Pizzazeit

Wir haben heute nicht die beste Pizza im Angebot, aber etwas wozu man in keinem Fall NEIN sagen kann: Zu Gottes Angebot. An Weihnachten freihaus geliefert. Es ist ein dickes, fettes JA! Impulsgeber ist Frederik Ehmke.

Wochenspruch   – Phil 4, 4.5b

Psalmgebet – Ps 102,13–14.16–18.20–23

Predigttext  – 2. Kor 1, 18-22

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Tee? Oder Kaffee? Pizza oder Pasta? – Was nimmst du? Wozu sagst du ja oder nein? Ist wohl ein   Bauchgefühl und manchmal auch ein „sowohl als auch“, praktisch je nach Stimmungslage. Am Morgen einen Kaffee zum Wachwerden und zum Nachmittag einen wärmenden Bratapfel-Tee, am Abend auf dem Adventsmarkt dann evtl. noch den guten Punsch. Heute Pizza und morgen Pasta. Wir treffen ständig Entscheidungen. Nicht nur bei so vermeintlich banalen Alltagsdingen. Es gilt auch wichtige Lebensentscheidungen zu treffen. Beispielsweise bei einem möglichen Orts- und Berufswechsel – Stadt oder Land. Bürotätigkeit oder „Außeneinsatz“. Und wenn der Freund/die Freundin in die weitere Lebensplanung mit involviert wird – Fernbeziehung oder Zusammenziehen? Status Quo oder Verlobung und Hochzeit?

Ein festes „Ja“ oder ein festes „Nein“ braucht es da oft. Mit der einen Entscheidung, entscheide ich mich auch immer gegen eine andere Option. Wofür entscheide ich mich? – Jemand, der sich schon für mich, für uns entschieden hat, ist Gott. Im 2.Korintherbrief schreibt der Apostel Paulus und wir haben das gerade gehört, dass Gott selbst nicht ein „Ja“ und „Nein“ zugleich ist. Jesus Christus ist Gottes gelebtes Ja zu jedem von uns. In dem er zu jedem ja sagt, bietet er jedem auch ein Beziehungsangebot an. Und dieses Angebot enthält: Gott möchte mit seinem Segen unser Leben begleiten und Gelingen, auch bei wegweisenden Lebensentscheidungen, schenken. Gott möchte uns Menschen spürbar nahe sein, durch das Wirken seines Geistes und in allen Entscheidungen und Herausforderungen eine innere Ruhe und Zuversicht geben.

Für Gott gibt es kein „heute habe ich keine Lust auf dich – bete morgen wieder zu mir“, kein „heute liebe ich dich nicht, aber morgen vielleicht wieder“. Seine Zusage, sein Ja zu mir, zu uns bleibt bestehen.

Und Jesus Christus, von dem Paulus erzählt und predigt, fordert seine Zuhörer und die Leser der Evangelien gleichermaßen heraus, sich klar zu positionieren: „Euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein“ (Matthäus 5,37). Gar nicht so einfach. Dabei geht es nicht um die banalen Einstiegsfragen. In Beziehungsfragen wird es schon komplizierter. Kommst du heute Abend? Vielleicht weiß ich die Antwort selber noch nicht oder ich will nicht mit einem entschiedenen „Nein“ enttäuschen oder gar verletzen. „Vielleicht“? Ich lasse mir einen Schlupfwinkel, am Ende doch bedauernd absagen zu müssen. Das „Vielleicht“ lässt bei dem Fragesteller bis zuletzt die Hoffnung, dass es am Ende auch ein „Ja“ als Entscheidung geben kann. Hinhalten. Nicht eindeutig sein. Vielleicht nicht böse gemeint, aber durchaus verletzender für den anderen, als ein klares Ja oder Nein.

Zurück zu Paulus: Paulus muss in seinem zweiten Brief an die Korinther erklären, dass er seine Zusage nicht einhalten konnte, erst nach Korinth zu kommen, bevor er nach Mazedonien reist. Es gab Gründe dafür. Er hatte eine Entscheidung getroffen und kommuniziert, die er jedoch nicht einhalten konnte. Auch das gibt es. Da muss mein Gegenüber doch Verständnis für haben, wenn ich mein Versagen schlüssig erklären kann. Aber denkste! Die Korinther sind enttäuscht, irritiert, verärgert. Gleich spielt die Frage eine Rolle, ob Paulus „seine“ Gemeinde wirklich schätzt. Und schnell wird auch darüber gesprochen, was dieses unverständliche Verhalten des Apostels für ein Licht auf seine Botschaft wirft.

Auch in unseren Gemeinden kann sich schnell eine ablehnende Haltung gegen jemanden entwickeln, womöglich sogar eine theologische Grundsatzdebatte entzünden, wo es anfänglich nur um eine persönliche Eigenart, einen Fehler, ein Versehen geht. Und wenn ich enttäuscht worden bin, dann komme ich so rasch nicht darüber hinweg.

