Gleich, gleicher, am…

Alle Menschen sind gleich. Mal ehrlich: Manche sind doch gleicher als die anderen? Eigentlich sollte das aber ganz anders sein und Christinnen und Christen kommt da eine besondere Rolle zu. Doch nicht etwa, weil sie gleicher wären als die anderen!

Wochenspruch – 1. Joh 5, 4c

Psalmgebet – Ps 138

Predigttext – Gal 3, 26-29

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Abitreffen. Nächste Woche ist es wieder soweit. Die Jahre sind verflogen. Selbst die, die im Heimatort verblieben sind haben selbst schon Kinder, die die gleiche Schule durchlaufen haben und selbst schon Abi gemacht haben. Doch auch nach vielen Jahren bringt uns die Schule wieder zusammen. Von nah und fern reisen wir an. Unser Elternhaus gibt es oft nicht mehr. Wir kommen, um zu sehen und zu hören, was jede und jeder so erlebt hat. Und natürlich: Um Erinnerungen auszutauschen. Weißt du noch…? Wir führen so unterschiedliche Leben. Wir waren damals alle grundverschieden und sind es heute auch noch, wenn nicht noch mehr. Aber wir kommen zusammen.

An das muss ich denken, als ich die Verse aus dem Predigttext gelesen habe. Es gibt etwas das verbindet und dann kommt man zusammen über alle Unterschiede hinweg. Über Grenzen hinweg.

Hier ist es die gemeinsame Schulzeit. Da die Familie. Dort der Sportverein. Verbunden mit Menschen, weil man eine besondere Reise zusammen gemacht hat.

Und doch ist das, was der Predigttext sagt noch mehr: Es ist ein Verbundensein über alle Unterschiede hinweg. Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe und und und – und nicht nur ein Verbundensein wird hier beschrieben, sondern auch, dass alle gleich sind. Gleichberechtigt. Gleichwürdig. Gleichgeliebt. Gleichangesehen. Und die Bezugsgröße ist Gott, wie er sich in Jesus Christus gezeigt hat. Eine Höhere Autorität geht nicht. Vor ihm sind alle gleich. Gleicher geht nicht.

Wo Menschen Unterschiede machen, stellt Gott alle gleich.

Und das IST der Unterschied: Menschen machen Unterschiede. Durch die Zeiten hindurch und immer gerne auch mal verschiedene. So war es zur Zeit unseres Briefeschreibers Paulus zum Beispiel kein Thema, dass Frauen Leitungspositionen in der christlichen Gemeinde hatten.[1] Später dann war es aus mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau, nicht nur in der Kirche. Selbst heute gibt es noch einige Ungleichheiten.

Und wenn man bedenkt, dass Paulus den Sklaven mit dem freien Menschen gleichgestellt hat, dann erstaunt das sehr, denn es dauerte fast 2000 Jahre bis die Sklaverei abgeschafft wurde. Wobei? Haben wir die Sklaverei wirklich abgeschafft?

Der Predigttext ist also herausfordernd. Herausfordernd aktuell. Er ist gar eine Mahnung an uns.

In Gott verbunden sind wir alle gleich.

Paulus hatte wohl Anlass das zu schreiben, denn es gab in der Provinz Galitien, wohin er seine Zeilen schickte, aber auch anderswo in den neu entstehenden christlichen Gemeinden, die Auffassung, dass nicht der Glaube an Gott genügt, um vor Gott bestehen zu können, sondern dass es auch der Werke braucht, vor allem der Einhaltung der jüdischen Gebote. Es braucht die Einhaltung der Speisegebote und der Beschneidung. Das war eine verbreitete Meinung unter den Judenchristen.

Damit will Paulus aufräumen. Allein der Glaube genügt.

Doch geht der Text weiter.

