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Von Gott geschenkt

1.000 mal gehört. Doch was bedeutet es eigentlich, wenn Gott seinen Segen schenkt? Gedanken heute von Pastor Markus Bauder.

Wochenspruch  – 2.Kor 13, 13

Psalmgebet – Ps 113

Predigttext   – 4.Mos 6, 22-27

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Wie oft haben Sie diese Worte schon gehört: „Der Herr segne dich und behüte dich … Der Herr lasse sein Angesicht leuchten … sei dir gnädig … schenke dir Frieden.

Oder in der etwas geschlechterneutraleren Formulierung „das Angesicht“ … „der Herr lasse das Angesicht leuchten“.

Ich habe keine Ahnung, wie oft ich diese Worte schon gehört habe. Wie oft ich diese Worte schon gesprochen habe.

Wobei ich mich da ja schon frage: Habe ich die Worte wirklich gehört? Was habe ich denn gehört? Und was habe ich da gesagt? Was sage ich, wenn ich spreche, dass Gott das Angesicht über dir leuchten lassen soll, dass er dir Frieden schenken soll?

Ich habe mit Menschen gesprochen, denen ist das Wichtigste in einem Gottesdienst tatsächlich der Segen. Diese Schlussworte in einem Gottesdienst.

„Da wird mir etwas von Gott zugesprochen“, sagen sie, „und wenn Gott etwas sagt, dann geschieht es auch. Das trägt mich. Das gibt mir Hoffnung. So kann ich in meine Woche, in meinen Alltag gehen.“

Ist das bei Dir auch so? Ich wünsche es Dir.

Heute möchte ich deshalb ein paar Impulse zum Weiterdenken in Sachen Segen mitgeben.

Segnen bedeutet „gut sprechen“. Im Lateinischen hat man zu segnen „benedicere“ gesagt. Zwei Worte: „bene“ gleich „gut“ und „dicere“ gleich „sprechen“. „Gut sprechen“ oder „Gutes zusprechen“.

Es geht also immer um etwas Gutes. Etwas, das uns guttun soll. Etwas, das uns erfüllt mit Frieden, Freude, Zuversicht, Mut.

Ich finde das wichtig und gut, dass Gott uns Gutes zusprechen will. Dass er uns Dinge sagen will, die uns Frieden schenken, Freude, Zuversicht oder Mut.

Gottes Segen weitergeben heißt also ohne falsche Gedanken einem anderen Menschen wirklich Gutes zusprechen.

Das Substantiv, das Hauptwort, „Segen“ kommt ebenfalls aus dem Lateinischen und hat mit dem Wort „Signum“ zu tun. Das bedeutet „Zeichen“. Gemeint ist, mit einem „Zeichen“ versehen zu sein. Im Hintergrund sind damit die Feldzeichen gemeint, mit denen eine Gruppe im römischen Heer bezeichnet wurde. Die hatten dann so Feldzeichen, die sie mit sich rumgetragen haben und die man schon von etwas weiter entfernt gesehen hat. Und dann wusste man – da kommt die 2. Kohorte von Stuttgart. Oder die Gruppe um den Hauptmann Kornelius. Oder so ähnlich.

Gemeint ist bei uns Christen, dass das Zeichen Gottes über unserem Leben stehen soll. Sein Angesicht. Oder das Angesicht Gottes. Für alle sichtbar und erkennbar. Diese Frau, dieser Mann steht unter dem Zeichen des lebendigen Gottes, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Das Kreuzzeichen des Pfarrers oder das Bekreuzigen in der katholischen Kirche unterstreicht dies und will in diesem Sinn ein Zeichen sein. Du selbst und alle anderen sollen sehen – der lebendige Gott ist bei dir und mit dir.

Und dann braucht Segen immer eine Vermittlung. Einen Vermittler, eine Vermittlerin. Man könnte, ebenfalls an die lateinische Sprache angelehnt, auch von einem Medium sprechen. Etwas oder jemand, der den Segen vermittelt. In unserem Bibeltext soll Aaron der Vermittler sein. Gott spricht zu Mose und dieser spricht dann zu Aaron. Und Aaron soll diesen Segen sprechen.

Wer oder was dir oder mir den Segen Gottes vermittelt – da ist die Vielfalt Gottes grenzenlos. Schon die Buchstaben der Bibel sind im Grunde Vermittler, ein Medium. Ein Wort, eine Postkarte, ein Buch, Musik, ein Bild, die Natur, eine Email, eine SMS, etwas aus der Vergangenheit oder von youtube… Segen ist unendlich vielfältig. Wichtig ist dabei nur, dass uns Gutes zugesprochen wird im Namen Gottes.

