Entscheidende Begegnungen

Und? Haben Sie Jesus im Stall vom Bethlehem angetroffen? Heute geht es um Begegnungen. Schön, dass wir uns heute begegnen und schön, wenn Gott uns heute begegnet. Impulsgeber ist heute Pastor auf Probe Frederik Ehmke.

Warum es nicht so ist? Darum geht es heute.

Wochenspruch – Joh 1, 14b

Psalmgebet  – Ps 71, 1-3.12.14-18

Predigttext – Lk 2, 22-40

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Leben in der Hoffnung. Wer tut das nicht?  Mehr oder weniger…  In der Hoffnung auf Rettung, Rettung unserer schönen Erde, auf Rettung für die Kranken, für die, die an ihrer Seele erkrankt sind, auf Rettung aus Angst und Not, aber auch in der Hoffnung auf Heilung, Heilwerden für uns selbst und andere?

 

Erinnern wir uns an die vorweihnachtliche Adventszeit: Einerseits viele Lichter, Weihnachtsmärkte, Lebkuchen und Weihnachtsfeiern. Anderseits auch eine Zeit, in der der sich viele Menschen einsam, krank, verlassen und hoffnungslos fühlen. Es gibt zu den ganz privaten Nöten ja auch genug Probleme in dieser Welt. Nicht nur Menschen haben eine Sehnsucht nach Heilung, sondern Menschen sehnen sich nach einer heilen Welt. Sehnen sich nach Sicherheit und Geborgenheit. Die Sehnsucht nach jemandem, der Beständigkeit und Nähe schenken kann. Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit in einer Welt, in der nichts sicher scheint …, so heißt es in einem Lied der Deutschrock-Gruppe Silbermond. Gib mir in dieser sterbenden Zeit irgendwas, das bleibt.

Irgendwas oder irgendwer, der bleibt. Jemand, der die Hoffnung auf Rettung und Heilung und somit Sicherheit für mein eigenes Leben gewährleisten kann.

Wie im ICE zu meiner Familie nach Norddeutschland fahren – so wie jetzt in dieser Weihnachtszeit. Ich vertraue darauf, dass der Zugführer mich sicher ans Ziel meiner Reise bringt. Sowohl in den Norden, als auch wieder zurück nach Stuttgart. Ich vertraue ihm, dem Zugführer, obgleich ihn nicht sehe, sondern nur mal ab und an eine mehr oder wenige deutliche Durchsagen höre.

Oder ich vertraue im Sommer beim Schwimmen am Badesee auf die DLRG. Dass sie zur Stelle ist, falls ich in Gefahr gerate. Ein solches Vertrauen wünsche ich mir als Christ auch in Gott, als meinen Beschützer und gegebenenfalls auch Retter. Ich glaube, dass dieser Gott nicht unendlich weit fern ist, auch wenn ich ihn nicht sehe und nicht alltäglich seine Gegenwart spüren kann. Seine Gegenwart, die mich tröstet, mir Halt gibt, irgendwie ein bisschen meine Sehnsucht stillt, wenn alles um mich herum so unsicher erscheint.

Gott ist da trotzdem.

Ich glaube es, weil dieser Gott, der Bibel nach, in Jesus Christus einen Namen bekommen hat und den Menschen selbst ein menschliches Gegenüber wurde. Seine Ankunft haben wir erst kürzlich an Weihnachten gefeiert. Es war eine Ankunft in eine Welt, die grau ist, dunkel, nicht sehr einladend. Mit dieser Ankunft ist aber das Licht in die Welt gekommen. Die Lichter im Advent sind Vorboten des Lichts, das an Weihnachten in die Welt gekommen ist. Lichter. Sie sind Antwort auf die Sehnsucht der Menschen. Sind Hoffnungszeichen, dass es auch in dunkelster Nacht hell werden kann. Lichter. Sie sind Hinweis, dass ich Sehnsucht habe, Gott zu begegnen.  Dass es Licht wird in meinem Leben. Dort wo es gerade dunkel ist. Wo ich Licht brauche in meinem Alltag, meinen Beziehungen, in meinen trüben Gedanken. Licht, dass mich herausholen soll, aus der Dunkelheit. Wir stehen gerade am Ende eines Jahres. Ich brauche da besonders viel Licht. Das neue Jahr steht so ungewiss vor mir. Was wird es bringen? Ich weiß schon jetzt, ich werde Licht brauchen. Gott brauchen in meinem Leben. Wo und wann er wird mir begegnen und Licht bringen?

