Licht in der Finsternis

Angekommen am Heiligabend. Wie? Das mag sehr unterschiedlich sein: kaputt und geschafft, außer Atem oder voller Erwartung? Voller Freude? Jetzt ist Zeit loszulassen und sich einzulassen, denn Gott kommt am Heiligabend mit einem besonderen Versprechen in die Welt.

Wochenspruch – Lk 2, 10b.11

Psalmgebet – Ps 96, 1-3;7-13

Predigttext – Jes 9, 1-6

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

0 Kommentare

Kommentieren

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Manuskript / Download
Licht in der Finsternis als Manuskript-Datei runterladen

Heiligabend.
Wieder einmal. Wie jedes Jahr. Der 24. Dezember. Wie immer. Mehr oder weniger unentspannt lande ich jedes Jahr an diesem Tag vor dem Weihnachtsbaum. Ich habe die freien Tage herbeigesehnt. Auszeit. Eintauchen in hoffentlich entspannte Familientage, nach viel Umtrieb in der Adventszeit. Heiligabend: Ankommen, um runterzukommen. Sehnsucht nach heiler Welt. Nach Frieden und Ruhe. Allerdings ich weiß jetzt schon: So friedlich wird es meist nicht, wie ich es mir wünsche und da draußen, vor meiner Haustür, da ist es erst recht nicht friedlich. Fröhliche Weihnachten? Bei so viel Unfrieden?
Wenn ich mir selbst zuhöre, dann werde ich einerseits melancholisch. Andererseits ärgere ich mich über mich selbst: `Es kann doch nicht sein, dass das einzige was mir zu diesem wunderbaren Abend einfällt wieder nur Unfriede, Krieg, Streit, Flüchtende und sonstige Probleme dieser Welt sind.

Und doch kann ich diese Gedanken nicht einfach abstreifen. Sie sind da. Weil so eben die Welt tickt. Ich kann das ja nicht weg reden oder einfach ausblenden.
Der Heiligabend, der die Geburt Jesu feiert, der die Größe und den Frieden Gottes herausstellt, ist eben nicht so friedlich wie ich es mir wünschen würde.

Der Heiligabend war noch nie friedlich.
In der langen Menschheitsgeschichte, seit Anbeginn der Heiligen Nacht und der Geburt des Gottessohnes, war der Heiligabend immer gepaart mit Konflikten und Trauer. So ist die Welt.

Und doch: Der Heiligabend ist heilig.
Denn etwas Besonderes geschah in dieser Nacht.

Gott selbst ist als Kind in seine eigene Schöpfung eingetreten. Vom ersten Tag an ist es Jesu Bestimmung gewesen, den Menschen die Größe und das Wesen Gottes zu zeigen.
Ihnen die Augen zu öffnen, damit sie Gottes Gegenwart in ihrem Leben wahrnehmen können und mit Gott in Beziehung kommen können.

Ein Gott zum Anfassen – im wahrsten Sinn des Wortes.
Ein Gott, der ansprechbar ist. Der wirklich mit dem Leben jedes einzelnen Menschen zu tun hat. Ein Gott, der Großes vollbringen kann und wird.

Und dennoch, bei all der Freude über dieses Ereignis und die Möglichkeiten Gott kennen zu lernen und zu erfahren, bleiben dennoch diese Gedanken, die diese heilige Nacht trüben. Kein Frieden. Kein Ende der Gewalt. Immer noch Menschen auf der Flucht.

Heiligabend: Ich sitze in meiner Kirche, ich freue mich am Krippenspiel der Kinder. Die Kerzen scheinen, die Musik ist altbekannt und vertraut, sie nimmt mich mit in dieses Wunder des Heiligabends… Und draußen vor der Kirchentür, da sind Chaos, Trauer, Wut und Hilflosigkeit. Was für ein Kontrast.

Der Prophet Jesaja, der schon lange vor dieser ersten Heiligen Nacht das Kommen des Gottessohnes voraussagte, hilft mir meine widerstreitenden Gedanken zu sortieren.

Jesaja schreibt im 9. Kapitel im ersten Vers:

„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finsteren Land, scheint es hell.“
Der Satz, der eigentlich das nun Kommende, die Größe dieses Kindes, das geboren wird, einleiten soll, der nimmt mich in diesem Jahr besonders mit.
„Das Volk das im Finstern wandelt.“
Besser kann ich es auch nicht ausdrücken.
Ob vor der Haustür oder der Kirchentür, ob in meinem Leben oder dort, wo die Schlagzeilen für die Nachrichten herkommen da tun sich kleine, aber auch größere Schatten auf, die zur Finsternis werden.

All das um mich herum, was mich beschäftigt, der Unfrieden, die Gewalt, die Hoffnungslosigkeit und auch die Ohnmacht, die das alles mit sich bringt, das ist finster.
Menschen sind mit sich selbst beschäftigt, nehmen oft wenig Rücksicht auf andere Menschen und Geschöpfe. Im Kleinen wie im Großen sorgt das für Unfrieden und Konflikte.
Mit einer heilen Welt, mit göttlichem Frieden, mit Lebensqualität, hat das nichts zu tun.

