Enttäuscht? Gut so!
Warum es gut sein kann, eine Enttäuschung zu erleben, das erfahren Sie heute bei uns. Bevor wir uns an Palmsonntag anhören, wie das ist mit Erwartungen und Enttäuschungen, beten wir mit einem Menschen, der leidet.
Warum es gut sein kann, eine Enttäuschung zu erleben, das erfahren Sie heute bei uns. Bevor wir uns an Palmsonntag anhören, wie das ist mit Erwartungen und Enttäuschungen, beten wir mit einem Menschen, der leidet.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als Kind überrascht worden bin. An Geburtstagen. An Heiligabend. An Festtagen.
Mit den Geschenken, die ich von meinen Eltern bekommen habe. Von Freunden und Verwandten. Selten war in der Verpackung das drin, was ich vorher vermutet habe. Ich hatte aber auch nie große Erwartungen. Es musste nicht das neueste Spielzeug oder die schicksten Klamotten sein. Ich habe mich immer überraschen lassen und war sehr glücklich mit dem, was ich bekommen habe.
Doch es gibt im Leben auch die andere Erfahrung:
Ich wünsche, ich erbete mit etwas. Und dann kommt es anders. Nicht das richtige Geschenk bekommen? Vielleicht auch gar keins?
Was bleibt ist die Enttäuschung. War das, was ich mir gewünscht habe etwa zu viel verlangt? Oder warum bekomme ich nicht einfach das, was ich mir erhofft habe?
Als Kind das „richtige“ Spielzeug von den Eltern, als Jugendlicher die schicken Marken-Klamotten, als junger Erwachsener den richtigen Job und das passende Auto?
Oder abgesehen von den materiellen Dingen:
Wie schaut es mit der Enttäuschung in Bezug auf Beziehungen aus? Eine kaputte Freundschaft. Eine geschiedene Ehe. All die mit der Beziehung verbundenen Hoffnungen und Träume sind begraben.
Enttäuschungen schmerzen. Machen wütend. Traurig. Verletzlich. Manchmal führen diese Enttäuschungen dazu, von Gott enttäuscht zu sein.
Da habe ich für meinen kranken Vater gebetet; für einen guten Freund, dass er eine neue Arbeit findet und und und – und Gott hat nichts getan. Ich habe auf Gott gehofft, ihm vertraut, aber es ist nichts passiert. Es gab keine Hilfe.
Auch mir ist die Enttäuschung gegenüber Gott nicht fremd.
In manchen Gesprächen, wenn Menschen mir ihr Herz ausschütten und sagen: „Ich habe gebetet und bin ganz sicher, dass Gott mir helfen wird.“, dann hoffe ich sehr, dass sie nicht enttäuscht werden. Weil ich Angst haben, dass sie damit nicht umgehen können, wenn die Hilfe, die sie erbeten haben aus bleibt.
Die Hilfe Gottes erhofften sich auch die Juden zur Zeit Jesu.
Sie hofften, dass Gott durch seinen gesandten Messias das Volk Israel von der Unterdrückung durch die Römer befreit, dass er Frieden und Gerechtigkeit für alle bringt, dass er Menschen gesund macht und jedes Leid beseitigt. Viele, die Jesus von Nazareth bei seinem Einzug in Jerusalem zujubelten, „Hosianna“ riefen und Palmenzweige vor ihn hingeworfen haben, sahen einen solchen Retter in ihm.
Und sie hoffen nicht zu Unrecht, denn Jesus, hatte seine Macht an vielen Stellen gezeigt, den Freund Lazarus von den Toten auferweckt und viele Kranke geheilt.
Doch ihre finale Hoffnung auf den kompletten Frieden und allumfassende Gerechtigkeit in ihrem Land wurde enttäuscht.
Jesus lässt sich wehrlos gefangen nehmen, anspucken, verspotten, schlagen und töten. Petrus will Jesus mit Macht verteidigen und zieht das Schwert, aber Jesus will das nicht. Judas will Jesus unter Druck setzen. Er denkt: Wenn ich Jesus verrate, dann wird er endlich zeigen, was in ihm steckt, was er kann. Aber Jesus wehrt sich nicht. Was für eine Enttäuschung und was für eine Blamage? Sie hatten sich zu Jesus gehalten, hatten ihm zugejubelt, ihm geglaubt, Und wie stehen sie jetzt da? Die anderen machen sich lustig über sie, verspotten sie.
