Foto: radio m, Anja Kieser

Drei Brocken Brot und ein paar kleine Fische

Das macht noch kein Festessen! Ein Festessen kann übrigens auch eine kleine Portion Essen ein. Wenn der Hunger groß ist und die Freude riesig, weil es etwas zum Teilen gibt. Impulsgeber am heutigen Erntedankfest ist Pastor Markus Bauder.

Wochenspruch   – Ps 145, 15

Psalmgebet  – Ps 104, 1a.10-15.27-30.33

Predigttext   – Mk 8, 1-9

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Nehmen wir die Geschichte, die wir eben gehört haben, mal einfach als eine Geschichte, in der uns etwas über Gott und uns Menschen erzählt wird. Dann haben wir doch eben gehört, dass Gott Mitleid mit den Menschen hat, weil es ihnen schlecht geht. Sie haben nichts zu essen und zu trinken, sie brechen unterwegs zusammen. Sie leiden Not. Wir Menschen reagieren wie in der Geschichte und sagen: Ja, Gott, da hast du recht. Das ist schon eine schwierige Situation. Wo soll man in dieser Gegend und in dieser Situation auch was zu essen und trinken herbekommen? Dann wird Gott vielleicht auch uns gegenüber persönlich: Wie siehts aus? Wie viel hast du, wie viel habt ihr denn, die ihr euch meine Jünger nennt? Wir Menschen sehen das dann sehr realistisch und antworten, dass es nicht viel ist und sicher nicht für alle reicht. Und Gott fordert uns Menschen auf, das, was da ist, in die Waagschale zu werfen und ihm zu überlassen. Und dann fordert er uns auf, das, was da ist, mit einer Portion Gottvertrauen zu teilen. Und siehe da – es reicht.

Ich habe mich schon immer mal wieder gefragt, ob es tatsächlich so einfach sein kann? Dass der Hunger in der Welt und die Not so unendlich vieler Menschen aufgehoben oder zumindest deutlich gelindert werden könnte, wenn wir, die wir etwas haben, bereit wären, das, was wir haben, wirklich zu teilen. Also wirklich zu teilen. Nicht nur von unserem Überfluss so viel abzugeben, dass es uns keinesfalls einschränkt. Sondern das, was wir haben, in die Waagschale zu werfen. Also alles. Und – verbunden mit einer Portion Gottvertrauen – zu hoffen, dass dann möglichst alle so viel bekommen, dass sie satt werden. Oder zumindest ihre Not deutlich gelindert wird. Ohne im Voraus zu wissen, ob am Ende noch etwas übrigbleibt. Aber es könnte sogar sein. Dass noch etwas übrigbleibt.

In unserer Gemeinde in Stuttgart-Sillenbuch feiern wir ab und an einen Abendgottesdienst. Wir beginnen mit einem Fingerfoodbuffet. Es gibt keinen Plan. Wir hoffen einfach, dass so viele etwas mitbringen, dass möglichst alle genug bekommen. Ich meine mich nur an einen Abend zu erinnern, an dem tatsächlich alles weg war. Sonst bleibt fast immer noch etwas übrig. Und das, obwohl beileibe nicht alle etwas mitbringen.

Ich finde das immer wieder überraschend und frage mich, ob das, was im Kleinen passiert, eventuell auch im Großen passieren könnte? Wenn ich meine Angst, zu kurz zu kommen, überwinden könnte. Und meine Angst, ausgenutzt zu werden. Oder meine Sorge, dass nicht alle sich so für das Ganze einsetzen wie ich. Oder die Angst, dass mir das, was ich heute teile, in der Zukunft fehlen könnte.

Und überhaupt, ich habe das, was ich habe, doch verdient. Es gehört mir und ich darf es für mich in Anspruch nehmen und damit machen, was ich will.

Naja, sie merken auch, dass meine Bedenken zwar üblich und normal sind, aber in etlicher Hinsicht auch unbegründet. Oder dass darin zum Ausdruck kommt, dass halt doch Angst mein Handeln bestimmt. Und wenn schon nicht Egoismus, dann doch die Sorge, dass nicht alle in gleicher Weise mitziehen und ich am Ende der Dumme bin.

Was ja sogar sein kann. Gesellschaftlich sieht man gerade schon, dass Egoismus und Skrupellosigkeit zunehmen. Eine bestimmte Partei sagt ja sogar ausdrücklich, dass sie sich nicht an die gesellschaftlichen Regeln halten wird. Oder gar an vereinbarte Gesetze und Grundrechte.

Wie soll man da Vertrauen haben und bereit sein, das Eigene einzubringen? Auf diese Weise bekommen wir den Hunger und die Not in der Welt sicher nicht in den Griff.

Für mich könnte ein wichtiger Ansatzpunkt der sein, dass es in der Geschichte ja nicht unbedingt andere Menschen sind, denen wir vertrauen sollen oder gar Parteien. Nein, wir sollen in dieser Geschichte Gott vertrauen, dass er mit dem, was wir ihm anvertrauen, gut umgeht.

Da gibt es in der Geschichte ein bemerkenswertes Detail: Die Jünger geben erst das Brot und dann auch die Fische Jesus. Jesus dankt Gott dafür und gibt es ihnen dann wieder zurück. Und dann sollen sie teilen.

Auf uns übertragen: Das, was wir haben, Gott anvertrauen. Dieser gibt es uns zurück und dann sollen wir das, was wir ihm vorher gegeben haben und er uns wieder anvertraut, austeilen. Gewissermaßen mit seinem Segen, aber in eigener Verantwortung.

So wird für mich durchaus ein Schuh daraus. Das, was ich habe an Gütern, Wohlstand, Zeit, Geld soll ich, wenn ich mutig genug bin, Gott anvertrauen. Gott gibt es mir mit seinem Segen zurück und dann soll ich bereit sein, von meinem auszuteilen.

Wenn das mal keine gute Übung ist. Eine Vertrauensübung. Eine Übung im Teilen, bei der ich klein anfangen, aber mich durchaus steigern kann. Eine Übung, bei der wir – hoffentlich – gute Erfahrungen machen. Erfahrungen im Gottvertrauen. Erfahrungen im Teilen.

Heute ist Erntedankfest. Wenn wir auf diese Weise mit unserer Ernte umgehen, dann müsste sich eigentlich etwas bewegen lassen.

Dass uns das heute ein bisschen besser gelingt als gestern, das wünsche ich mir für mich und für dich. Für uns alle.

Ich möchte beten.