Foto: radio m, Anja Kieser

Ich schenk dir was

Geschenke sind super! Was könnte man denn gegen Geschenke haben? Nichts, oder? Impulsgeberin Nicole Marten über Geschenke, die nicht alle wohlwollend sehen.

Wochenspruch  – Joh 3, 14b-15

Psalmgebet – Ps 69, 2-4.8-10.14.21b.22.30

Predigttext   – Mk 14, 1-9

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Ich schenke anderen sehr gerne etwas. Manchmal bringe ich einfach ein kleines Blümchen mit, wenn ich wo eingeladen bin. Manche reagieren darauf „typisch schwäbisch“: „Des wär aber ned nedig gwä!“ Zu Deutsch: Das wäre aber nicht nötig gewesen. In Norddeutschland habe ich schon oft gehört „Nicht dafür!“, wenn ich mich für etwas bedankt habe. Es ist mit Geschenken oder auch mit einem „Danke“ also nicht immer so einfach. Das Norddeutsche „nicht dafür“ drückt aus, dass es „kein großes Ding“ gewesen ist, mir zu helfen. Nicht der Rede wert, einfach selbstverständlich. Das Schwäbische „Das wäre aber nicht nötig gewesen“ ist vielleicht einfach nur ein Understatement: Ich freue mich zwar, will meine Freude aber nicht so richtig zeigen. Ähnlich vielleicht wie das schwäbische Lob der Küche: „Mr kohs essa“ – „man kanns essen“ – wenn etwas richtig gut geschmeckt hat. Und doch stört es mich manchmal, dieses „das wäre aber nicht nötig gewesen“ oder das „war ja nix Großes“.

Zugegeben, manchmal rutscht mir das auch so raus: „War ja nix Großes.“ Aber ich übe mich darin, auch mal zu sagen: „Habe ich gern gemacht.“ Ich habe es beobachtet: Das macht einen großen Unterschied. „Habe ich gern gemacht.“ Da fühlt sich mein Gegenüber angenommen und gleich viel wohler. Und die Geschenke? Geschenke einfach einmal annehmen. Mit Freude im Gesicht und einem Dankeschön auf den Lippen: Das war nicht immer einfach für mich. Es hatte auch etwas mit dem Selbstwertgefühl zu tun. Mit der Frage: Bin ich das eigentlich wert, so ein tolles Geschenk zu bekommen? Inzwischen ist das für mich keine so große Frage mehr. Ich freue mich und sage Dankeschön. Darüber freut sich dann auch mein Gegenüber.

Aber es ist nicht immer so einfach mit den Geschenken. Das zeigt auch die Geschichte von Jesus und der Frau, die seinen Kopf mit Öl benetzt. Mir fallen an dieser Geschichte viele Dinge auf. Jesus ist bei Simon, einem, der mal Lepra hatte. Vermutlich hat Jesus ihn geheilt – und ihm so die Möglichkeit gegeben, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Leprakranke waren ja isoliert, nicht umsonst werden sie auch als Aussätzige bezeichnet. Jesus ist mit seinen Freunden beim Geheilten, und sie liegen zusammen mit ihm an Tischen, um miteinander zu essen. Vielleicht ist Jesus der Ehrengast. Schließlich hat er Simon geheilt. Und dann passiert das Undenkbare. Eine Frau betritt den Raum. Die Frau mit dem Öl, sie war nicht nur nicht eingeladen, sondern das gab es in der Antike einfach nicht: Eine Frau als Gast bei einem Männermahl. Undenkbar! Mich fasziniert, wie zielstrebig diese Frau hineinplatzt in das Fest. Geht hin, sieht Jesus, öffnet das Fläschchen und schüttet das duftende, würzige Öl über seinem Kopf aus, verteilt es darauf. Sie tut damit Jesus etwas Gutes. Das ist ihr Geschenk an ihn. Dieses Geschehen ist eigentlich unerhört. Das tut man doch nicht! Diese Nähe! Und dann noch eine Frau und ein Mann, die nicht miteinander verheiratet sind! Und das erstaunt mich erneut. Denn darüber scheint sich keiner aufzuregen. Weder der Gastgeber Simon, noch die anderen Gäste.

