Vom vergrabenen Kaufmann

Altbekanntes mal so ganz anders betrachten. Das ist heute dran. Es geht um Schätze und Perlen und um einen Kaufmann, der in einem Acker vergraben ist. Klingt fast nach CrimeTime. Aber nein, wir wollen zusammen Gottesdienst feiern.

Wochenspruch – Lk 12, 48

Psalmgebet – Ps 63, 2-9

Predigttext – Mt 13, 44-46

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

1 Kommentar
Kommentare
  1. Corinna Sipple
    Corinna Sipple aus Alpirsbach sagte:

    Vielen Dank für die ganz neue und andere Sicht auf diese bekannten Gleichnisse!
    Gott segne Sie!

    Antworten

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Urlaubszeit! Ich war schon weg, andere gehen noch oder sind gerade unterwegs. Es gibt ja die unterschiedlichsten Urlaubstypen: die Camper – unter ihnen gibt es wieder 100 verschiedene Typen, ob Zelt, Van, Wohnwagen oder freies Feld statt 5*Campingplatz, dann die Clubhotel-Bucher, oder die, die ein Boutiquehotel vorziehen, Ferienwohnungstypen oder Jugendherbergsliebhaber, Backpacker. Alleinreisende, Paare, Familienurlauber. Und viele sind eine Mischung aus allem! Wunderbar.

Und dann gibt es da noch einen Unterschied unter den Urlaubern: Die, die vor dem Urlaub alles genau planen müssen und die, die sich treiben lassen. „Immer der Nase nach“ gegen „ich suche diesen einen perfekten Ort und da gehe ich hin“.

Die zwei Gleichnisse vom Himmelreich, die wir gerade gehört haben, erinnern mich ein bisschen an diese Urlaubstypen. In beiden Gleichnissen geht es um das Himmelreich. Im ersten, da wird das Himmelreich mit einem Schatz im Acker verglichen. Und so ganz zufällig, so ganz ohne danach zu suchen, stolpert einer darüber und findet, was er gar nicht gesucht hat. Aber – und das ist das Erstaunliche. Es bemerkt sofort: Das ist was ganz Besonderes, was ich da gefunden habe. So besonders, dass ich alles dafür tun muss, dass dieser Schatz mir gehört. Stehlen kommt nicht in Frage, aber den Acker kaufen, auf dem der Schatz vergraben liegt, das ist das Mindeste. Ungeplant und unerwartet gefunden, was man nicht gesucht hat und anscheinend auch nicht vermisst hat, bis man es gefunden hat und dann will man es nicht mehr hergeben und missen. Ach, was kann das sei? Das Himmelreich, sagt das Gleichnis.

Doch was ist das Himmelreich?

Das Himmelreich sagt das zweite Gleichnis, das muss ich mir wie einen Kaufmann vorstellen. Ach, ehrlich? Was ist denn das für ein Vergleich?

Also das Himmelreich ist wie ein Kaufmann, der eine einzigartige Perle sucht und wenn er sie gefunden hat, dann gibt er alles, was er hat, um diese Perle zu kaufen.

Das Himmelreich ein Kaufmann? Ein vergrabener Kaufmann auf einem Acker? Und das ist der Schatz?

Kann das sein? Das klingt ja zu komisch. So komisch, dass es schon wieder richtig gut ist und zu diesem Jesus passt, der Menschen ja immer wieder gerne ein paar Rätsel aufgibt, um sie herauszulocken aus ihrem Alltagsdenken. Heute also ein vergrabener Kaufmann.

Was wäre, wenn dieser Kaufmann Jesus ist?

Was wäre, wenn er in dir eine Perle sehen würde? Eine einzigartige. Eine, die durch und durch schön ist. Die wunderbar gemacht ist. Für die es sich lohnt alles zurückzulassen, nur um dich zu bekommen? Für dich alles zu geben?

