Sei einfach kein…
Philosoph Immanuel Kant, Kabarettist Erwin Pelzig und Jesus Christus haben etwas gemeinsam. Hier erfahren Sie, was es ist. Und bei Paulus auch.
Philosoph Immanuel Kant, Kabarettist Erwin Pelzig und Jesus Christus haben etwas gemeinsam. Hier erfahren Sie, was es ist. Und bei Paulus auch.
Mark Twain hat angeblich gesagt: „Die meisten Menschen haben Schwierigkeiten mit den Bibelstellen, die sie nicht verstehen. Ich für meinen Teil muss zugeben, dass mich gerade diejenigen Bibelstellen beunruhigen, die ich verstehe.“
Wahrhaftig gibt es geheimnisvollere Bibelstellen als den Text, den wir gerade gehört haben. Ich stelle mir vor, wie Paulus immer wieder den Kopf schüttelt und es dann aus ihm herausbricht: „Jetzt seid halt nett zueinander. Geht doch einfach als Menschen miteinander um, die sich gegenseitig achten. Normal eben. Nett. Fair. Anständig. Ehrlich.“ Eigentlich nix besonderes.
Die goldene Regel Jesu fällt mir ein, „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut ihr ihnen auch.“
Oder wie es Immanuel Kant in seiner Kritik der reinen Vernunft formuliert, dass das eigene Verhalten so sein sollte, dass es allgemeines Gesetz für alle werden könnte.
Der Kabarettist Erwin Pelzig hat es in einem Text auf die kernige Formulierung gebracht, dass man halt kein Arschloch sein soll.
„Irgendwann“, so sagt er, „möchte ich kein Arschloch mehr sein. Und am besten fange ich heute damit an.“
Gewiss, Paulus formuliert es ganz anders und mit vielen frommen und theologischen Begriffen. Das Leben aus dem Geist heraus. Der Geist Gottes, der frei macht und uns fähig macht zur Liebe und zur Gemeinschaft mit anderen.
Von Menschen ist die Rede, die sich zu einer Verfehlung hinreißen lassen und die man dann wieder auf den richtigen Weg bringen soll. Mit Freundlichkeit und in dem Bewusstsein, dass man auch selbst Fehler macht.
Ganz banal eigentlich: Wenn das nächste Mal in deiner Umgebung jemand einen Fehler macht, dir im Straßenverkehr die Vorfahrt nimmt, zu langsam fährt, dir als Kampfradler nicht rechtzeitig aus dem Weg geht, jemand im Büro die Unterlagen nicht rechtzeitig herbeischafft oder man beim Bürgerbüro wieder zwei Stunden warten muss, weil die es nicht schaffen, so effizient zu arbeiten, wie man selbst. Dann lehn dich zurück. Schrei nicht rum, werde nicht beleidigend, auch nicht in Gedanken, lass den anderen ihre Ehre, greif nicht zum Smartphone oder zur Tastatur, um deine geharnischte Kritik oder gar Wut und Hass loszuwerden.
Sei einfach kein Arschloch.
In der Gemeinde nicht, aber auch sonst nicht. Lebe aus dem Geist Gottes heraus.
Du bist nicht der wichtigste Mensch im Universum. Alle anderen gelten genauso viel wie du, haben dieselben Rechte und Anspruch darauf, dass man ihre Würde und Ehre achtet.
Warum muss man uns das eigentlich sagen?
Erwin Pelzig, der Kabarettist, antwortet in seinem Text: „weil einer damit anfangen muss“. Es ist nicht selbstverständlich. Es ergibt sich nicht von alleine. Es braucht eine Entscheidung, es braucht Übung darin und einen längeren Atem.
Die Stichworte im Bibeltext dazu sind „säen“ und „ernten“.
Ich kann nicht nur Radieschen-Samen säen, sondern auch Respekt oder Gerechtigkeit. Ich kann nicht nur Senf säen, sondern auch Sanftmut und Freundlichkeit.
Leider vergeht zwar die Zeit zwischen Frühjahr und Herbst manchmal recht schnell, aber wenn es um Mitmenschlichkeit geht, kann die Zeit zwischen Saat und Ernte manchmal ewig dauern. Lange Zeit sehe ich vielleicht nichts davon, dass Freundlichkeit oder Gerechtigkeit aufgehen oder gar Früchte tragen. Wer einen Baum pflanzt, pflanzt ihn für die nächste und übernächste Generation und ein afrikanisches Sprichwort sagt, dass Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht.
Die Zeit zwischen Saat und Ernte braucht Menschen, die hoffen können. Die daran glauben, dass der Geist Gottes wirkt, auch wenn ich nicht sofort etwas sehe. Braucht Menschen, die anfangen, freundlich und nett zu sein, auch wenn sie damit in ihrer Umgebung die ersten sind mögen.
Für uns Christ:innen ist diese Aufforderung mit etwas Nachdruck verbunden, aber auch mit einer großen Hoffnung. Jesus Christus ist das Vorbild für uns, wenn es um ein solches Leben, ein solches Verhalten geht. Und er sagt, dass wir, auch wenn wir im Leben eher selten für ein solches Verhalten belohnt werden, trotzdem damit den Weg Gottes, den guten Weg gehen. Dessen Qualität sich letzten Endes durchsetzen und zeigen wird. Die Saat wird aufgehen und man wird sie ernten können. Daran zu glauben kann schwer sein, weil oft so wenig in unserer Welt dafürspricht. Aber es ist Gott, der unsere diese Aussicht schenkt, und kein leeres Gerede. Spätestens in der Ewigkeit werden wir es spüren. Aber natürlich würden wir gerne schon heute oder morgen davon etwas sehen. Aber auch dann fängt es bei mir an. Deshalb will ich mich selbst zu einem solchen Leben und zu solch einer Hoffnung einladen. Und Sie natürlich auch. Amen
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Vielen Dank für den heutigen kleinen Gottesdienst.
Leider müssen wir uns das als Gemeinden sagen lassen – und ich mir auch.
Sind wir als Einzelne und als Gemeinde deshalb mitunter so wenig anziehend, weil wir diesen Galater-Text nicht beherzigen?
Gut, dass wir den Geist Gottes um Hilfe bitten dürfen!