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Als ich noch in Marburg studiert habe, stand in meinem kleinen Fünf-Quadratmeter-Reich eine Grünpflanze, eine „Strahlen-Aralie“. Nicht besonders wertvoll, aber dekorativ grün und sie hat damit ihren Zweck erfüllt, hübsch da zu stehen. Sie wuchs eindeutig der Sonne entgegen und weil sie in einer Ecke stand, wuchs sie ziemlich krumm. Sie umzudrehen, brachte nichts, ihre Blätter wurden gelb, sie verlor ihre Schönheit. Ich hätte sie woanders im Raum platzieren sollen, dann wäre sie auch nicht so krumm gewachsen. Das ist mit uns Christen nicht anders: Wir müssen an die richtige Stelle gehen, um gut zu wachsen, um als Christen authentisch, glaubwürdig und einladend unseren Glauben leben zu können. Wenn wir wie meine Strahlen-Aralie im Dunkeln bleiben, wird das nichts. Was für meine Grünpflanze die Dunkelheit war, ist für uns Christen ein Leben ohne den Geist Gottes.
Ohne den Geist Gottes bleibt es auch bei uns dunkel. Und wenn wir aus uns selbst heraus versuchen, bessere Menschen zu werden, wie Paulus das den Menschen in Ephesus erklärt, dann wird’s krumm, schief und verkrampft und verwelkt irgendwann. Aber ohne den Geist Gottes versuchen wir es vermutlich nicht einmal, so zu leben, wie Gott sich das von uns wünscht. Aber alles Krumme und Schiefe beginnt schon in uns, bevor irgendein Außenstehender es merkt. Und das ist uns vermutlich auch lieber so: Es beginnt in unseren eigenen Gedanken. Wo ertappe ich mich bei Gedanken, die nicht von Gottes Geist, also von Liebe und Friedfertigkeit, bestimmt sind? Wo gängeln mich Neid, Missgunst und Habgier? Wo ich doch weiß, dass Freigiebigkeit und ehrliche Mitfreude besser sind und auch mehr bringen? Und manchmal denke ich nicht nur in Neid und Missgunst, sondern ich handle auch so, behandle andere wie Dreck, motze sie an oder ignoriere die, die mir dumm kommen. Und dann nützt es auch nichts mehr, dass ich das nachher bereue – ich kann’s aber nicht mehr rückgängig machen. Ich denke, jeder von uns kennt solche Momente und Gedanken. Aber wie kommen wir da raus? Wie stellen wir uns so ins Licht, dass wir schön gerade wachsen und nicht krumm, schief und verkrampft wie meine Strahlen-Aralie?
Für mich ist die Sehnsucht nach Gott, nach seiner Liebe und Annahme der wichtigste Antrieb, mutig den Schritt aus dem Dunkel zu wagen, um so offen und ehrlich zu mir selbst zu werden. Und dann auch das abzulegen, was ich sonst gerne im Kellerdunkel verstecke. Ich glaube: Anfangen, ehrlich vor mir zu werden, vor meinen Fehlern nicht wegzulaufen, sondern stehenzubleiben und zu sagen, „ja, hier bin ich auf dem ganz falschen Dampfer“. Ein erster Schritt kann sein, sich von manchen Gedanken freizuschwimmen, so wie Martin Luther es mal sagte: „Ich kann nicht verhindern, dass ein Schwarm dunkler Vögel gelegentlich um meinen Kopf kreist, aber ich kann verhindern, dass sie dort sich einnisten.“
Und wie kann ich das verhindern? Wie werde ich ehrlich liebevoll, respektvoll, freigebig? „Lasst euch vom Geist Gottes erfüllen. Ermutigt einander mit Psalmen, Lieber und lobt Gott. Singt und jubelt aus tiefstem Herzen zu seiner Ehre und dankt Gott für alles im Namen Jesu Christi, unseres Herrn.“ Weder können, noch müssen wir uns selbst zu Superhelden des Glaubens machen. Wir holen das Gute nicht aus uns selbst heraus. Wir bekommen es. Gottes Geist ist sozusagen er Transporter, der es uns „liefert“. Er macht uns zu einem „völlig neuen Menschen“ – auch wenn das kein Automatismus ist! Was wir dazu tun können ist: Wir stellen uns in sein Licht. Wir wenden uns Gott zu. Wir loben Gott und sehen dadurch, was er getan hat und was er an uns getan. Und für uns. Wir schauen auf unser Leben und danken ihm für alles, das wir als sein Geschenk an uns entdecken. Und: Wir erinnern uns gegenseitig liebevoll an das, was Gott von uns will, aber eben vor allem daran, was er für uns getan hat und immer wieder tun will. Dass er uns mit seinem Geist erfüllen will. Es klingt vielleicht merkwürdig: Warum müssen wir uns gegenseitig auffordern, ins Licht zu treten, uns dahin zu begeben, wo wir beschenkt werden? Warum müssen wir uns darauf hinweisen und daran erinnern, das Gute in unserem Leben zu sehen und Gott dafür zu danken? Wo wir doch vermutlich selbst schon erlebt haben, dass uns das Danken selbst schon guttut? Vielleicht weil wir uns die dunklen Gedanken und Wünsche allzu vertraut sind und sie eine merkwürdige Anziehungskraft haben. Weil sie uns Dinge versprechen, die toll zu sei scheinen.
Da erfordert es Mut, Aufrichtigkeit und manchmal auch echte Entschlusskraft, herauszutreten ins Licht, sich Gott und auch mir zu stellen. Aber die Sehnsucht, Gott zu spüren, kann uns dabei helfen, den ersten Schritt hin zur Erneuerung zu gehen. Sich von seiner annehmenden Liebe und Gnade berührt zu lassen. Damit wir gerade wachsen und gedeihen wie eine Pflanze, die genügend Licht bekommt. Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und dass Sie im Licht Gottes merken: Sie sind geliebt, er will Sie verändern, damit ihr Leben gut wird und sie zum Segen für andere werden und zum Zeugnis seiner Liebe in dieser Welt.

© radio m











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