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Jesus: Wer bin ich?

Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Das hat sich nicht nur ein Popularphilosoph vor Jahren gefragt, sondern wahrscheinlich jeder mal. Jesus könnte sich das daher auch gefragt haben.

Wochenspruch – 1. Joh 3, 8b

Psalmgebet – Ps 91,1-6.9-12

Predigttext – Hebr 4, 14-16

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Das tiefe Geheimnis unseres Glaubens. Um das geht es hier: Um den Zugang zu Gott durch Jesus Christus, unseren hohepriesterlichen Mittler, wie der Hebräerbrief schreibt. Der Hebräerbrief ist an Juden, an eine jüdische Gemeinde gerichtet, daher auch der Bezug auf den Hohepriester.

 

Paulus hat diesen Hebräerbrief verfasst. Ein Mann, der nicht zu den ursprünglichen Jüngern und Jüngerinnen Jesu gehört, sondern erst nach Jesu Tod und Auferstehung zum Glauben an ihn und durch ihn zu Gott gefunden hat. Paulus ein Mann, der manchmal an sich selbst litt, gerade auch, weil er körperliche Einschränkungen hatte, Schmerzen, die ihn plagten. Paulus also ganz Mensch dieser Welt, mit all ihren Anforderungen, Herausforderungen und Schwächen.  Und doch: Seine Worte sprechen von einer unvorstellbaren Nähe zu Gott, die er nur durch Jesus Christus erfährt und mit denen er seinen Lesern Mut machen will. Oder mehr noch:  Paulus zeigt uns einen Weg durch Jesus Gott zu erfahren. Er eröffnet einen Weg, dass wir frei und ohne Scheu vor den Thron Gottes treten dürfen. In Vers 14 schreibt Paulus: „Da wir nun einen großen Hohepriester haben, der durch den Himmel gegangen ist, Jesus, den Sohn Gottes, wollen wir am Bekenntnis festhalten.“

 

Der Hebräerbrief erinnert an das, was Jesus Christus für die Menschen sein möchte: ein großer Hohepriester. In der jüdischen Tradition ist der Hohepriester derjenige, der im Tempel für das Volk Gott anruft, für die Sünden der Menschen Opfer darbringt und damit für die Versöhnung der Menschen mit Gott sorgt. Doch Jesus ist nicht nur ein irdischer Hohepriester, sondern – der wahre Hohepriester. Der, der durch den Himmel gegangen ist. Er ist der Sohn Gottes, der für uns am Kreuz gestorben und auferstanden ist. Er eröffnet uns damit einen neuen, lebendigen Zugang zu Gott.

 

Paulus ist davon überzeugt: Das ist wahr und wer diese Wahrheit für sich anerkennen kann, der findet einen Weg zu Gott.

 

Der Hebräerbrief betont weiter, dass Jesus uns in unseren Schwächen versteht.

In Vers 15 steht hierzu:

„Denn wir haben nicht einen Hohepriester, der nicht mit uns Mitleid haben könnte in unserer Schwachheit, sondern einen, der in allem versucht worden ist wie wir, doch ohne Sünde“ oder wie es in der Basisbibel heißt:

15Er ist kein Hohepriester,

der nicht mit unseren Schwachheiten mitleiden könnte.

Er wurde genau wie wir

in jeder Hinsicht auf die Probe gestellt.

Nur war er ohne Sünde.

 

Jesus kennt das Leben in seiner ganzen Tiefe: die Versuchungen, die Enttäuschungen, die Not, die wir als Menschen erleben, das Gefühl verraten zu werden – all die Niederungen, die ein Mensch im Leben erleben und ertragen lernen muss. Die Angst.

 

Jesus erlebte all das unschuldig. Nichts konnte ihm vorgeworfen werden. Jesus, ein Mensch vollkommen und rein und doch musste er leiden und bestialisch sterben.  Nichts ist ihm fremd. Nichts, was ein Mensch erleiden musste und erleiden muss, kann er nicht nachfühlen.

 

Diese Erkenntnis beinhaltet eine großartige Zusage: Jesus ist nicht ein fernes, unerreichbares Vorbild, sondern einer, der uns in allem versteht. In unseren Kämpfen und Herausforderungen, in den Momenten der Schwäche, dürfen wir wissen, dass Jesus nicht nur der Herr der Welt ist, sondern eben auch der, der uns in unseren täglichen Kämpfen nahe ist und uns beisteht.

 

Weiter schreibt Paulus in seinem Brief:

16Lasst uns also voller Zuversicht

vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten.

So können wir Barmherzigkeit empfangen

und Gnade finden.

Und so werden wir zur rechten Zeit Hilfe bekommen.

 

Der „Thron des gnädigen Gottes“. Was für ein wunderbares Bild! Gott, der seine Menschen liebt. Unverdiente Liebe. Einfach so. Das ist der gnädige Gott. Nicht aus eigener Kraft, keine noch so gute Tat führt mich zu Gott. Ich muss nichts bringen und leisten. Darf sein und mich von ihm lieben lassen. Der Weg zu ihm an seinen gnädigen Thron, den hat mir Jesus eröffnet, durch sein Leben, seinen Tod.

In dem Gott den Menschen, den Menschen Jesus schenkt, kommt er mit seiner ganzen Liebe zu ihnen. Auch als Zeichen dafür. Was auch immer du getan hast? Wo du dich auch schuldig gemacht hast, der Weg zu mir ist offen.

 

Gott lädt uns ein, zu ihm zu kommen. Mit unseren Schwächen und Ängsten. Mit allem, was uns belastet. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns annimmt, dass er uns nicht abweist, sondern uns in seiner Gnade begegnet.

 

Paulus will Mut machen, sich auf eine tiefe Beziehung zu Gott einzulassen.

Und Gott selbst lädt uns ein, den Kontakt zu ihm zu suchen. Im Gebet, im Singen, im Hören, in der Stille, durch andere Menschen, wie auch immer.

Glaube: Das ist, sich immer wieder neu darin gewiss machen, dass Jesus Gottes Sohn ist, der mich nach Hause bringen will. Zu Gott, der mich liebt. Jeden Tag darf ich mir darin neu gewiss werden. Jeden Tag, darf ich Jesus bitten: Lass mich deine Liebe heute spüren.

Das wünsche ich uns.

Amen