Wohin gehen wir?

Ja, das ist DIE Frage am Ewigkeitssonntag: Wohin gehen wir? Frederik Ehmke geht heute dieser Frage nach und hat dazu einen Song gehört und im 2. Petrusbrief nachgeschaut. Unser Beter, der träumt von einem Ort, an dem es keine Tränen mehr gibt. Wie schön…

1 Kommentar
Kommentare

Kommentieren

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Manuskript / Download
Wohin gehen wir? als Manuskript-Datei runterladen

Weißt du wohin wir gehen? So fragt die Popsängerin Christina Stürmer in einem gleichnamigen Song. Es geht um nicht weniger, als die Frage aller Fragen, nach einem Leben nach dem Tod. Und wie es dort wohl aussehen wird?

„Weißt du wohin wir gehen? Wenn unser Licht erlischt? Was wird mit uns geschehen, wenn die letzte Nacht anbricht? Gibt es die andere Welt, wo die Zeit nicht mehr verrinnt, wo wir alle Kinder sind?“

Mich machen diese Zeilen nachdenklich. Weiß ich es?

Es kann natürlich sein, dass es einem gläubigen Menschen so ergeht, wie es dem biblischen Verfasser des Petrusbriefes gegangen sein muss. Er vertraut fest auf die Zusage Gottes, dass es ein ewiges Himmelreich geben wird.

Für Christen bekommt dieses Himmelreich durch das Leben, Sterben und die Auferstehung Jesu Christi nochmal eine ganze andere Perspektive. Seit Christi Tod und Auferstehung gibt es Hoffnung auf eine neue Zukunft.

Der Schreiber des zweiten Petrusbriefes, wahrscheinlich nicht der Apostel Petrus, beschreibt, wie es sein wird, wenn diese Erde nicht mehr ist, sondern Gott selbst kommt, um sein neues Reich aufzubauen. Hier wird die Wiederkunft Christi ganz konkret erwartet und beschrieben. Ein neuer Himmel. Eine neue Erde. Kennzeichen des Neuen: hier wird Gerechtigkeit wohnen. Hier wird vollkommen, was jetzt unvollkommen ist und scheint.

Diese Zeilen können aber nicht nur als die Hoffnung auf das Wiederkommen Jesu gelesen werden, sondern auch als eine Beschreibung dessen, was uns nach dem Tod erwartet: Ein ewiges Reich ganz anderer Qualität, als das, was uns heute, hier und jetzt bekannt ist.

Und es wird auch beschrieben, vielleicht weil es der Verfasser des Briefes selbst erlebt hat, dass es Menschen gibt, die dies nicht für möglich halten. Nein, sie können das nicht glauben, sie streiten es ab und mehr noch, sie verspotten die, die daran glauben.

Menschen, die nicht so nachdenklich Fragen nachdem, was kommen wird, wie es die Sängerin  Christina Stürmer aus Österreich besungen hat. Es sind die sogenannten „Spötter“, die den Glauben an die himmlische Ewigkeit als Wunschträumerei abtun. Doch nicht allein die Frage nach diesem besungenen Ort ist Gegenstand des Spotts, sondern auch Jesus, als der Auferstandene selbst.

Der Schreiber gibt Antwort auf Christinas Stürmer Frage und wird verlacht. Lache ich auch über diese Antwort?

Nein, aber ich kann verstehen, dass für viele Menschen dieser Text erstmal keine befriedigende Antwort ist.

Der tote Jesus wird wiederkommen und mit ihm ein neuer Himmel und eine neue Erde? Wie soll das gehen? Wann? Es sind schon 2000 Jahre um. Klingt gut, neuer Himmel und neue Erde, Gottes Gerechtigkeit und konkret? Wahrscheinlich wird es auch nicht zu meinen Lebzeiten zur einer Wiederkunft Jesu auf Erden geben?

Kann dieser Text Antwort auf mein Ringen mit dem Tod und dieser Welt sein?