Paulus ist überzeugt:

Jeder Mensch hat seine eigene Identität. Jeder Mensch ist ein Unikat, aber durch den Glauben an Gott sind wir in eine neue Gemeinschaft gestellt. Gott hält das Verschiedensein der Einzelnen zusammen. Durch Gott können Grenzen überwunden werden, kann Gemeinschaft trotz Unterschiede stattfinden. Jede Identität bekommt eine christliche Identität, Paulus macht es hier an der Taufe fest, und dadurch ist möglich, was so unmöglich erscheint: Alle sind gleich und sollen deshalb auch gleichberechtigt leben.

Mit Blick in die Welt erscheint das als ziemliche Utopie.

Es sollte so sein, wie Paulus es beschreibt. Aber auch Christen dividieren sich auseinander. Oft genug.

Vielleicht ist es deshalb mehr als geboten, sich wieder auf das Gemeinsame zu besinnen und das ist Gott in Jesus Christus. Und wer an ihn glaubt, der glaubt nicht abstrakt, sondern konkret.

Glauben ist tun. Ist leben aus der Kraft Jesu. Er ist der Motor, der mich handeln lässt und zwar wie er gehandelt hat:

Jesus hat Mut gemacht.

Jesus hat Hoffnung geschenkt.

Jesus hat Angst genommen.

Jesus hat Freude zurückgebracht.

Er hat Ausgegrenzte in die Gemeinschaft zurückgeholt.

Er hat Vergebung gelebt und Neuanfänge ermöglicht.

Jesus ist hingegangen zu den Menschen. Auch dahin, wo es unbequem wurde.

Jesus hat selbst gelernt, dass es keine Unterschiede zwischen den Menschen gibt[2].

Warum sollte ich das nicht auch lernen können?

Vor ein paar Tagen habe ich im Newsletter der UMC in den USA gelesen, dass die geistlichen Leiterinnen und Leiter aufgerufen sind, in ihren Gemeinden Gebetsgemeinschaften zu gründen und zwar um für die Präsidentschaftswahlen zu beten. Aber es geht nicht darum Politik zu machen oder für den Sieg eines Kandidaten, einer Kandidatin zu beten, sondern dafür, dass die Gesellschaft sich nicht weiter spaltet; dass sich Familien darüber nicht zerstreiten, weil sie unterschiedlicher Meinung sind, dass Hatespeach nicht gesellschaftsfähig wird; dass Lügen aufgedeckt und nicht verbreitet werden. Gott ist die Liebe ist die methodische Kirche überzeugt. Jesus will, dass wir einander in Achtung, Respekt und Liebe begegnen. Dass wir versuchen Gemeinschaft zu leben und nicht Spaltung. Trotz aller Unterschiede, auch politischer Unterschiede sollen wir das immer wieder in den Blick nehmen und versuchen. Ich glaube auch, dass das Gebet dafür ein gutes Mittel ist. Nicht im Sinn von: Ändere bitte den anderen, dass er denkt, wie ich, sondern in der Bitte: Jesus, gib mir die Kraft zu lieben. Schenke mir die Kraft Menschen zu einen. Brücken zu bauen.

Noch eines ist mir an diesem Predigttext wichtig. Paulus macht eigentlich eine neue Grenze auf. Er Unterscheidet zwischen Getauften und Ungetauften. Zwischen Heiden und Christen.

Aber auch diesen Unterschied hat Gott überwunden.

Wenn Gott keine Unterschiede macht, weil er diese Welt und seine Menschen ins Leben gerufen hat, dann macht er auch darin keine Unterschiede. In seiner Weltgemeinschaft sind alle gleich. Diese Welt, Gottes Welt verbindet uns mit ihm. Durch ihn sind wir verbunden und in eine Gemeinschaft gestellt. Alle sind gleich und die Bezugsgröße ist und bleibt Gott.

Das mehr leben. Das bewusster leben. Verschiedene Lebensentwürfe und doch zusammen in eine Gemeinschaft gestellt. Diese Utopie soll keine bleiben. Arbeiten wir daran, dass sie wahr wird. Viele kleine Schritte, können viel bewirken.

 

[1] Man weiß das aus Grabschriften aus dem 1. Jhd. N.Chr.

[2] Mk 7, 28