beidseitig

Für andere da sein. Das ist schön. Es ist ein schönes Gefühl, helfen zu können. Aber auch Helfer brauchen Hilfe.

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Als der Pfarrer mir bei meiner Konfirmation den Bibelvers zugesprochen hat, der mich durch mein Leben begleiten soll, da war ich enttäuscht. Ich hatte mit etwas Tragendem gerechnet. Sowas wie: „Gott wird immer bei dir sein. Bei ihm bist du geborgen oder so.“ Doch ich bekam gesagt: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Ich habe eine Aufgabe bekommen, keinen liebevollen Zuspruch.

Was weiß man mit vierzehn? Heute weiß ich, dass es einiges zu tragen gibt in einem Menschenleben und dass es gut ist, wenn Menschen da sind, die helfen, wenn einem die Last zu schwer wird. Ich war und bin gerne für andere da und denke dabei auch immer wieder an diesen Bibelvers von vor vielen Jahren. Was ich aber auch gelernt habe: Dieser Vers wurde auch mir zum Geschenk. Nicht nur ich war für andere da. Auch andere waren und sind für mich da. Haben mit mir geweint, mit mir gelacht, eingekauft, als ich meinen Arm wochenlang nicht bewegen konnte, haben nach meinen Kindern geschaut, als ich krank war und mein Mann zur Arbeit musste. Ein Menschenleben besteht eben nicht nur aus Sonnenseiten und da ist es gut, wenn man nicht allein ist. Eben: Einer trage des anderen Last.