Antwort auf meine Frage nach dem Ort, wohin ich gehe?

Ich denke schon.

Der Text rüttelt mich auf. Auch ich denke nicht gerne über den Tod nach oder wie es sein wird, wenn Jesus wiederkommen sollte. Ich denke nach, wie es bei mir beruflich läuft, in meiner Beziehung, wie ich die nächste Woche wuppe mit all den Terminen. Ich mache mir Sorgen über die Menschen, die flüchten müssen. Alles verlieren. Wie das in Israel und Gaza weitergehen soll und ob es je ein Ende des Kriegs in der Ukraine gibt.

Was ich da im Petrusbrief lese, das ist so fern von meinem Leben. Ich kann verstehen, dass die Menschen spotten.  Doch seine Worte sind mir Hilfe. Sie verweisen einerseits auf eine Zukunft, die all das nicht mehr kennt, was mich heute umtreibt und gefangen hält und andererseits helfen sie mir mein Leben heute schon anders zu leben.

Der Text weißt auf etwas ganz Entscheidendes hin:

Wir wissen nicht, wann Jesus kommt. Wir wissen nicht, wann wir sterben müssen. Und der Verfasser des Petrusbriefes sagt, es geht gar nicht darum, die Zeit zu wissen. Gott hat ohnedies ganz andere Maßstäbe. Für ihn sind tausend Jahre wie ein Tag, und auch das ist nicht als Zeitangabe gemeint. Bei Gott gibt es keine Zeiträume, die sich mit Uhren und Kalendern messen lässt. Seit dem ersten Osterfest ist allerdings eine neue Zeit angebrochen in dieser Welt, nämlich die Zeit, in der die Menschen nach dem Vorbild Jesu leben können und eine neue Hoffnung bekommen haben, an die sie sich halten dürfen. Es gibt Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod bei Gott.

Diese Perspektive verändert mein Leben.

Wir haben eine Zukunft bei Gott und bei Gott gelten nicht nur andere Maßstäbe, sondern dort wird es grundlegend anders zugehen. Mein Leben soll daher davon bestimmt sein von dieser Hoffnung, dass dieser Ort kommt, mit meinem Tod und für die ganze Welt dann, wenn Jesus wiederkommen wird.

Was wird, so war die Ausgangsfrage, aus mir, aus den Verstorbenen, aus der Welt. Weißt du wohin wir gehen? Ich habe keine Koordinaten für diesen Ort, aber ich habe ein Bild davon bekommen, durch diesen Text aus dem Petrusbrief. Das Bild von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Ich habe aber auch die Vorstellung bekommen, dass dieses Bild nicht nur eine zukünftige Vertröstung ist, sondern Teil meines heutigen Lebens. Es kann mir die Angst vor der Zukunft nehmen. Und es kann mir Mut machen schon heute nach diesem Bild mein Leben zu gestalten. Es bleibt damit kein unbekannter Ort, an den ich gehen werde, sondern dort, wo Gottes Gerechtigkeit schon heute sichtbar wird, da kann ich ihn erkennen. In den Momenten, in denen sich meine unheile Welt ein kleines bisschen heil anfühlt, da bin ich schon heute an diesem Ort. Immer dann, wenn Liebe sich verschenkt. Wenn bedingungslos geliebt wird und Leben geteilt wird, damit andere leben können. Immer dann bin ich an diesem Ort. Immer dann, wenn ich spüre, dass zwischen Himmel und Erde eine Hand ist, die mich hält. Immer dann bin ich an diesem Ort.

„Weißt du wohin wir gehen? Wenn unser Licht erlischt? Was wird mit uns geschehen, wenn die letzte Nacht anbricht? Gibt es die andere Welt, wo die Zeit nicht mehr verrinnt, wo wir alle Kinder sind?“

Ja, es gibt diesen Ort. Gott hat ihn mir versprochen. Er leuchtet ab und an auf und er wird sich in seiner ganzen Herrlichkeit zeigen, wenn meine Zeit gekommen ist.

Amen