Und noch schlimmer: Die Freunde Jesu müssen befürchten, dass sie von derselben Staatsmacht gefangen genommen werden, die ihren Freund und Meister auf grausame Weise hingerichtet hat.
Petrus ist völlig durcheinander und leugnet, ihn zu kennen. Judas ist so verzweifelt, dass er sich erhängt. Viele ziehen sich einfach zurück und wollen nichts mehr davon wissen. Sie fliehen. Und eine große Menge schreit. „Kreuzige ihn!“ Unter den Rufern vermutlich nicht wenige, die Jesus vor ein paar Tage noch zugejubelt haben.
Wenn Enttäuschung zu totaler Ablehnung führt, dann ist das gar keine Seltenheit.
Ich bin nicht nur enttäuscht, wenn der Partner, die Partnerin Seiten zeigt mit denen ich nicht gerechnet habe. Da kann zu der Enttäuschung Ablehnung hinzukommen. Oder wenn ich feststellen muss, dass eine von mir als vorbildlich befundene Person, doch nicht so vorbildlich ist, Fehler macht, Schwäche zeigt.
Enttäuscht werden ist dabei eigentlich etwas Positives, denn eine Enttäuschung befreit mich von einer Täuschung. Vorher unterlag ich einer Täuschung. Ich hatte mir von dem anderen Menschen ein Bild nach meinen Wünschen zurechtgelegt. Das passiert Verliebten häufig, „Liebe macht blind“, man sieht das, was man sehen will.
Wenn wir enttäuscht worden sind, sehen wir die Wirklichkeit, wie er oder sie wirklich ist, um im Beispiel zu bleiben. Diese Wirklichkeit trifft uns hart.
Auf Jesus und Gott übertragen heißt das: Viele Menschen machen sich ein Wunschbild von Gott, von Jesus.
Sie täuschen sich selbst, wenn sie glauben, Jesus sei da, um ihre Wünsche zu erfüllen. Das erhoffte Geschenk unter den Christbaum zu legen.
Doch genau das will Jesus nicht. Wenn Jesus mir nur hier und da meine Wünsche erfüllen würde, dann würde mein Leben sicher etwas leichter, aber es würde sich nichts grundsätzlich in meinem Leben ändern. Ich müsste weiter aus meiner eigenen Kraft heraus kämpfen, Herausforderungen bewältigen. Wenn er mich aber auf den Weg Gottes bringt, dann werde ich unzertrennlich mit ihm verbunden und kann aus der Kraft Gottes leben. Gott kommt dann in meinem Alltag an. Ist mittendrin und nicht mehr nur Adressat meiner Hoffnungen und Wünsche.
Durch Jesus kam Gott selber in die Welt, um uns den Weg zu Gott zu zeigen. Um einen neuen Zugang zu Gott zu finden.
Die Geschichte, die wir gerade gehört haben, gibt einen Hinweis auf Gottes Wesen: Jesus kommt auf einem Esel. Ein richtiger König, der seine Macht zeigen will, der kommt mit Schwert und Ausrüstung auf einem Pferd oder einem Wagen.
Jesus kommt auf einem Esel, einem Füllen, einem Jungtier, schwach, ohne Waffen, ohne Imponiergehabe. Dadurch zeigt Jesus, dass ihm nichts an der weltlichen Macht liegt. Er zeigt: Ich setze mein Anliegen nicht mit Macht durch, sondern mit Liebe, im Dienen. Ich will den Menschen dienlich sein, damit ihr Leben gelingt. So stellt sich Gott den Menschen vor. Überraschend anders. Diese Überraschung brachte Enttäuschungen mit sich, weil all das nicht den eigenen Erwartungen entsprach.
Der heutige Palmsonntag lädt dazu ein, sich von Erwartungen frei zu machen. Nicht, um einer Enttäuschung zu entgehen, sondern um offen zu sein, für neue Gedanken. Ich bin eingeladen anders zu denken. Gottes Wesen, Gottes Denke entspricht nicht dem, wie die Welt denkt. Genau das ist gut. Tut mir gut.
Ich möchte mich weiterhin von Gott überraschen lassen. Ich glaube, dass ich so immer wieder kleine und große Wunder erleben werde.
Wir wissen, wie die Geschichte von Jesus weitergegangen ist. Sie endete nicht im Leid und dem Tod. Wieder zeigte sich Gott überraschend anders.
Amen!
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