Das kann man nicht oft genug hören oder bekommen. Und ich hoffe, Du und ich bekommen segnende Worte immer wieder zugesprochen.

Einen Gedanken zur Situation in die die Worte, die in unserem Bibeltext hineingesprochen wurden: Das Volk Gottes ist aus Ägypten geflohen und befindet sich am Berg Sinai. Dort lebten die Israeliten vermutlich viele Jahre. Überschrieben ist der gesamte Abschnitt im 4. Buch Mose mit dem Begriff „Lagerordnung“. Was ist also wichtig, wenn man sich in der Wüste befindet, wenn man aufgebrochen, aber noch nicht angekommen ist. Wenn man unterwegs ist. Und da finde ich es schon wohltuend, dass es da heißt, dass Aaron und seine Nachkommen immer diese Worte sprechen sollen, mit denen Gott sich identifiziert: Du bist von Gott gesehen, behütet und beschenkt.

Mir hilft es, wenn in all den Veränderungen des Lebens Gott der ist, der nicht nur für Beständigkeit steht, sondern auch für etwas Gutes. Etwas, dass uns Mut machen, Frieden schenken und gnädig begegnen will. Egal, wie sehr du unterwegs bist, egal, wie chaotisch es gerade in deinem Leben ist oder wie sehr du dich in der Wüste wähnst: Du bist von Gott gesehen, er will dich beschenken, sein Friede soll mit dir sein und seine Gnade. Immer. Immer wieder neu. Beständig.

Und noch etwas beschäftigt mich: Was bedeutet das in dieser alten Sprache des Martin Luther eigentlich, dass Gott sein Angesicht leuchten lassen soll und mir gnädig sei. Und dann nochmal dasselbe Wort, dass Gott sein Angesicht über mich heben soll und mir Frieden schenkt.

Was ist denn Gottes Angesicht und wieso brauche ich da Gnade.

Bevor ich da einen langen Vortrag halte, stell Dir Folgendes vor: Es ist Gott, der Dich hier anschaut. Und Gott ist hier zunächst nicht vorgestellt als der freundliche Bruder oder die Schwester, die uns, einem Freund gleich, auf Augenhöhe anschaut und mit uns spricht. Nein, wir reden von Gott, dem allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde. Wir reden vom Weltenherrscher. Wir reden im Alten Testament auch von Gott, der in den Kriegen des Volkes dabei war. Wir reden von einem Licht heller als die Sonne und klarer als jedes Vergrößerungsglases. Wir reden davon, dass auch alle anderen sehen, dass das ewige Licht über uns leuchtet.

Und dieses Licht, das alles kennt und alles sieht, ist uns gnädig. Der Ewige leuchtet über uns und ist doch voller Liebe und Gnade. Nichts kann uns reißen aus dieser Liebe. Gnade wird uns zugesprochen. Egal, was gewesen ist und was noch sein wird.

Und Frieden. Der ewige Schalom. Die ewige Heimat, der Ort, an dem ich zur Ruhe kommen kann. Dort, wo wir zuhause sind und es auf ewig gut ist. Das soll uns das Angesicht des Ewigen vermitteln.

Segen: Wir sollen Gutes hören! Es soll uns Gutes und Friedvolles, es soll uns Freundliches von Gott gesagt werden. Darum geht es. Im Auftrag Gottes.

Das soll Mose Aaron sagen, das soll Aaron dem Volk sagen, das soll uns gesagt werden und das sollen wir weitergeben und weitersagen.

Und deshalb sage ich Dir es jetzt und nachher nochmal:

Gott segne dich und beschütze dich. Er lasse das Angesicht über dir leuchten wie ein Zeichen am Himmel und sei dir gnädig. Freundlich und barmherzig. Er schaue dich voll Liebe an und schenke dir Frieden…

Ich wünsche es Dir, dass diese guten Worte, vermittelt auf digitalem Wege, wo immer Du bist, durch Kopfhörer oder aus einem Lautsprecher, übertragen von der Luft, bei Dir ankommen, dass diese Worte ihre schöpferische und kreative, ihre segnende Kraft entfalten und Dich umhüllen, tragen und den ganzen Tag begleiten.