Das Ende

Es könnte einem schon Angst machen: Klimawandel, Krieg in der Ukraine, in Nahost, das politische Klima hier und anderswo, Rechtsruck… Es könnte nicht – es macht Angst. Was kann ich dem noch entgegensetzen?

Wochenspruch – 1. Joh 4, 21

Psalmgebet – Ps 1

Predigttext – 1. Petr 4, 7-11

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Natürlich stolpere ich, wie vermutlich viele Hörerinnen und Hörer gleich zu Beginn über das „Ende aller Dinge“.

Mein erster Impuls – nein, das glaube ich nicht. Ich glaube nicht, dass das Ende aller Dinge nahe ist. Die Welt geht morgen nicht unter, die Zeit wird nicht angehalten.

Das glaube ich sagen zu können – als inzwischen nicht mehr ganz junger Mensch.

Andererseits – es gab und gibt natürlich Entwicklungen, Unfälle Katastrophen und Situationen, die können sehr wohl das Ende der Dinge sein. Ereignisse, die unser bisheriges Leben auf die eine oder andere Weise beenden. Auch wenn wir nicht tot sind, müssen wir anders weiterleben als vorher. Nach einem Unfall, nach dem Verlust des Partners, der Partnerin, nach einem Krieg, nach einer Umweltkatastrophe. Oder auch einfach nur nach Wahlen oder dem Ende einer Beziehung, oder einer missglückten Prüfung.

Corona war auch so ein Ereignis. Oder die Katastrophe im Ahrtal. Die zunehmende Klimakrise, …

Unwiederbringlich gibt es ein Davor und Danach.

Die Rede vom Ende der Dinge erinnert uns dann unmissverständlich daran, dass unser gegenwärtiges Leben von großer Bedeutung ist. Weil es einmalig ist.

Ich weiß es noch immer, obwohl es in einem Januar vor 45 Jahren war, an dem ich auf meine Spur im Schnee zurückgeschaut und gedacht habe: Wenn irgendjemand irgendwann einmal diesen Tag im Januar an diesem Ort Revue passieren lassen kann – so wie Gott – dann wird da immer diese Schneelandschaft und meine Spur sein. Und genauso jeder einzelne Tag meines Lebens. Alles, was ich getan oder nicht getan habe, alles, was ich gesagt oder nicht gesagt habe. Sogar, was ich gedacht habe kann erinnert werden. Und mir ist bewusst geworden, dass alles einmalig ist, unwiederholbar und live. Und wir gleichzeitig nichts festhalten können, aber auch nicht ausradieren können. Nicht ungeschehen machen können.

Selbst wenn ich versuche, einen Fehler am nächsten Tag zu korrigieren, es wird nicht dasselbe sein..

Nichts kann man ausradieren, nichts ungeschehen machen – jeder Augenblick des Lebens ist einmalig. Nicht austauschbar. Nicht wiederholbar.

Das ist faszinierend und gleichzeitig unfassbar. Es kann uns erstaunen und erschrecken.

Was ich sehr bemerkenswert finde – und das möchte ich mir dann wirklich selbst zu Herzen nehmen ist folgendes:

Sowohl die Einmaligkeit des Lebens und die Bedeutung jedes einzelnen Augenblicks, als auch die Vorstellung vom Ende der Dinge könnten wir ja als Bedrohung empfinden. Da hebt jemand den Zeigefinger und wir werden gewarnt. Angst und Panik könnte sich breit machen. Resignation oder Verzweiflung. Wir könnten auch in hektische Betriebsamkeit ausbrechen ob der Dinge, die wir alle noch erledigen sollen oder wollen oder müssen.

Nichts dergleichen in unserem Text. Wir werden an die Liebe erinnert. Wir sollen beten können und deshalb einen kühlen Kopf bewahren. Wir sollen gastfreundlich sein, überhaupt freundlich und bereit, jederzeit das zu tun, was notwendig ist. Was die Nöte wendet und was hilft. Am Guten festhalten und auf diese Weise Gott die Ehre geben.

Oder wie es Martin Luther gesagt haben soll: wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, will ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.

Der kurze Abschnitt aus dem 1. Petrusbrief erinnert uns daran, dass Christinnen und Christen weltweit nicht in Panik verfallen sollten, wenn sie mit Ereignissen zu tun haben, die sie an das Ende der Dinge denken lassen. Dass sie nicht extrem werden sollen. Dass sie generell auf Gewalt verzichten sollten. Dass sie der Wahrheit verpflichtet sind. Und der Liebe. Dass die Ausgrenzung von Menschen keine Lösung für sie ist. Und die Ausweisung auch nicht.

Gott, der Schöpfer, der Vater Jesu Christi hält diese Welt in seinen Händen. Nichts kann sie aus seiner Hand reißen. Er hält den großen Kalender in seiner Hand. Unser Leben, das Leben aller ist darin aufgehoben. Nichts ist verloren. Eine unfassbar große Cloud. Gleichzeitig ist für uns alles einmalig. Und deshalb wertvoll.

Und gerade deshalb sollen wir das Gute pflegen, an der Liebe festhalten, uns Gott zuwenden und ihm unser Leben anvertrauen.

Das soll uns nicht verunsichern, sondern eine große Gewissheit und Geborgenheit vermitteln. Gerade in schwierigen Zeiten, wenn wir eher an das Ende der Dinge denken. Getröstet sollen wir sein. Voller Vertrauen.

Nicht das Ende der Dinge droht uns, sondern der ewige und liebende Gott hält und erwartet uns. Amen

 

Ich möchte beten …