Manche regen sich nur darüber auf, dass es sich um kostbarstes Nardenöl gehandelt hat. Ein teures Produkt, der Wert entspricht einem Jahresgehalt. Die Frau war vermutlich wohlhabend. Aber dass sie so ein Geschenk macht – das ist doch verrückt. Meinen einige. Finde ich auch! So verschwenderisch kann ich jedenfalls nicht mit meinem Geld umgehen! Die murrenden Gäste, vielleicht sind es Jünger von Jesus, sie denken noch weiter. Wie viel Gutes hätte man mit dem ganzen Geld anstellen können? Wie vielen Armen wäre geholfen gewesen! Es gibt doch so viele Dinge, die dringender sind, als Jesus Öl auf den Kopf zu gießen!

Für Jesus war das keine Frage. Er verteidigt die Frau, deren Namen wir nicht kennen. Er sagt zu den Kritikern: „Warum kritisiert ihr diese Frau? Sie hat mir etwas Gutes getan. Arme habt ihr immer bei euch. Denen könnt ihr jederzeit helfen. Aber ich werde nicht immer bei euch sein. Deshalb war es richtig, was die Frau getan hat.“ Das ist ja mal wieder typisch Jesus. Denkt irgendwie ganz anders als alle anderen. Und doch: Er weiß, was auf ihn zukommt. Ganz zu Beginn der Geschichte erfahren wir ja, was die Zeit geschlagen hat. Es ist kurz vor dem Passah-Fest. Jesus war wie ein König nach Jerusalem eingezogen, hatte Händler aus dem Tempel geworfen. Und führende Theologen gegen sich aufgebracht. Die sahen nur einen Ausweg: Diesen Aufrührer aus Galiläa umbringen. Dann hat das endlich ein Ende. Aber: Um die Ruhe nicht zu stören, soll der Mord nicht während der Festlichkeiten geschehen. Das hätte wohl einen Aufruhr gegeben. Straßenschlachten vielleicht, jedenfalls wäre das Fest verdorben gewesen.

Jesus ist nur zu bewusst, was da auf ihn zukommen wird. Er ahnt, dass sein Tod nicht nur blutig sein wird, sondern auch schweißüberströmt. Dass es schmerzhaft sein wird, quälend. Und deshalb lässt er die Frau das tun, was sie vorhat. Den Kopf, auf den einmal die Dornenkrone gedrückt wird, diesen Kopf reibt die Frau nun mit duftendem Öl ein. Öl gilt als Zeichen für Überfluss, als Zeichen für Heil und Heilung. Mit Öl wurden im Alten Israel auch Könige gesalbt. Das Hebräische Messias, Maschiach, heißt: Der Gesalbte. Jesus wird Messias genannt. Der Gesalbte Gottes. Gottes Sohn, der zu uns gekommen ist, damit wir wieder zu Gott kommen können. Für Jesus ist es also ein großes Zeichen, dass die Frau ihn mit wertvollstem Öl salbt. Eine Stärkung auf dem Weg zum Kreuz. Und eine Vorausschau auf das, was wir an Ostern feiern: Die Auferstehung. Die Frauen, die seine Leiche einbalsamieren wollen mit Öl, sie werden zu spät kommen. Denn wenn die Frauen am Grab sein werden, wird Jesus schon längst auferstanden sein. Das ist seine Bestimmung als der Gesalbte Gottes. Deshalb nimmt Jesus das Geschenk dieser namenlosen Frau nicht nur an, sondern verteidigt sie auch gegenüber den Kritikern. Und wie Jesus es gesagt hat: Wir kennen ihren Namen zwar nicht, aber wir erzählen uns immer noch davon, was sie getan hat. Jesus ist mir da ein echtes Vorbild. Er nimmt das Geschenk der Frau einfach an. Weil sie es gut mit ihm meint. Vielleicht wäre das ja auch etwas für mich? Geschenke annehmen. Nicht relativieren. Nicht kleinreden oder für unnötig erklären. Das gilt dann auch ganz besonders für das Geschenk, das Gott uns macht an Ostern: Hoffnung auf ein neues Leben. Was für ein Geschenk!