondere Kraft schicken wird, die das Leben völlig verändern kann. Neu macht.
Immer wieder Abschied. Immer wieder Trauer. Und noch eine kleine Weile. Dann wird sie zurückkommen die Freude.
Das ist unser Text. Und das ist vielleicht der Text des Lebens.
Unsere Lebensgeschichten sind Geschichten des Abschieds und des Neuanfangs. Der Trauer und der Freude. Des Loslassens und des Neufindens.
Viele kleine und große Abschiede machen das Leben aus. Abschied vom Kindergarten und ein Neuanfang in der Schule. Abschied von dem Haus, das jahrzehntelang das Zuhause war und Neuanfang in der Wohnung mit Aufzug, nah bei den Kindern. Abschied von Menschen und lernen, wie es ist, ohne sie zu leben. Ich merke, dass das alles das Leben ist, mich das aber schmerzt. Mich schmerzen die Abschiede, auch wenn ich weiß, dass sie unvermeidbar sind und dazugehören. Abschied nehmen tut weh. Da ist Trauer. Selbst dann, wenn ich weiß, dass dieser Abschied dran war. Denn manchen Abschied führe ich bewusst herbei, weil ich weiß, dass zum Beispiel das Festhalten an einer unguten Beziehung auf die Dauer nicht gesund ist und ich diese Trennung brauche. Dennoch: es tut weh.
Noch eine kleine Weile. Das Leben besteht aus vielen kleinen Weilen.
Aus Zeiten nach dem Abschied und dem Schmerz. Aus Zeiten, die sich noch nicht wirklich gut und richtig anfühlen. Die noch keinen Hinweis darauf geben, dass es auch mal wieder anders wird. Ich wieder lachen, unbeschwert sein kann. Den Kopf wieder frei habe und bereit für Neues bin.
Eine kleine Weile.
Wie Jesus, komme ich da durch?
Du willst mir Mut machen, Jesus, mit deinen Worten. Willst mir sagen, dass du weißt, dass ich manchmal sehr sehr traurig bin. Willst mir sagen, dass das aber nicht das Ende ist, dass Abschied, Trauer und Schmerz nicht das letzte Wort haben.
Du sagst es mir, damit ich Mut und Hoffnung habe in diesen Zeiten und lerne, deinen Worten zu vertrauen. Auch Mut habe, um immer wieder aufzubrechen. Abschiede und Trennungen annehmen oder sie sogar bewusst herbeiführen kann, weil ich weiß, dass es nur so geht in meinem Leben.
Jesus sieht es, weiß es und sagt damit zugleich: So ist das im Leben. Ich kann dir das nicht ersparen. Nicht die Trauer und auch nicht diese kleine Weile, die sich vielleicht wie Stillstand anfühlt.
Nein, ersparen kann sie uns Jesus nicht, aber er versucht seinen Freunden durch ein Bild zu zeigen, dass dieser Zustand nicht für immer so sein wird. Er erinnert an die Schmerzen einer Frau, die ein Kind zur Welt bringt. Wenn das Kind da ist, dann ist da Freude. Der Schmerz vielleicht nicht vergessen, aber die Freude lässt ihn erträglicher werden.
Ich weiß nicht, was mein Leben noch bringen wird. Welche Abschiede noch kommen und welche Neuanfänge auf mich warten. Aber es wird sie geben und mit ihnen viele kleine Weilen, die durchgestanden werden wollen.
Wenn ich heute diesen Text höre aus den Abschiedsreden Jesu, dann denke ich, dass Jesus mir wieder und wieder sagen möchte: Erinnere dich an Karfreitag, Karsamstag und das Osterfest. Das ist das Brennglas des Lebens.
Jesus will mir Mut machen der Auferstehung zu vertrauen. Dieser Freude, die am Ende alles menschlichen Leidens steht. Das ist die Schablone, die auch für die vielen anderen kleinen und großen Abschiede im Leben gilt: es wird wieder anders werden. Nein, nicht so wie es einmal war. Manchmal wird es besser werden, weil ein neues, verändertes, aber gutes Leben auf mich wartet. Manchmal wird es schwer sein, neue Wege gehen zu müssen. Manchmal werde ich Angst haben, dass ich nie mehr glücklich sein kann. Dann will mich Jesus erinnern: eine kleine Weile. Wie auch immer, die Freude wird zurückkommen. Und in dieser kleinen Weile, da will ich mich an Jesus halten. Schritt für Schritt nach vorne gehen. Auch wenn ich sie noch nicht sehen kann, will ich Jesu Worten trauen und der Freude entgegengehen. Ob ich heute schon jubeln kann – vielleicht nicht, aber ich bin auf dem Weg! Eine kleine Weile – und Jesus geht mit, weil er den Weg kennt. An ihn darf ich mich halten, von ihm darf Kraft erbitten, von ihm mich beschenken lassen mit einem Neuanfang – nach einer kleinen Weile.
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