 

Nicht anders erging es den Menschen in Jesu Zeit, die auf das Kommen des Messias, also des von Gott gesalbten Königs aus dem Stamme Judas, warteten.

Die Hoffnung auf einen politischen Führer, der die römischen Besatzer aus Israel vertreiben würde, erfüllte sich zwar nicht, aber für viele Menschen wurde die Begegnung mit Jesus, dem menschgewordenen Gottessohn zu einem heilenden Erlebnis. Heilung von inneren und äußeren Krankheiten und Sorgen. Es waren Begegnung, die den Menschen Freude brachte, Hoffnung und Vertrauen und eine neue Zuversicht gab.

 

Der heutige Predigttext erzählt von einer genau solchen, interessanten und besonderen Begegnung. Von der Begegnung Jesu mit Simeon und Hannah.  Jesus ist dabei noch das kleine schutzlos und viel besungene Christkind. Ein kleines Baby. Und dennoch: Simeon und Hannah, ein älterer Mann und ältere Frau, erkennen in diesem Jesus ihren Retter und sehen in ihm „ein Licht für die Völker“ (Luk. 2,32). Für Simeon bedeutet diese flüchtige Begegnung mit Jesus und dessen Eltern in Jerusalem sogar, dass er „in Frieden sterben kann“. Er hat nun den gesehen, von welchem schon die Propheten seines Volkes im Alten Testament gekündet haben. Mehr braucht er für ein reich erfülltes Leben als „krönenden Abschluss“ nicht. Mehr nicht, als einen Blick in die Augen dieses Kindes. Er ist sich sicher, ebenso wie die Prophetin Hannah: Dieses Kind ist der Retter, nach dem sich die Welt sehnt. Jesus. Und diese Gewissheit speist sich nicht aus einer aktiven Wunderheilung durch Jesus selbst, nein es ist eine Gottesbegegnung ohne sichtbares Wunder und großem Tamtam.

 

Jesus erkennen. Geht das auch heute? In meinem Alltag? In dem Typ neben mir? In dem Menschen, der meine Hilfe braucht oder ich seine? Jesus selbst wird später sagen; „Was ihr einem meiner Schwächsten getan habt, dass habt ihr an mir getan“. Jede freundliche Hilfe, die ich selber aus freiem Herzen geben kann, führt mich unter Umständen also auch in eine Begegnung mit Jesus selbst. Ich sehe ihn im hilfsbedürftigen Obdachlosen, Asylbewerber, im schutzlosen Kind, das gewickelt und genährt werden will.

Ich erfahre Gott vielleicht in einem Lied, das mich tröstet oder besonders froh macht.

Vielleicht erkenne ich ihn auch in einem Stern, der mir besonders leuchtet in der Nacht oder in einem Regenbogen, der ganz unvermittelt auftaucht und mir neue Hoffnung schenkt.

Gott begegnen, erkennen, ich meine, das geht auch heute. Mitten im Alltag.

Ich glaube aber auch, dass es dafür ein offenes Herz braucht. Simeon hat aktiv Ausschau gehalten nach dem Retter. Er hat ihn sehnsüchtig erwartet. Meine Sehnsucht nach Heilung, nach einer besseren Welt, das ist Sehnsucht nach Jesus. Vorbereitung darauf, dass ich ihn auch erkenne, wenn er mir begegnen will.

 

Jesus ist eben diese von Silbermond besungene kleine Sicherheit in einer Welt, wo sonst nichts sicher scheint. Er ist da – wie der Zugführer im ICE oder die DLRG am See. Ich darf darauf vertrauen, dass er da ist. Erkenne ich ihn?

Vielleicht ist heute ein guter Tag, um ruhig zu werden, um zu schauen, ob Jesus nicht schon bei mir vorbeigekommen ist. Wo könnte er mir begegnet sein in den letzten Tagen?

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in das neue Jahr mit vielen Begegnungen, die Sie sagen lassen: Ja, ich habe Jesus erkannt, weil heute Licht in mein Leben gekommen ist.