Paulus muss gewichtige Worte wählen und schreibt nach Korinth die Zeilen, die wir gehört haben. Er sagt im Prinzip, dass sein Ja grundsätzlich kein Vielleicht ist, sondern klar ein Ja zu der Gemeinde in Korinth, auch wenn er jetzt nicht kommen kann, denn er weiß wie wichtig Eindeutigkeit ist. So wie bei Gott, der auch kein Vielleicht zu den Menschen sagt, sondern klar Ja. Das ist das Wunderbare. Das, was uns Kraft und Mut und Selbstbewusst sein geben soll.

In Christus geschieht das Ja Gottes, das Ja Gottes zu jeder und zu jedem von uns. Wir hören das. Die biblischen Geschichten erzählen es uns, die Lieder in unseren Gottesdiensten und Gemeindefeiern stimmen es an. Warum erwächst daraus oft so wenig Kraft für unser Leben? Vielleicht: Weil ich so viele Erfahrungen mit den „Vielleichts“ gemacht habe. Zu oft enttäuscht wurde. Am Ja zweifeln musste.

Mancher Mensch trägt aus diesen Erfahrungen bis ins Alter die Unsicherheit in sich, ob andere ihn so gut finden, wie er ist. Bin ich wirklich geliebt, angenommen? Kann ich mich selbst gut leiden? Bin ich angekommen in meinem Leben oder suche ich noch immer nach einem anderen Ort, einer anderen Rolle, einem anderen Glück? Wer sagt Ja zu mir? Entscheide ich mich selber jeden Tag aufs Neue ein „Ja“ zu mir selbst zu haben? Mich selbst anzunehmen, sowie ich bin.

In Christus sagt Gott ja zu mir. Ich kann herauskommen aus der warmen Höhle des Zurückgezogenseins, des sich nicht entscheiden wollen oder können. Ich bin ein Mensch, zu dem Gott ja sagt. Andere mögen in mir jemanden sehen, über den viel in allerlei Akten zu erfahren ist, dessen Daten im Internet für viele zugänglich sind, zugänglicher als ich mir das wünsche und denke.

Ich bin Nutzer, Konsument, Wähler, Sympathisant, Patient, Mitglied, Interessent, Kaffeetrinker, Teetrinker, Autofahrer, Radler. Das alles bin ich. Aber noch viel mehr und vor allem bin ich der Mensch, zu dem Gott ja sagt. Den er geschaffen hat und von dem die Bibel, das Alte Testament sagt: „Ich habe dich je und je geliebt“ (Jeremia 31,3).

Kein Vorbehalt, kein Zögern, keine Bedingung, kein Überschlagen von Leistung und Gegenleistung. Ich bin ein Ja Gottes und Gott macht mich zum Geschenk. Und du bist ganz meine Liebe und bist darin auch ein Geschenk Gottes. Gott schenkt uns einander.

Das Ja Gottes macht Menschen aus uns, die fähig sind zur Liebe. Dieses Ja zeigt uns den Nächsten, der unsere Liebe braucht. Und ebenso richtet dieses Ja den Blick auch auf uns selbst. Nächstenliebe und Selbstliebe gehören zusammen. Das weiß die alte jüdische Weisung, die Jesus aufnimmt und bekräftigt. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Du sollst dich lieben, du darfst dich gut finden und mit dir einverstanden sein, so wie du bist. Mit Körper und Seele. Für beides gut zu sorgen, muss Zeit sein. Und aufhören muss, dass ich die Schuld immer bei mir suche, dass ich mich der neuen Aufgabe, der Herausforderung nicht gewachsen sehe, dass ich mich klein rede, dass ich Entscheidungen mir nicht zutraue und sie beiseiteschiebe, oder dass die zögerliche Verneinung meines Gegenübers zu einem persönlichen Angebot mich zu sehr in meiner Identität erschüttert. Ich überlasse mich auch nicht mehr jedem dunklen Weg in die Angst. Ich kann zu mir stehen, zu meinen Stärken und Schwächen, zu meinem Erfolg und zu meinem Scheitern und damit umgehen, auch im Leben oftmals ein „Vielleicht“ oder schlussendlich „Nein“ zu hören. Ich muss nicht mehr weglaufen vor mir selber. Ich bleibe bei mir und sage trotz allem ja zu mir. Ein anderer hat das nämlich auch schon getan. Und auch zu ihm darf ich aus vollem Herzn„Ja“ sagen. Zu Gott, der mein Leben in allen zu treffenden Entscheidungen und Herausforderungen mit seinem Segen begleiten und Gelingen schenken will. In diesen Adventstagen werden überall die Weihnachtskrippen aufgebaut. Da ragt über den Rand des Holztroges die kleine Hand des Neugeborenen Christuskindes. Jesus Christus. Lasst diese kleine Hand nicht ins Leere greifen. Denn wer es mit diesem Kinde wagt, kann hoffnungsvoll und entschieden sein im Glauben an Gott und Vertrauen zu sich selbst in Jesus Christus. Sag Ja zu Gottes Angebot und nimm die Beziehung auf, Gott hat schon längst ja zu dir gesagt. Amen!