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Gefängnisbesuch

Wir machen heute Besuch im Gefängnis. Dort erleben wir ein Wunder. Zeit, um hier an dieser Stelle auch mal auf die Arbeit des Schwarzen Kreuzes aufmerksam zu machen!

Wochenspruch   – Ps 98, 1

Psalmgebet  – Ps 98

Predigttext  – Apg 16, 23-34

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

Schwarzes Kreuz  – Christliche Straffälligen Hilfe e.V.

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Die Apostelgeschichte erzählt eine atemberaubende Geschichte.

Paulus und Silas sitzen im Gefängnis. Sie haben nicht gestohlen, niemanden verletzt, kein Unrecht getan. Im Gegenteil: Sie haben einem Mädchen geholfen, das unter einem Wahrsagegeist litt. Doch die Herren des Mädchens verloren dadurch ihre Einnahmequelle und so landen die beiden Männer im Gefängnis.

 

Und hier startet dann der heutige Impulstext, den wir gerade gehört haben.

Paulus und Silas landen also im Gefängnis. Es wird nicht erzählt, dass sie wütend waren oder aufgebracht in ihrer Zelle schrien. Nein, sie beteten.

„Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie“, steht in Vers 25.

 

Was für ein Satz! Paulus und Silas sitzen im innersten Kerker. Ihre Füße sind verkettet. Ihre Rücken sind von Schlägen wund. Ihre Freiheit ist ihnen genommen worden. Und dennoch oder gerade deshalb beten und singen sie. Sie singen Loblieder. Sie beten. Sie wenden sich nicht ab von Gott, sondern zu ihm hin. Ihre Hoffnung liegt nicht in einer schnellen Entlassung, sondern in der Nähe Gottes zu sein, mitten in der Not.

 

Lobpreis ist keine Gefühlsfrage, sondern eine Glaubensentscheidung. Paulus und Silas zeigen: Gott ist nicht nur der Gott der Freudenfeste, sondern auch der Gefängniszellen. Er ist gegenwärtig. Auch dort, wo wir ihn nicht erwarten würden.

 

Ich kenne eine Frau, bei der es mal ganz ähnlich war. Sie war sehr krank und lag nach einer schweren Operation im Krankenhaus. Sie hatte Schmerzen, war erschöpft und fühlte sich allein. Doch jeden Morgen begann sie ihren Tag mit einem kurzen Gebet. Sie zwang sich nicht zu einem aufgesetzten Optimismus, aber sie hielt sich an Gottes Nähe fest. Der Pfleger, der sie täglich betreute, sagte irgendwann zu ihr: „Es ist etwas, das sie ausstrahlen. Etwas, das trotz allem Hoffnung macht.“

 

So wurde bei dieser Frau aus Lob im Leid ein Zeugnis.

Das alles passiert nicht, weil ich stark bin, sondern weil Gott größer ist als meine Umstände.

 

Paulus und Silas haben also gesungen und gebetet.

„Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, sodass die Grundmauern des Gefängnisses erschüttert wurden…“, erzählt es der Impulstext für heute.

 

Gott greift ein mit einem Erdbeben. Die Türen springen auf, die Fesseln fallen ab. Das ist kein Zufall. Es ist ein Zeichen.

Aber die eigentliche Erschütterung geschieht nicht im Gebäude, sondern in den Herzen. Der Kerkermeister, der eben noch bereit war, sich das Leben zu nehmen, wird durch das Verhalten von Paulus und Silas zutiefst erschüttert. Und die beiden? Silas und Paulus? Sie laufen nicht weg. Sie bleiben da. Sie zeigen damit nicht nur Mut, sondern auch Barmherzigkeit.

 

Gottes Eingreifen stellt die Ordnung auf den Kopf. Und der Wärter fragt: „Was muss ich tun, dass ich gerettet werde?“ Plötzlich ist nicht mehr er derjenige, der Macht über Gefangene hat, sondern er wird selbst zum Bedürftigen, zum Lernenden, zum Bittenden.

 

Manchmal brauche ich ein Beben im Leben, damit ich offen werde für das, was wirklich zählt. Gottes Erschütterungen sind nicht dazu da, mich zu zerstören, sondern um mich aufzurichten.

 

So war es für den Kerkermeister. Diese Erschütterung in seinem Leben brachte ihn zu Gott. Er wollte glauben.

Er hat Paulus und Silas die Füße gewaschen, ein Zeichen dafür, dass er sich Gott unterwirft und er hat sich taufen gelassen. Und das, obwohl der Kerkermeister wusste, dass sein Verhalten mit Sicherheit eine Strafe nach sich ziehen würde. Dennoch tat er es. Diese Tat hat dann auch Konsequenzen.

Der Gefängniswärter, der noch Stunden vorher seinen Teil dazu beigetragen hat, dass Paulus und Silas gefangen gehalten wurden, wird nun ihr Gastgeber. Er pflegt ihre Wunden. Er teilt Brot mit ihnen. Und dann geschieht eben das größte Wunder: Er und seine ganze Familie lassen sich taufen. Aus dem Gefängnis wird eine Hauskirche. Aus einem Wärter wird ein Bruder im Glauben.

 

Unser christlicher Glaube ist nie nur eine innere Erfahrung – er verändert Beziehungen. Er bricht Isolation auf. Er stiftet neue Gemeinschaft, in der nicht Herkunft oder Macht zählen, sondern Vertrauen, Liebe und Barmherzigkeit.

 

In meiner Zeit als Sozialpädagoge habe ich mal einen jungen Mann erlebt, der aus sehr schwierigen Verhältnissen gekommen ist. Im christlichen Glauben hat er Halt gefunden und in der Gemeinde eine neue Familie. Jahre später er einem Flüchtling ein Zimmer in seiner Wohnung angeboten. Als ich gefragt habe, warum er das tut, denn seine Wohnverhältnisse sind nicht übermäßig groß, da sagt er: „Als ich nichts hatte, hat mich jemand aufgenommen. Jetzt kann ich etwas weitergeben.“ Der Kreis schließt sich. Glaube wird zur gelebten Solidarität.

Der Gefängniswärter hatte wahrscheinlich nie vorgehabt, an diesem Abend Christ zu werden. Aber Gottes Liebe war stärker als seine Routine. Und am Ende wurde aus seiner Wache ein Fest.

Ja, die Geschichte von Paulus und Silas im Gefängnis ist mehr als ein Wunderbericht. Sie kann ein Bild für den eigenen Glaubensweg sein. Denn:

 

  • Manchmal bin ich gefangen – in Angst, Krankheit, Schuld oder Sorgen.

 

  • Manchmal zittern die Grundmauern – durch Krankheit, Verluste oder Krisen.

 

  • Und manchmal erlebe ich genau dort Gottes Nähe, Trost und neue Gemeinschaft.

 

Der Gott, der mitten in der Nacht ein Lied in unsere Herzen legt, ist auch heute da. Der Gott, der Türen öffnet und Menschen verändert, wirkt auch heute. Der Gott, der aus Wärtern Brüder macht, schreibt auch heute neue Geschichten.

Darum:

Singen wir – selbst wenn es dunkel ist.

Vertrauen wir – selbst wenn alles wankt.

Und handeln wir – wenn der Glaube uns ruft, Gemeinschaft zu stiften.

Denn: Gott ist da. Und seine Gnade macht frei – mitten in unseren Gefängnissen.

 

Amen.