Foto erstellt durch KI

Du Schaf!

Schafe sind süß. Dennoch: Es ist nicht nett mit einem Schaf verglichen zu werden. Wir tun es heute trotzdem und irgendwie auch wieder nicht.

Wochenspruch – Joh 10.11a.27-28a

Psalmgebet – Ps 23

Predigttext – Joh 10, 11-16

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

Schau mal rein bei: @childlikemedia – Video vom guten Hirten!

0 Kommentare

Kommentieren

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Manuskript / Download
Du Schaf! als Manuskript-Datei runterladen

 

Na, hoffentlich bist du ein gutes Schaf!

Bist der Herde treu verbunden. Fällst nicht auf. Gibst brav dein warmes Fell ab, wenn es für Wolle gebraucht wird. Deine Schafsmilch darfst du auch fleißig abgeben. Ach ja, und bitte halte dich an die Anweisungen des Hirtens. Dann schaut der Hirte auch nach dir, wenn es mal schief geht.

Leider, leider, leider schauen wir, wenn es um Schafe und den Hirten geht, allzu gern auf die Schafe, was die so machen. Benehmen sie sich? Halten sie sich an die Regeln?

Wenn vom guten Hirten und den Schafen zu hören ist, dann geht der Blick vom Hirten gerne sehr schnell hin zu den Schafen, denn die sind es ja, die es einfach nicht kapieren wollen: Haltet euch doch an den Hirten! Ist das so schwer?! Sei einfach ein gutes Schaf!

Und ja, da haben schon so manche gesagt: Hör mir auf mit diesem Schaf und Hirten Getue. Ich bin kein Schaf! Und ich trample nicht mit anderen in einer Herde umher. Und manch einer hat genau deshalb so seine Probleme mit der Kirche, denn allzu oft spürt man da so eine Erwartungshaltung: Sei kein dummes Schaf. Doch wer will schon hören, dass er oder sie ein Schaf ist? Und dazu noch dumm!

Ich nicht. Und doch finde ich die Sache mit „Hirte und Schaf“ wirklich gut. Denn: Ich finde die Frage gut. Bist du ein gutes Schaf? Bin ich ein gutes Schaf? Eine gute Mutter? Ein guter Vater? Großmutter oder Onkel? Freund oder Nachbarin? Kollege? Arzt? Schüler oder Tänzer? Bäcker oder Pflegekraft?

Ich weiß nicht, wie oft ich mich so was schon gefragt habe in meinem Leben? Bin ich gut? Mache ich das gut?

Ich höre den heutigen Text, der aus dem Johannesevangelium stammt, so:

Es ist ganz gleich, was für ein Schaf du bist. Du gehörst in jedem Fall zu Jesu Herde. Es geht nicht darum, was du bist oder nicht bist, sondern wer Jesus ist. Und deshalb ist das Hirtenbild so passend. Vor allem damals zu der Zeit, in der der Schreiber Johannes gelebt hat. Da wusste jeder was einen guten Hirten ausmacht. Hirtesein das war kein bequemer Job. Das waren die Einfachsten und Ärmsten und dafür sollten sie noch super Arbeit machen. Auf jedes Schaf aufpassen. Mutig gegen wilde Tiere vorgehen und alles Menschenmögliche und -unmögliche tun, wenn ein Schaf fehlt. Wenn es vielleicht einen Hügel runtergestürzt ist oder sich schwer verletzt hat. Wahrscheinlich gab es bei dieser Arbeitsplatzbeschreibung und bei kleinem Lohn eher mittelmäßige Hirten. Wie wäre es also, wenn ein Hirte wirklich alles für seine Schafe tut? Alles! Unvorstellbar. Aber genau das wollte Johannes den Menschen sagen: Jesus ist unvorstellbar, unfassbar gut. Es geht um den guten Hirten und nicht um ein gutes Schaf!

