Foto: radio m, Anja Kieser

Mehr Brot

Beilagentyp? Weil Beilage satt macht? Frisches Brot schmeckt einfach. Macht nur nicht dauerhaft satt. Oder doch? Impulsgeber ist Dominic Kirchner-Schmidt.

Wochenspruch   – Eph 2, 19

Psalmgebet – Ps 107, 1-9

Predigttext  – Joh 6, 30-35

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Menschen sind Suchende. Das war vor 2000 Jahren nicht anders als heute.

Damals kamen die Menschen zu Jesus – hungrig, suchend, voller Fragen.

Heute kommen auch wir mit unseren Sehnsüchten, unseren Fragen, unserem Hunger nach Leben.

Vielleicht nicht immer bewusst, vielleicht nicht immer religiös formuliert, aber die Sehnsucht bleibt:

„Was gibt meinem Leben Sinn? Was macht mich satt?“

 

Die Worte in Johannes Kapitel 6 sprechen in die Mitte, das Herz der Suche hinein.

Sie konfrontieren mich mit einer tiefen Wahrheit:

Es gibt einen Hunger, der mit keinem Brot dieser Welt gestillt werden kann – und es gibt ein Brot, das mehr ist als Nahrung. Jesus nennt sich selbst: „Ich bin das Brot des Lebens.“

 

Das heutige Bibelwort beginnt mit einer Frage an Jesus.

„Was tust du für ein Zeichen?“

Diese Frage überrascht zunächst, ja sie wirkt geradezu unverschämt:

Gerade erst hatte Jesus 5000 Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen satt gemacht!

Ein eindrucksvolles Zeichen, das sogar in allen vier Evangelien berichtet wird. Doch die Menschen wollen mehr. Sie fordern ein weiteres Wunder, ein Beweisstück, ein Zeichen des Himmels.

 

Ich kenn das. Auch ich sehne mich nach Beweisen für Gottes Gegenwart. Ich sage vielleicht nicht: „Zeig mir ein Wunder“, aber ich denke: Wenn Gott wirklich da ist, warum heilt er dann nicht? Warum verhindert er nicht das Leid? Warum greift er nicht sichtbarer ein?

 

Ich knüpfe meinen Glauben an Bedingungen. Will sehen, bevor ich glaube.

Doch Jesus dreht die Perspektive um: Nicht das Wunder steht im Zentrum, sondern die Beziehung. Er sagt: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Nicht: „Ich gebe euch Brot“, sondern: „Ich bin das Brot.“

Jesus lädt ein, nicht nach Zeichen zu jagen, sondern sich ihm selbst zuzuwenden – als Quelle des Lebens.

 

In meiner Zeit als Jugendpastor hatte ich ein Erlebnis, an das ich mich jetzt erinnere:

Ein junger Mann verlor seinen Job. Er betete, dass sich sofort eine neue Tür öffnet, aber es passierte erstmal nichts. Frustriert sagt er irgendwann zu mir: „Wenn Gott wirklich da wäre, hätte er das verhindert.“

Später, nach Wochen des Suchens und Zweifelns, fand er eine neue Anstellung – in einem sozialen Projekt, das ihn tief erfüllte – bis heute. Rückblickend erkannte er:

Nicht das schnelle Zeichen hat ihn weitergebracht, sondern das Vertrauen in den Weg, den Gott mit ihm ging.

 

In unserem Bibelwort von heute, erinnern sich die Menschen und auch Jesus daran, dass Gott dem Volk Israel, als durch die Wüste wanderte in der Hoffnung auf ein neues Land, Manna, Brot gab, als sie fast am Verhungern waren. Ein sichtbares Zeichen, dass Gott gegenwärtig ist.

 

Täglich hat Gott damals das Volk Israel mit Brot vom Himmel versorgt.

Und die Menschen, die nun vor Jesus sitzen und stehen, sie wünschen sich eine Wiederholung dieses Wunders – eine Versorgung, die sichtbar und greifbar ist.

