Ankunftszeit

Ja, wann kommt er denn? Am 24. Dezember? Wirklich? Ach, was! Da feiern wir ja nur, aber ob er wirklich kommt? Ich weiß nicht… Wie kann ich mich denn freuen, wenn ich gar nicht genau weiß, ob Jesus wirklich kommt? Wie das vielleicht doch geht – darum geht es heute. Impulsgeberin ist heute Nicole Marten.

Wochenspruch – Jes 40,3.10

Psalmgebet – Ps 85, 2-8

Predigttext – Röm 15, 4-13

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

0 Kommentare

Kommentieren

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Manuskript / Download
Ankunftszeit als Manuskript-Datei runterladen

Seit Tagen habe ich darauf gewartet. Auf den Besuch meiner Schwester. Sie war mehrere Wochen in Australien im Urlaub. Wir hatten ausgemacht, dass sie im Anschluss ein paar Tage bei mir verbringt. Wir wollten zusammen was unternehmen, Zeit miteinander verbringen. Schauen, was der Tag so bringt. Ein bisschen Urlaub machen mitten im Advent – und bei mir zu Hause. Jetzt ist sie da. Die Wochen, bis es soweit war – sie waren sehr intensiv. Auf der Arbeit gab es viel zu tun, im Freundeskreis hatte sich einiges getan. Und auch in der Politik. Trump gewählter Präsident der USA, das Ampel-Aus. Krieg in der Ukraine, in Nahost und an vielen anderen Orten. Der Klimawandel und die Sorge, dass wir es nicht hinbekommen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Hiobsbotschaften an vielen Ecken und Enden.

Manchmal waren mir die vielen schlechten Nachrichten zu viel, und ich wollte mich einfach nur verkriechen. Manchmal fühlte ich mich wie gelähmt, weil ich mich fragte: Was kann ich denn schon tun, um die Welt zu retten? Schließlich kann ich ja nicht mit den großen Politikerinnen und Politikern verhandeln oder Weltkonzerne in ihre Schranken lenken. Ich kann zwar durch das, was ich kaufe, in gewisser Weise mitbestimmen, was produziert wird, aber meine Möglichkeiten sind begrenzt.

Doch da war ja auch noch der Besuch meiner Schwester und ihr Rückflug von Australien. Sie hatte dort einen runden Geburtstag gefeiert und sich mit der Reise einen langgehegten Traum erfüllt. Und der Rest der Familie? Wir hatten schon seit Ostern geplant, dass sie zum Geburtstag von uns ein Filmchen aufs Handy geschickt bekommt. Und natürlich, dass wir sie alle am Flughafen abholen. Wir haben Geburtstagskuchen gebacken und Muffins. Wir haben eine Geburtstags-Girlande besorgt mit Kängurus drauf. In dem Dekorations-Set waren auch Fotos von Kängurus, die man in die Muffins und in den Kuchen stecken konnte. Und auch die Luftballons waren mit Kängurus verziert. Natürlich waren wir viel zu früh am Flughafen. Wir hatten alles vorbereitet. Aber es dauerte. Noch 500 Kilometer bis zur Landung. Noch 456. Noch 411. Irgendwann war der Flieger im Landeanflug. Dann war er endlich gelandet. Aber die Gepäck-Ausgabe: Sie dauerte. Gefühlte Ewigkeiten. Irgendwie mussten wir uns die Zeit vertreiben. Wir nahmen die Girlande und schwangen sie wie ein Seil. So hatten wir früher mit unseren Klassenkameradinnen Seilhüpfen gespielt, in der Pause auf dem Schulhof. Wir stellten uns in Position. Wo würde meine Schwester uns am schnellsten sehen? Wir probierten mehrere Orte aus. Und beobachteten die Leute, die von anderen Flügen aus dem Abfertigungsbereich kamen. Sie sahen uns, und ein breites Lächeln, manchmal auch ein Lachen, ging über ihre Gesichter. Manche kommentierten, was sie sahen. „How cute“ – also etwa „wie süß“, hörten wir manchmal. Manchmal auch einfach ein „Super!“ oder „Toll!“. Wie es wohl werden würde, wenn meine Schwester endlich mit ihrem Koffer aus der Abfertigungshalle heraus käme? Schon den ganzen Tag waren wir gespannt wie kleine Kinder am Morgen des 24. Dezember. Würde unser Plan, sie zu überraschen, aufgehen? Die Reaktionen der anderen Menschen am Flughafen ließ uns hoffen und steigerte unsere Vorfreude.

