Dann bete!

Gebet hilft! Ja, ich weiß. Und doch: Manchmal sind da auch Zweifel. Glaube und Vertrauen werden auch mal erschüttert. Naiv zu glauben, dass Gott Gebete erhört? Wir wollen hören, wie es unser Impulsgeber heute sieht. Im Jakobusbrief bekommen wir in jedem Fall gesagt: Bete! Und auch unser Psalmist hat die Erfahrung gemacht, dass mit Gott reden nie verkehrt ist.

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Kindergeburtstag. Acht Kerzen auf dem Schokoladenkuchen. Neongrüne Girlanden hängen von der Decke. Sieben Freunde eingeladen, aus Verein und Grundschule, alle ausgelassen und fröhlich. Blaue Strohhalme in der gelben Limonade und fette Geschenke bunt eingepackt. Der kleine Frederik ist glücklich. Die Eltern auch.
Nach der Schatzsuche im Garten gehen alle in das große Kinderzimmer und spielen Topfschlagen. Aber leider stürzt der Junge, als er mit verbundenen Augen im Kreis gedreht wird. Großes Geschrei, der Fuß hat sich verstaucht. Die schöne Stimmung ist dahin. Bald werden die Freunde wieder abgeholt.

Frederik humpelt zu seinem Bett und legt sich hin, presst einen Kühlbeutel gegen den schmerzenden Knöchel. Untröstlich.

Die Mutter kommt rein.

War es ein schöner Geburtstag?

Ja, aber das mit dem Fuß war blöd. Tut es noch weh? Ja, am Knöchel tut es noch sehr weh. Beide, Mutter und Sohn beten miteinander, wie sie es jeden Abend tun. Heute sagt die Mutter am Ende des Gebets: Lieber Gott, bitte mach, dass die Schmerzen von meinem Jungen bald verschwinden. Amen.

Eine Viertelstunde später ruft der Junge nochmals. Die Mutter kommt in sein Zimmer und fragt: Was ist los? Kannst du nicht schlafen? Frederiks Antwort: „Jetzt macht er es, die Schmerzen verschwinden. Der Knöchel tut mir nicht mehr weh.“

Die Geschichte – meine Geschichte von damals ist schön und rührt mich noch heute. Weil es genau so war. So habe ich es in Erinnerung.

Kindermund tut Wahrheit kund.

Das denke ich heute noch. Heute bin ich ein nachdenklicher Erwachsener geworden, der sich mit sowas Abstraktem wie Theologie beschäftigt.

„Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen.“ So Jakobus in seinem Brief, im neuen Testament an die ersten Christen. „Jetzt hilft er mir.“ So der kleine Frederik gute zweitausend Jahre später.

Wenn ich den Jakobusbrief schon damals gelesen hätte, hätte ich vermutlich nichts verstanden. Was ich aus Erfahrung heraus verstanden habe, war aber genau das: „Gott hilft. Gebet wirkt“.

Wir Älteren schauen auf diesen Kinderglauben mit ein bisschen Rührung, vielleicht auch ein bisschen mit Neid oder Sehnsucht, weil es heute – man ist ja erwachsen – nicht mehr so einfach ist.

Wir wissen um die Brüche und Abgründe, um die Zweifel, die den Glauben wie ein Schatten begleiten. Denn wir spüren nicht immer den Finger Gottes wohltuend auf die eigenen Verletzungen gelegt.

Darum wollen die Worte des Jakobus Hilfe sein. Er weiß um unsere erwachsene Sicht. Sein Tipp: Glaube und bete. Warum?

Weil der Glaube einen Spielraum der Freiheit eröffnet. Es ist nicht nötig, vor dieser Freiheit in ein neues Korsett von Regeln und Zwängen zu fliehen. Deswegen erkennt man den Glauben nicht am Befolgen von Regeln, sondern man erkennt ihn am Beten. Das Tun des Glaubens ist das Beten. Denn wer betet, der rechnet mit dem Wirken Gottes.

Dieses Beten wird zum Kennzeichen des Christlichen. Im Jakobusbrief heißt es: Wer krank ist, der soll klagen und bitten. Wer sich freut, der soll danken und Psalmen sprechen.

Das Gebet stiftet Freiheit.

Das Beten selbst ist ein Balanceakt, zwischen Vertrauen und Anfechtung, zwischen Glauben und Zweifeln.

Glauben heißt:  Ich lebe aus der Freiheit heraus, die Gott mir schenkt. Ich bin allein für mein Denken und Handeln verantwortlich. Aber ich erkenne darin auch den Gott, der mir diese Freiheit schenkt. Zu ihm bete ich. Auf sein Wirken in der Welt vertraue ich. Ich vertraue darauf, dass er es gut meint, dass er dieser Welt in Barmherzigkeit entgegenkommt, manchmal offen und direkt, manchmal im Verborgenen, in dem, was unserer Wahrnehmung entzogen ist.

Glaube ist kein sicherer Raum des Gottvertrauens, in dem mir nichts passieren kann. Glaube ist ein Raum der Freiheit, in dem ich meinen eigenen Weg gehe, in dem wir als Familien oder Gemeinde einen gemeinsamen Weg gehen. Dieser Weg ist gepflastert mit Erfahrungen der Gewissheit und der Barmherzigkeit, aber auch mit Erfahrungen der Anfechtung und der Verzweiflung.

Glaube verändert sich im Laufe eines Lebens. Aus einem Kinderglauben wird der erwachsene Glaube desjenigen, der mit Gottes Hilfe rechnet und im Gebet darum bittet. Gott hat zugesagt, diese Bitten zu erhören. Aus seiner Hilfe gewinnen wir die Balance des Glaubens, die uns hoffentlich auch Schwierigkeiten, Traurigkeiten, Nöte aushalten lässt. Auch darum darf ich bitten bei Gott. Gib mir Stärke. Gib mir Kraft, dass ich trotz allem dir Gott, danken kann.

Amen.