Das ist fast erschreckend. Es hat etwas Fanatisches. Doch was, wenn dieser Kauf nicht dem Besitz dient, sondern ein Freikaufen ist? Der Kaufmann kauft die Perle nicht, um des Besitzens Willen, sondern weil er möchte, dass sie nicht übersehen wird, nicht untergeht, nicht als wertlos angesehen wird, nicht beim falschen Besitzer landet. Dass sie frei ist und glänzen kann. Ein dummer Kaufmann? Keineswegs. Der Kaufmann selbst ist ja ein Schatz von unschätzbarem Wert. Ein Schatz, den ich selbst gerne haben würde. Ich weiß es nur noch nicht. Aber wenn ich auf ihn stoße, dann, ja dann, weiß ich es gleich. Das ist ein Schatz.

Also, wenn ich auf diesen Jesus stoße, dann weiß ich, dass ich ihn haben muss. Dass er für mein Leben unverzichtbar ist. Dass ich alles tun muss, damit er bei mir ist und bleibt. Ich setze alles auf ihn und kann nur gewinnen.

 

Mhhh…

Ich stelle mir vor, dass ich mit meinem Wohnmobil losfahre. Immer geradeaus. Es wird dämmrig. Ich fahre raus, such einen Platz für die Nacht. Da ist eine Lichtung. „Warum nicht?“, denke ich und halte an. Da sehe ich es: Ein kleiner Bach ist da. Klares, frisches Wasser und Heidelbeeren soweit das Auge reicht. Ich setze mich auf das moosige Gras und atme die frische Luft. Es wird Abend und die Nacht beginnt zu leuchten. Am Himmel die unzähligen Sterne und um mich herum hie und da ein Glühwürmchen. Ich habe ihn gefunden. Den Ort, an dem ich absolut zur Ruhe kommen kann. Mich geborgen fühle. Alles stimmt. Der mich einfach sein lässt. Ich habe diesen Ort gesucht und doch nicht gesucht. Er hat mich gefunden. Und als er mich gefunden hat, da habe ich gewusst: Das ist der Ort, an dem ich schon immer sein wollte.

 

Als Jesus mich gefunden hat, da wusste ich: Das ist der Ort, an dem ich immer sein wollte. Er hat mich gesucht, wie der Kaufmann die Perle und mich nicht mehr losgelassen. Was er allerdings für mich sein kann und ist, darüber bin ich irgendwann gestolpert auf meinem Lebensweg. Habe den Schatz erkannt. War offen und bereit für das, was Jesus mir sein kann. Habe gespürt, dass innere Freiheit nur über ihn führt. Dass Trost und Hoffnung letztendlich nur bei ihm zu bekommen sind. Dass niemals endende Liebe und absolute Vergebung nur er schenken kann. Dass das Leben endlich ist, aber unendlich ist bei ihm.  Jesus hatte mich schon längst gefunden. Ganz gezielt hat er gesucht, weil er mich frei machen wollte. Frei von dem, was andere wollen und meinen. Frei von Dingen und Zwängen, die mein Leben einschränken, die mich gefährden, mir nicht gut tun. Frei so zu werden, wie Gott mich gesehen hat, als ich noch nicht war. Frei zu lieben und zu leben, über den Tod hinaus.

 

Erkannt habe ich das erst, als ich zufällig ihm begegnet bin. Damals im Kindergarten, als die strenge Erzieherin auf einer grünen Filstafel immer mal wieder Figuren anklebte, um damit Geschichten von Jesus zu erzählen. Irgendwie konnten diese Geschichten in mir wachsen und haben mir immer wieder etwas von Jesu Liebe zu mir erzählt. Vor allem dann, wenn ich sie so brauchte. Wenn ich verzweifelt war, Angst hatte oder etwas passiert ist, für das ich keine Worte finden konnte außer tiefste Dankbarkeit. Das waren Momente wie Orte an denen einfach alles passt. An denen ich zur Ruhe kommen konnte. Ganz bei mir war und spürte, dass Jesus der Schatz meines Lebens ist.

Du bist die Perle, die Jesus schon gekauft hat. Und Jesus ist das Himmelreich, dass dich umgibt. Pass auf! Heute stolperst du vielleicht darüber. Dann greif zu und halte es fest.

 

Amen