Kissen für besseren Schlaf

Es soll Menschen geben, die können immer schlafen und dazu noch gut. Ein ungestörter Schlaf ist wunderbar. Bei uns gibt es heute Tipps für einen ruhigen Schlaf.

Wochenspruch – Ps 66, 5

Psalmgebet –Ps 107,1-2.23-32

Predigttext – Mk 4, 35-41

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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An meinem Kühlschrank hängt eine gelbe Karte. Auf hier sind einige weiße Punkte zu sehen. Sie heben sich sogar ein bisschen vom Papier ab. Die Punkte gehören zur Blindenschrift. Wenn man die Karte umdreht, dann steht dort: „Konnten Sie es lesen?“ Und dann steht noch da: „Nicht immer sichtbar. Doch immer da.“ Dann folgt die Übersetzung in Schreibschrift: „Jesus.“

Mit ein paar weißen Punkten und zwei kurzen Sätzen ist alles gesagt: Jesus ist immer da. Diese Worte auf der Karte passen sehr gut zum heutigen Bibeltext. Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem See Genezareth und sie geraten in einen gewaltigen Sturm. Drohen unterzugehen: Ich kann gut nachempfinden, was die Jünger gefühlt haben. Damals, auf dem See, mitten im Sturm. Auf einem Holzboot, dem Sturm und den Wellen ausgeliefert. Ohnmächtig. Hilflos. Voll von Angst. Plötzlich schwimmen alle Sicherheiten weg. Nichts ist mehr da zum Festhalten. Manche erleben genau das in diesen Tagen. Auch bei uns. Die politische Lage ist angespannt und unklar. Dazu erleben Menschen Gewalt. Haben Angst und fühlen eine gewisse Ohnmacht. Manche fühlen sich verlassen.

 »Lehrer! Macht es dir nichts aus, dass wir untergehen?«, fragen die Jünger vorwurfsvoll.

 

„Gott, ist es dir egal, wie es mir geht? Warum tust du nichts?”, habe ich auch schon gefragt, wenn ich nicht mehr weiter wusste.

“Ich bin krank, ich kämpfe schon so lange mit dieser Krankheit, ich habe schon so viele Gebete gesprochen. Aber es passiert kein Wunder! Gott, wo bist du?”

Und die schlimmen Nachrichten von Krieg, Terror und Gewalt, sie reißen einfach nicht ab.

Die einen klagen, andere erstarren wie die Jünger neben Jesus. Wahrscheinlich klammern ihre Hände sich fest, die Augen aufgerissen vor Schreck und Angst. Angst lähmt jeden Gedanken.

 

Wieder andere krempeln die Ärmel hoch, kämpfen mit hochrotem Gesicht, versuchen zu retten was zu retten ist. Aber wie lange halten sie das durch?

Wenige Meter weiter völlige Ruhe: Ein entspannter Mensch. Jesus im Tiefschlaf. Als ginge ihn das alles nichts an, wiegt er mit den Wellen. Atmet langsam ein und aus. Strahlt einen großen Frieden aus. In eigenartigem Kontrast zu den Menschen, denen die Wellen den Boden unter den Füßen wegziehen.

 

Ich sehe vor mir die Zeichnungen in meiner Kinderbibel oder an den Wänden und Glasfenstern in den großen Kirchen, in der Kunst: Jesus ganz ruhig und um ihn herum tobt das Meer. Die verzweifelten Menschen auf der einen und der schlafende Jesus auf der anderen Seite.

Was für ein Bild: Jesus schläft. Entspannt wie ein Kind, in einer Nussschale von Boot, allein.

Warum schläft Jesus? Weil es ihn nicht interessiert? Dann wäre die Geschichte wohl kaum so aufgeschrieben worden.

 

Weil er so sicher ist. Sicher, dass Gott bei ihm ist.

Weil er den Frieden in sich trägt, der höher ist als alle Vernunft.

Weil er weiß, dass ihn nichts trennen kann von der Liebe Gottes, weder Hohes noch Tiefes, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges. Und noch nicht einmal der Tod.

Nichts kann ihn trennen von der Liebe Gottes.

 

Beneidenswert. Und irgendwie kommt das in der Geschichte von der Sturmstillung zu kurz: Dieses entspannte Schlafen, obwohl der Sturm tobt, obwohl ihn doch die Verzweiflung und das Schreien der Menschen längst hätte aufwecken müssen.

 

Jesus Verhalten erinnert mich an etwas aus meiner Kindheit: Wenn ich abends unruhig war, nicht in den Schlag gekommen bin, mich hin und her gewälzt habe, dann hat sich meine Mutter zu mir gelegt. Mich in den Arm genommen. Ich habe ihren ruhigen Atem gehört und auch gespürt. Bin selbst ruhig geworden und konnte einschlafen.

 

In dieser Geschichte bietet mir Jesus einen Platz an seiner Seite an. So, als würde er ein weiteres Kissen neben seinem Kissen, auf dem er schläft, liegen haben.

„Leg dich neben mich, auf dieses Kissen und komm zur Ruhe“, lädt er mich ein. Ruh dich aus, entspann dich. Lass dich einladen zum Atem holen, mitten in den Wellen, die über dir zusammenschlagen. Ja, es gibt eine Zeit, in der du alles tun musst, um die Situation zu retten oder zu beherrschen. Aber es gibt auch die andere Zeit.

Sich dem schaukelnden Schiff anvertrauen und dem, der stärker ist als alle Wellen und alle Stürme, die uns begegnen.

Und dabei vielleicht spüren: Der vermeintlich schlafende Gott ist einer, bei dem ich Atem holen kann, ausruhen, Kraft schöpfen kann.

Ja, ich weiß nicht, ob ich diesem Gott, ob ich Jesus vertrauen könnte, wenn er nur schlafen würde, in der Geschichte und in meinem Leben.

Wenn dieser Jesus nicht auch schreien würde. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ – später, am Kreuz.

Beides ist mir wichtig. Auch, dass er als Mensch gelitten und geschrien hat wie jeder andere. Und deshalb unsere Angst nicht kleinredet.

Erst vor diesem Hintergrund bekommt das Bild vom schlafenden Jesus die nötige Tiefe.

Er schläft trotzdem, obwohl er die Angst kennt und das Gefühl, von Gott verlassen zu sein.

 

Und da gibt es ein zweites Kissen. Eine Einladung, sich daneben zu legen, so dass ich seine Nähe spüre und seinen Atem höre.

Seinen Atem des Friedens, der auch in mir atmen möchte.

Das ist keine Versicherung gegen die Stürme meines Lebens.

Und das heißt vielleicht nicht, dass ich es jemals schaffe, so im Frieden und Vertrauen auf Gott zu ruhen wie er.

Aber es gibt mir vielleicht das Gefühl, dass mich zwar Manches bedrohen mag, aber nichts mich wirklich zerstören kann.

Gottes Einladung steht: Dein Kissen liegt da. Für mich heißt das: Vertrauen wagen.

Niemand kann dir beweisen, dass Christus den Tod besiegt hat, dass er stärker ist

als alles, was dich bedroht. Doch wie die Blindenschrift auf der Karte an meinem Kühlschrank sagt: Jesus – nicht zusehen und doch immer dabei. Ich wünsche ihnen die spürbare Nähe Gottes und ein unerschütterliches Vertrauen in ihn, trotz und in allen Stürmen.

Amen