 

Jesus aber verweist auf eine tiefere Wirklichkeit:

„Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot.“

Es geht nicht um äußere Versorgung, sondern um inneren Halt. Nicht nur um das, was auf dem Teller liegt, sondern um das, was das Herz erfüllt.

 

Jesus trifft den wahren Hunger der Menschen: den Hunger nach Sinn, nach Liebe, nach Geborgenheit, nach Leben in Fülle. Und er sagt: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Nicht ein Brot unter vielen, sondern das eine Brot, das wirklich satt macht.

 

Viele Menschen in unseren Gemeinden sind heutzutage erschöpft. Zwischen Kita, Schule, Haushalt, Job, Familie, Mitarbeit in Vereinen und Gemeinde bleibt kaum Raum für sie selbst.

Oft haben sie das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Gut wäre es in solchen Situationen wenn wir beginnen, über unser Leben nachzudenken und zu fragen: „Wofür mache ich das alles?“

Und ich bin sicher: Im Hören auf Gottes Wort werde ich neu entdecken, dass mein Wert nicht von meiner Leistung abhängt, sondern darin liegt, dass ich von Gott geliebt bin – bedingungslos.

Diese Erkenntnis wird mein Denken und meine Sicht auf mein Leben verändern.

 

Jesus sagt: „Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern.“

Das ist ein großes Versprechen – aber auch eine Einladung: zu kommen, sich ihm anzuvertrauen, ihn als Quelle des Lebens zu entdecken.

 

Zum Abschluss dieser Bibelworte sagt Jesus einen Satz zu den Zuhörenden, der mit einer der bekanntesten Zitate der Bibel geworden ist:

„Ich bin das Brot des Lebens“.

 

Mit diesem Wort macht Jesus deutlich: Er ist keine Zusatznahrung, kein religiöses Beilagenprogramm. Er ist das, was trägt, was nährt, was Leben schenkt – im Alltag, in der Krise, im Sterben und über den Tod hinaus.

 

Was bedeutet das konkret?

Es bedeutet, dass ich in Jesus jemanden habe, der mein Leben kennt – und mitgeht. Der mir nicht nur Momente des Trostes schenkt, sondern der selbst das Leben ist. Wer sich an ihn bindet, hat einen Grund, der auch in Erschütterungen trägt. Jesus verspricht nicht ein Leben ohne Not, aber ein Leben mit Sinn – getragen von seiner Liebe.

 

 

Ich wünsche mir, dass wenn ich einmal sterbe, ich spüren kann: Jesus, das Brot des Lebens hat mich satt gemacht. Dass ich spüre, ich war nie und bin auch im Sterben nicht allein. dieses Brot des Lebens kein leeres Wort ist, sondern Kraft, Trost, Halt – bis zuletzt. Daran glaube ich. Darauf hoffe ich.

 

„Wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Dieses Versprechen richtet sich nicht nur an die Starken, an die Glaubenshelden, sondern an alle: an die Zweifelnden, die Suchenden, die Fragenden. An Menschen wie du und ich.

 

Am Ende dieser Worte Jesu aus dem Johannesevangelium steht keine Aufforderung, noch mehr zu leisten, noch härter zu glauben, noch intensiver zu suchen.

Nein, am Ende steht ein einfaches Bild: Brot. Lebensnotwendig. Unverzichtbar.

Einfach – und doch kraftvoll.

 

Jesus lädt uns ein: „Komm. Iss. Lass dich sättigen. Lass dich tragen. Von mir.“

Das ist das Evangelium in einem Satz: Gott gibt sich selbst. Nicht als Theorie, sondern als Nahrung. Nicht als System, sondern als Person. Nicht als Idee, sondern als Brot.

 

Und so gilt die Einladung auch heute: In der Tiefe unseres Alltags, in den Mühen des Lebens, in unseren Ängsten, in unseren Fragen dürfen wir uns satt essen an dem, der das Brot des Lebens ist.

Amen.