Von innen heraus

Ein inneres Leuchten. Wer hätte das nicht gerne? Machen kann ich es vielleicht nicht, aber machbar ist vielleicht schon. Wir machen uns heute auf die Spur dieses Lichtes, das so ganz anders ist und andere anstecken kann.

Wochenspruch – Eph 5, 8b.9

Psalmgebet – Ps 48, 2-3a.9-15

Predigttext – Eph 5, 8b -14

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Licht sein. Für mich, für andere, für die Welt. Ein schönes Bild.

Paulus schreibt der Gemeinde in Ephesus einen Brief. In vielen Sätzen legt er der Gemeinde dar, wie es ist als Nachfolgende Christi zu leben und zu wirken. Im Glauben an Gott.

 

Zu Beginn meiner pastoralen Laufbahn war ich als Gemeindepraktikant einem Gemeindebezirk zugewiesen. Dort lernte ich eine Frau kennen, die genau das lebte, was Paulus den Menschen in Ephesus in diesem Abschnitt seines Briefes erklärte.

Diese Frau hat von innen heraus gestrahlt. Wenn sie den Raum betreten hat, dann war sofort spürbar, dass in ihr etwas lebte, das sie zufrieden und froh macht. Sie konnte gar nicht anders, als zu strahlen und den Menschen um sie herum in Liebe, Güte und Annahme zu begegnen. Das war nicht aufgesetzt. Das war absolut ehrlich.

 

Als Gemeindepraktikant war eine meiner Aufgaben, einen wöchentlichen Kindernachmittag zu gestalten zusammen mit dieser so herzlichen und liebevollen Frau.

Ich war der Lernende und sie hat mich mithineingenommen in die Arbeit mit Kindern.

Jeden Mittwoch sind viele Kinder aus der Nachbarschaft gekommen. Die meisten hatten mit Kirche gar nichts am Hut, aber der Kindernachmittag, der hat ihnen gefallen. Und auch den Eltern.

Jedes Mal, wenn diese Kinder den großen Raum betreten haben und diese Frau ihnen zum ersten Mal an diesem Nachmittag begegnet ist, bemerkte ich sofort, wie wohltuend diese zufriedene Ausstrahlung der Frau auf die Kinder wirkte. Es war beeindruckend.

 

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist aber lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Schreibt Paulus. Und wirklich: In diesem Jahr als Gemeindepraktikant, da konnte ich erleben, wie das Wort von Paulus Wirklichkeit in einem Menschen wurde.

 

Kinder des Lichts. Wir sind Gottes Kinder, glauben Christen und Christinnen. An diesen Vater, gerne auch Mutter halte ich mich. Lerne von ihm durch ihn. Die Bibel beschreibt Gott und sein Wesen so vielfältig. Ich kann in ihr entdecken, dass Gott es gut mit mir meint. Dass er mich liebt. Mir vergibt. Und ich höre in der Bibel von Jesus. Gott selbst bringt sich in ihm mitten in diese Welt hinein. Gott kommt mir nahe. Ich kann sehen, was es heißt zu lieben, zu vergeben und andere so anzunehmen, wie sie sind. In diesem Evangelium. In dieser Guten Nachricht steckt eine befreiende Kraft. Gott will mich zum Leben befreien. Und mehr noch: Er schenkt Freiheit über den Tod hinaus.

 

Das Christus am Kreuz gestorben ist, so tragisch und grausam es war und ist, so ein Glücksfall ist es für mich als Menschen.

Denn dadurch, dass Christus den Tod überwunden hat, brauche ich nicht zu fürchten, was am Ende des Lebens einmal auf mich zukommen wird.

Das Ende kann Angst machen. Respekt einflößen. Denn wirklich wissen wir nicht, was kommt.

Die Bibel beschreibt jedoch in einer bildhaften Sprache, wie es sein wird. Dort, am Ende des Lebens angekommen, werden keine Tränen und Sorgen mehr sein, es wird wohltuend und unbegreiflich schön sein. Und Gott, wie auch immer er sich uns darstellt, wird uns nahe sein.

Ungeachtet dessen, dass wir alle gerne leben und die Welt und das Leben versuchen zu genießen, so ist diese Aussicht mehr als nur ein Trost.

 

Diese Aussicht befreit schon heute mein Leben, meinen Alltag.

Ich darf wissen: Gott ist für mich sowohl im Alltag, als auch in Ewigkeit da. Er sorgt für mich heute, morgen und am Ende meiner Tage. Es ist eine befreiende Botschaft. Eine befreiende Aussicht. Eine, die von Gott zugesagt ist. Sie schenkt mir mehr Leichtigkeit im Leben und lässt mein Leben in einem anderen Licht erschein. Dieses Licht kann mir das schenken, was ich in dieser Frau gesehen habe, mit der ich die Kindernachmittage gestalten durfte: Zufriedenheit, Versöhnung mit sich und dem Leben, Liebe.

 

Das bedeutet nicht, dass Christen realitätsfern und in absoluter Verklärung mit Endzeitstimmung unterwegs sind. Es bedeutet auch nicht, dass ich um mich herum die Sorgen und Nöte nicht mehr wahrnehme, oder gar selber keine mehr habe. Es bedeutet, dass eine tiefe Gewissheit in mir lebt, dass egal was auf mich zukommen wird, dass Gott mit mir ist und neue Möglichkeiten und Lösungen schenken wird.

 

Der Glaube an Gott, an seine befreiende Liebe, das ist ein Geschenk. Der Glaube ist nie fertig. Darf immer wieder neu entdeckt werden und dich entwickeln. Daher ist er nicht nur im Hinblick auf die Ewigkeit und ein Leben nach dem Tod ein Gewinn. Nein, er kann mir schon in diesen Tagen einen Frieden schenken, der es mir ermöglicht in Liebe, Güte und Zugewandtheit zu leben.

Diese Grundhaltung, sie darf wachsen in mir. Und dann wird sie auch sichtbar werden in meinem Leben und im Umgang mit meinen Mitmenschen. So wie es das Bibelwort von Paulus beschreibt.

 

Ich erinnere mich immer wieder gerne an die Szene, wenn die Kinder des Kindernachmittages auf die Frau zukamen. Durch ihr sichtbares Strahlen von innen heraus. haben die Kinder gemerkt: Hier kann ich zur Ruhe kommen. Hier erlebe ich Angenommensein, hier erlebe ich Frieden. Und diese Kraft, die spürbar war, diese Kraft können wir alle ausstrahlen.

 

Wenn wir uns mit Gott auf diesen Weg begeben. Gott bitten, dass er uns von innen so verändern möge, dass wir diese Glaubensgewissheit in uns tragen und von göttlicher Leichtigkeit geflutet werden, dann werden wir diese Leichtigkeit und diesen Frieden als Kinder des Lichts nach außen tragen.

 

Andere um uns herum werden dies merken. Sie werden sich fragen, wieso eine Person so von innen heraus strahlen kann und woher diese innere Stärke kommt.

 

Und Stück für Stück dürfen wir diese Menschen mit hineinnehmen, in unser Glaubensleben, in unsere Fragen und in unsere Gewissheit, dass es Gott ist, der uns im Leben trägt.

 

Dann kann es durchaus geschehen, dass der andere Gottes Worte für sich wahrnimmt, so wie Paulus am Ende dieses Bibeltextes schreibt:

„Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.“

 

Amen