Hoffnung und Vorfreude. Ich gebe zu, wenn meine Schwester ihren Geburtstag ganz normal zu Hause verbracht hätte, dann wäre dieses Flughafen-Erlebnis ausgeblieben. Vielleicht hätte ich mich tatsächlich weiter versteckt und unter der Bettdecke verkrochen. Und das, obwohl Bibeltexte wie unserer heute von der Hoffnung sprechen. Wir sollen die Hoffnung nicht aufgeben heißt es darin. Die Hoffnung darauf, dass es Gott eben nicht egal ist, was mit uns Menschen passiert, was mit dieser Erde ist. Die Hoffnung darauf, dass Gott ein Gott ist, der uns erretten will, der uns erlösen will, der eine gute Zukunft mit uns vor hat. Und die Hoffnung darauf, dass er selbst zu uns kommt – in Gestalt seines Sohnes Jesus Christus. So lesen wir es auch im Wochenspruch für den Dritten Advent: „Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.“ Bereitet dem Herrn den Weg. Bereitet euch vor. Rechnet damit, dass Gott kommt. In eure Mitte. Dass er euch besucht. Nicht um wieder zu gehen, sondern um zu bleiben. Dass er in euren Herzen wohnen will.

Wenn ich das so lese, dann merke ich: Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Vorfreude darauf, dass meine Schwester wiederkommt – und der Freude darauf, dass Jesus Christus wiederkommt. Meine Familie und ich wussten natürlich ganz genau, an welchem Tag der Flieger landet. Und auch, welche Uhrzeit dafür geplant war. Wir konnten uns also ganz gezielt auf diesen Tag, auf diese Stunde vorbereiten. Unsere Vorfreude hatte ein klares Ziel, einen klaren Endpunkt. Mit dem Wiederkommen Jesu auf diese Erde ist es eine etwas andere Sache. Es gibt keine feste Uhrzeit, kein Datum, das er irgendwann einmal bekannt gegeben hätte. Im Laufe der vielen Jahrhunderte haben immer wieder Menschen versucht, einen Termin dafür auszurechnen. Doch sie sind damit gescheitert. Der berechnete Tag, die Stunde kamen, aber das Erscheinen des Retters Jesus Christus blieb aus.

Ich glaube, deshalb fällt es mir so schwer, die Spannung aufrecht zu erhalten. Es gibt einfach keinen klaren Fahrplan. Deshalb kommen immer wieder Zweifel auf, ob das, was da in der Bibel steht, auch stimmt. Oder der Alltag mit seinen großen und kleinen Sorgen und Freuden hat mich voll im Griff, so dass ich gar keine Zeit habe, über das nachzudenken, was Gott uns da verspricht. Und wenn dann noch so viele Termine dazu kommen, wie im Advent so oft, dann ist es mit der Vorfreude nicht weit her. Die Vorfreude darauf, dass Jesus zu uns kommt, wir sollten sie einüben. Immer wieder neu. Und vielleicht ist gerade jetzt, im Advent, genau die richtige Zeit dafür.

Sich daran zu erinnern, dass Gott schon einmal zu uns Menschen gekommen ist: In Jesus Christus, seinem Sohn. Das feiern wir jedes Jahr an Weihnachten. Im Advent darf ich dann darin üben, mich auf das Kommen Jesu zu freuen. An Weihnachten dürfen wir uns mit Freude daran erinnern, dass Gott in Jesus schon in diese Welt hinein geboren wurde.

Das Einüben in die Vorfreude darauf, dass Gott zu uns Menschen kommt, es könnte so aussehen: Nicht Känguru-Girlande, sondern Ruhe. Mich einmal aus dem Trubel herausnehmen. Mich an einen ruhigen Ort setzen. Eine Kerze anzünden. Und mir überlegen, was es bedeutet, wenn Jesus kommt. An Weihnachten damals oder am Ende aller Zeit. Oder: Wenn er schon heute wieder in mein Herz einzieht. Wenn ich mir bewusst mache, dass er da schon längst wohnt. Es ist ein Geschenk. Er will, dass es uns gut geht. Dass wir Frieden haben. Mit ihm. Mit uns. Mit den Menschen um uns herum. Diesen inneren Frieden schenkt er uns. Daran dürfen wir uns immer und immer wieder erinnern. Und mich macht das froh, es gibt mir Hoffnung.

Ich wünsche uns, dass die Vorfreude in diesen Tagen einen Platz in unserem Alltag findet. Dass wir spüren können: Jesus kommt. Allen Zweifeln zum Trotz.

 

Amen