Die Menschheit wandelt in der Finsternis – und das seit Jahrtausenden.
Und dennoch: In Jesajas Worten steckt noch etwas anderes. Eben auch diese Hoffnung und diesen Frieden, den nur Gott schenken kann. Denn der Vers geht ja weiter.

„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finsteren Land, scheint es hell.“

Die Geburt Jesus, so unbedeutend sie damals im ersten Augenblick gewesen sein mag, trägt mehr in sich, als nur ein Elternglück. Da kommt Licht in die Finsternis.
Bei aller Finsternis dieser Welt, in meiner privaten kleinen Welt, aber eben auch in der großen, es gibt dennoch ein Licht. In all dem menschlich gemachten Leid dieser Welt, bin ich eben nicht allein auf mich gestellt in dieser Welt.
Besonders bewusst ist es mir geworden, als ich mal wirklich alleine war. Als ich mal allein unterwegs war, ich mich auf mich selbst verlassen musste. Oder ich mal wirklich ganz allein dastand. Keiner da, der mir beigestanden hätte.
Ich erinnere mich noch genau wie sich das anfühlt.
Ich weiß aber auch, wie sehr mir der Gedanke geholfen hat, dass Gott bei mir ist in dieser Situation. Dass er selbst in seinem Sohn Jesus größtes Leid erfahren hat, weiß, wie es mir geht und dass er jetzt für mich da sein will. Damit ich Licht in der Finsternis sehen kann. Und ich habe begriffen: Gott ist Mensch geworden, um bei mir zu sein, damit die Finsternis nicht siegt.

Dieser Glaube, aber auch dieses Verständnis zu wissen und zu spüren, dass Gott nicht ein Wesen mit erhobenem Zeigefinger ist, dass jeden meiner Fehler bestraft, sondern eben genau im Gegenteil, dass Gott auch für mich eine liebende Mutter oder ein liebender Vater ist, das hat mir damals mehr als alles andere geholfen.

Das alles zu spüren, zu erfahren, zu begreifen, zu erleben, ist nur möglich, weil Jesus, als Gottes Sohn, damals vor über 2000 Jahren in diesem Stall in Betlehem geboren wurde.

Erst Jesus hat den Menschen die Augen geöffnet, dass Gott mehr ist als nur ein Fabelwesen, das über Gut und Böse entscheidet. Dass Gott das dringende Bedürfnis hat mit jedem seiner Geschöpfe eine Beziehung zu führen. Mit allen Facetten, die eine Beziehung zueinander mit sich bringt. Mit Austausch, also im Gebet, mit Freude, mit Kummer, mit Streit. Eine lebendige Beziehung zueinander.

Gott selbst hat sich durch Jesus zugänglich gemacht in dieser Nacht in Betlehem.
Und bis heute trägt dieses Ereignis dazu bei, dass Menschen glauben können.
Das sie wissen können, sie sind nicht allein – auch wenn es das ein oder andere Mal vielleicht so scheint.

Jesaja schreibt:
„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finsteren Land, scheint es hell.“

Ja, der Heiligeabend, die Heilige Nacht, ist deshalb heilig, weil sie bei all der Dunkelheit, die wir Menschen jedes Jahr erleben, eben nicht damit endet.
Sondern, dass Gott in die Finsternis hinein, das Licht seiner Liebe offenbart hat.
In all der Dunkelheit, darf ich mich angenommen und geliebt wissen. Egal was passiert, ob ich Trauer erfahre, Hoffnungslosigkeit erlebe, oder das Leben verliere – Gott wird mit mir sein. Ich brauche keine Angst zu haben vor dem was kommt.

Gott ist kein phantastisches Wesen, keine Legende oder schöne Geschichte – Gott ist echt und wahrhaftig.
Gott ist in Jesus lebendig geworden, um Licht in die Finsternis zu bringen und dieses Licht leuchtet uns das ganze Jahr über, seit der Geburt in Betlehem. Und es wird niemals erlöschen.

Ja, der Heiligeabend 2024 ist nicht nur ein schönes Fest mit Glanz und Freude, es ist auch ein Abend an dem Menschen ganz andere Erlebnisse haben.
Und dennoch ist uns ein Licht geboren.

Jesus Christus, er hat die Türen zu diesem großen Gott geöffnet. Wir dürfen glauben, was er uns in jeder Sekunde unseres Lebens zusagt:
„Du bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn – ich gehe mit Dir, egal wohin“.

Dieses Licht scheint uns, egal wie finster es um uns herum und in uns sein mag.
Diese Erkenntnis wünsche ich allen an diesem Abend von Herzen. Gottes Licht mag deine und meine Finsternis immer wieder hell machen.
Ein fröhliches und gesegnetes Weihnachtsfest.

Amen.