Nur Platz für einen?

Frieden ist besser als Streit. Natürlich. Gerade die letzten Wochen zeigen das wieder eindrücklich. Wir hören heute von zweien, die sich trennen, um in Frieden zu leben und wir beten mit dem Beter Worte, die Gott verherrlichen. Impulsgeber ist Pastor Markus Bauder.

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Da ist nur Platz für einen.

Der Raum ist nicht groß genug für zwei. Es ist eng. Die Enge ist für beide nicht erträglich. Ich kenne das. Da liegt Unbehagen in der Luft. Die Nerven sind angespannt. Mir fehlt die Luft zum Atmen.

So war es auch bei Abram und Lot. Beide haben ein einnehmendes Wesen. Und große Unternehmen. Viele Leute und viel „Sach“, wie der Schwabe zu sagen pflegt. Ständig kommen sie sich ins Gehege, immer gibt’s Streit. Damals gings um Wasser und Weideland, heute vielleicht um Kunden oder Einfluss. Manchmal im Großen um ganze Völker. Es klappt einfach nicht, dass Armenier und Aserbeidschaner im selben Lebensraum leben. Oder Türken und Kurden. Oder es geht um Macht, Einfluss und die Entscheidungskompetenz. In einer Firma. Oder in der Politik. Selbst Kindererziehung kann zu einem Raum werden, der zu klein ist für beide Elternteile.

Manchmal ist auch eine Gemeinde zu klein.

Irgendwie schaffen es die Kontrahenten nicht, sich gegenseitig auf Augenhöhe gelten zu lassen. Oder es ist tatsächlich nicht genug Platz. Vier Fußballmannschaften auf einem Feld sind einfach zwei zuviel. Und zwei Köche in einer Küche einer zuviel. Manche Konflikte existieren, weil einfach nicht genug Raum, nicht genug Platz da ist für zwei unterschiedliche Gruppen oder Menschen.

Der Konflikt, der hier von Abram und Lot erzählt wird, ist aktuell und modern. Er kann immer dann entstehen, wenn mehr als ein Mensch oder eine Gruppe im gleichen Lebensraum leben.

Hier wird aber auch erzählt, wie zwei versuchen einen solchen  Konflikt zu lösen. Ohne, dass es auf Kosten des Einen oder Anderen geht.

Da ist Abram, der den Konflikt konkret beim Namen nennt. Er scheint damals der Größere von beiden gewesen zu sein. Also der mit mehr Vieh und Sach. Oder vielleicht auch mehr Leidensdruck.

Er hat dabei nicht nur den Konflikt benannt, sondern auch gleich noch sein Bedürfnis, sein Interesse an einer Lösung. Ohne Schuldzuweisung und ohne starre Position.

Es geht Abram nicht ums Rechthaben. Abram möchte den Konflikt lösen. Und er hat ein Ziel. Er möchte mit seinem Neffen in Frieden weiterleben.

Den Lösungsansatz, den Abram vorschlägt, bedeutet, dass beide von nun an getrennte Wege gehen. Um im Frieden miteinander zu leben. Um sich in Frieden lassen zu können. Sie trennen sich „um des Friedens willen“.

Vielleicht so wie sich die Brüder Albrecht in ihrem Konflikt aufgeteilt haben. In Aldi Nord und Aldi Süd.

Wir erkennen in dieser Geschichte, dass Trennung in bestimmten Konfliktsituationen nicht nur eine zweitbeste Lösung ist, sondern sogar hilfreich. Weil sie beiden Konfliktpartnern ein weiterleben ermöglicht. Weil sie Frieden ermöglicht.

Und den Frieden erhält. Die deutsche Redewendung „sich in Frieden lassen“ erinnert daran. Oder etwas „um des Friedens willen“ tun.

Sich „in Frieden“ „lassen“. Loslassen, trennen. Gehen lassen. In Frieden. Um des Friedens willen.

In einem Verständnis, dass man sich stehen lässt, sich auch weiter in die Augen schauen kann, miteinander reden kann, Dinge klären und bewältigen kann.

Sich in Frieden lassen.

Für mich ist die Trennung „um des Friedens willen“ keine billige Trennung. Kein fauler Kompromiss. Sondern in manchen Situationen das Gebot der Stunde oder die einzig vernünftige Lösung.

Frieden wahren und sich gegenseitig Frieden zu gewähren. Dazu waren die Brüder Adolf und Rudolf Dassler nicht bereit, die Gründer von Puma und adidas. Auch ihre beiden Firmen sind zwar erfolgreich, die Brüder aber blieben bis zum Ende zerstritten. Erst 60 Jahre nach der Gründung beider Firmen und über 30 Jahre nach dem Tod der beiden Brüder, kicken Mitarbeiter der beiden Firmen gegeneinander um eine Friedensinitiative zu unterstützen. Und reichen einander die Hand. ———

Abram überlässt Lot die Wahl, wohl wissend, dass ihm dann möglicherweise die unfruchtbareren Landesteile übrigbleiben. Das schien es ihm wert gewesen zu sein. Das war, wenn man so will, der Preis des Friedens.

In einem Konflikt Größe zeigen und eine eventuell schlechtere Lösung für einen selbst in Kauf nehmen. Um des Friedens willen.

Dazu sind heutzutage viele nicht bereit. Erb-, Familien- und Nachbarschaftsstreite sind die allerhäufigsten Rechtsfälle und überfüllen unsere Gerichtssäle. Weil es Familien und Nachbarn nicht schaffen, friedliche Lösungen für ihre Konflikte zu finden. Es ist nicht genug Platz für beide … Und sie schaffen es nicht, sich in Frieden zu lassen. Oder um des Friedens ein Opfer zu bringen oder eine schlechtere Lösung in kauf zu nehmen.

Falls sie sich aktuell in einem Konflikt befinden, der ihnen nicht genug Raum, Platz oder Einfluss ermöglicht, möchte ich an Ihren Friedenswillen appellieren. Vielleicht ist ja die Lösung von Abram und Lot auch Ihre Lösung. Und es würde helfen, sich in Frieden zu lassen. Sich in Frieden ziehen zu lassen. Um des Friedens willen. Und um Gottes Willen. Der den Frieden will. Keinen faulen Frieden. Aber eben Frieden. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.