Jesus Christus, der den Weg ans Kreuz gegangen ist. Damit der Tod, in dem alles vereint ist, was uns von Gott trennt, aufgehoben ist, nicht das letzte Wort hat. Damit ich im Tod durch die Liebe Gottes neues Leben finde. Dieser komplette Lebenseinsatz, Liebeseinsatz, der steht für Jesus. Wenn er den Wolf kommen sieht, lässt er die Schafe nicht im Stich. So ein Hirte ist Jesus. Ein Hirte, der jedes Schaf kennt, jedes Schaf leitet, jedes Schaf bewahrt, weil jedes Schaf unendlich wertvoll ist. Gut. Einfach nur gut. Menschlich gesehen, ist das kaum zu begreifen, denn jeder weiß um eigene Fehler, um eigene Unzulänglichkeiten. Und jeder sieht, wo andere so gar nicht gut sind! Sieht das Jesus nicht? Bin ich, sind sie für ihn trotzdem gut? Dieser Text und viele andere der Bibel sagen: ausnahmslos allen gilt Jesu Liebe, die bis in den Tod und darüber hinaus geht. Vielleicht ist es deshalb gut, ich schaue nicht nach den anderen Schafen, eh… Menschen, sondern bleib bei mir. Ich bin gut, ohne perfekt zu sein. Für Jesus bin ich so wertvoll, dass er alles für mich tut.

Diese Vorstellung, dass Jesus für mich bis zum Äußersten geht, sie soll mir zeigen, dass ich komplett angenommen bin von ihm und dass ich mich deshalb selbst annehmen darf. Auch als nicht immer gute Mutter. Oder Freundin. Oder Kollegin.

Vielleicht, wenn ich versage, nicht ganz so toll bin, wie es nötig wäre, wenn ich Fehler mache, dann sind das vielleicht die Momente, in denen ich verloren gehe. Wie ein Schaf, dass herumirrt, Halt und Orientierung verliert, abstürzt, die Herde verlässt… Aber Jesus lässt mich nicht, selbst wenn ich ihn lasse. Er geht mir nach. Bleibt dran an mir. Ruft mich. Damit ich wieder zu ihm finden kann, seine Stimme höre in meinem Leben. Damit ich mich neu ausrichten kann, auch Fehler erkennen kann, um Vergebung bitten kann, den Mut habe, Dinge neu anzugehen in meinem Leben, mir Hilfe holen kann, ich neue Kraft finde und einen neuen Blick für das, womit ich mir schwer tue im Leben.

Wenn Jesus mir nachgeht, dann geht es niemals darum, dass er mich zurückholen will in die Herde, um ein Schaf zu werden, dass einfach nur die Regeln der Herde befolgt. Schaf unter Schafen ist. Wieder ein gutes Schaf ist. Das ist nicht das Bild. Zurückholen, das heißt wieder an Jesus andocken, weil ich dann wieder erfahre, was es heißt vollkommen angenommen zu sein. Und das, nur das, hilft mir mit all dem klar zu kommen, was in meinem Leben auf mich wartet.

Im heutigen Impulstext aus dem Johannesevangelium zielt alles darauf ab zu sagen:

Jesus kennt dich.

Jesus sieht dich.

Jesus schützt dich.

Jesus geht dir nach.

Du gehörst zu seiner Herde ohne Wenn und Aber.

Auf Instagram in den sozialen Medien gibt ein Video zum heutigen Predigttext. Man sieht Jesus wie er in unserer Zeit verschiedene Menschen aufsucht, dort wo sie gerade sind. Jesus sieht sie und hält ein Schild hoch auf dem steht, was er ihnen in diesem Moment sagen will.

Da ist eine Frau. Schon älter. Sie macht die Betten in einem Hotel und Jesus sagt: Ich sehe dich!

Da ist ein Bauarbeiter und Jesus sagt: Du darfst dich ausruhen.

Eine junge Frau vorm Spiegel und Jesus sagt: Du bist gut, so wie du bist.

Da sind Menschen in einem Club und Jesus sagt: Ihr seid frei.

Da ist ein Mann, der sich fragt, ob das, was er tut Sinn macht und Jesus sagt: Deine Arbeit zählt.

Jesus, der gute Hirte, sieht uns. Kennt uns und weiß was wir brauchen. Was sagt Jesus heute zu dir? Ich glaube, wir können seine Stimme hören. Es hilft sich das Bild von Jesus als dem guten Hirten vorzustellen, so wie Johannes Jesus gesehen und beschrieben hat, denn dann werde ich merken, wo ich Jesu Zuspruch gerade besonders gebrauchen kann. Schau weg vom Schaf und schau auf den guten Hirten. Er hat dir etwas zu sagen. Amen.